Wo sind die Fledermäuse? Artenspürhündin Vilda suchte gemeinsam mit Hundeführerin Katrin Wegener-Lundkvist nach neuen Abflugspalten. Foto: Julian-Keno Lilienthal.

Deutsche Wildtier Stiftung erforscht Fledermäuse im Lüneburger Kalkberg

Nur noch in Bad Segeberg gibt es ein so einzigartiges Fledermaus-Quartier wie im Lüneburger Kalkberg. Möglicherweise befindet sich in Lüneburg sogar ein Massen-Winterquartier mit seltenen Fledermausarten und ein einzigartiges Höhlen-Ökosystem. Das erforscht derzeit die Deutsche Wildtier Stiftung mit Hilfe von Videokameras, Lichtschranken und einem Ultraschall-Aufnahmegerät. Auch ein Artenspürhund kam zu Besuch.


Mitteilung von: Deutsche Wildtier Stiftung – Am: 02.06.2025
Online: https://www.deutschewildtierstiftung.de/ – Foto: Julian-Keno Lilienthal, Deutsche Wildtier Stiftung


Deutsche Wildtier Stiftung vermutet einzigartiges Höhlensystem im Lüneburger Kalkberg

Wo sind die Fledermäuse? Artenspürhündin Vilda suchte gemeinsam mit Hundeführerin Katrin Wegener-Lundkvist nach neuen Abflugspalten. Foto: Julian-Keno Lilienthal

Der Lüneburger Kalkberg ist einzigartig – eine andere bekannte, natürliche Fledermaushöhle im Norddeutschen Tiefland gibt es sonst nur noch in Bad Segeberg. Im Inneren des 56 Meter hohen Kalkbergs könnte sich ein bislang ungelüftetes Geheimnis finden: Ein Massenwinterquartier seltener Fledermausarten und möglicherweise ein einzigartiges Höhlenökosystem. Aber bisher wissen nur die Fledermäuse, wie es im Inneren aussieht. Die halten sich im Frühsommer vermehrt dort auf und suchen in den vielen Karstspalten Schutz.

Große Bedeutung als Fledermaus-Winterquartier

„Wir können am Lüneburger Kalkberg ein hochintensives Schwarmverhalten von Mitte August bis in den Dezember hinein beobachten“, erklärt der Biologe Florian Gloza-Rausch. Er untersucht mit seinem Team im Rahmen eines Förderprojekts der Deutschen Wildtier Stiftung das Fledermausvorkommen in Lüneburg.

„Im Frühsommer sind regelmäßig viele Männchen zu sehen, während die Weibchen sich in sogenannten Wochenstubengesellschaften meist in Baumhöhlen auf die Geburt der Jungen vorbereiten. All das sind wichtige Indizien dafür, dass dieser Ort eine große Bedeutung als Fledermaus-Winterquartier hat.“

Verschiedenste Methoden zur Erkundung angewendet

Um zu erforschen, wie die Fledermäuse den Kalkberg nutzen, und herauszufinden, wie es im Inneren aussieht, wendet das Forschungsteam verschiedene Methoden an:

  • Ein Artenspürhund erschnüffelt Fledermausgeruch und liefert Hinweise auf verborgene Spalten und Zugänge zum Inneren.
  • Videokameras dokumentieren ausfliegende Fledermäuse.
  • Lichtschranken an Spalten im Berg sollen ab Mitte August ein- und ausfliegende Tiere zählen.
  • Ein Ultraschall-Aufnahmegerät registriert die Rufe der fliegenden Fledermäuse, die anschließend von einem KI-gestützten Analysesystem den einzelnen Arten zugeordnet werden.

Mit Artenspürhündin Vilda auf der Suche

So bekam Gloza-Rausch im März 2025 Unterstützung von Artenspürhündin Vilda aus Schweden. Sie beschnüffelte die bekannten Karstspalten im Kalkberg, um neue Abflugspalten der Fledermäuse zu finden. Begleitet wurde sie von ihrer Hundeführerin Katrin Wegener-Lundkvist. Vilda konnte zwar keinen neuen, verborgenen Ort aufspüren, markierte aber mit freudigem Wedeln die bereits bekannten Fledermausquartiere – ein Beweis für die Wirksamkeit dieser Methode.

Netze und Fledermaus-Kästen in der Region

Auch rund um den Kalkberg und außerhalb Lüneburgs erfassen die Forscher:innen Fledermausvorkommen: Dort, wo sich besonders viele Tiere aufhalten, fangen sie einige mit Netzen, um die am Kalkberg mit Ringen markierten Fledermäuse zu identifizieren. So lassen sich Rückschlüsse auf das Einzugsgebiet des Kalkbergs ziehen. Zusätzlich aufgehängte Fledermauskästen verbessern die Lebensbedingungen für die fliegenden Säugetiere und aus der Besiedelung lassen sich Rückschlüsse auf die Entwicklung der Bestände ziehen.

Erste Ergebnisse zu Ende des Sommers

Bereits Ende des Sommers sollen erste Ergebnisse vorliegen. „Wenn wir wissen, an welchen Orten die Lüneburger Fledermäuse ihre Sommer verbringen, können wir dort Flächeneigentümer zu Schutzmaßnahmen beraten und Besucher auf die faszinierenden Tiere aufmerksam machen – verbunden mit der Bitte, die Fledermäuse möglichst nicht zu stören“, sagt Julia-Marie Battermann, Projektleiterin bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

Die Forschungsergebnisse könnten künftig bei der Stadtplanung und dem Schutzgebietsmanagement hilfreich sein. So könnte sich Lüneburg langfristig zu einem bedeutenden Standort für Fledermäuse in Norddeutschland entwickeln.

Nachtaufnahme von Fledermäusen am Lüneburger Kalkberg

Ganz schön viel los hier, wie das Video zeigt!

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Ruhende Fledermäuse im Baum. Foto: Claire Rye, Pixabay.

Ruhende Fledermäuse im Baum. Foto: Claire Rye, Pixabay

Lünepedia: Naturschutzgebiet Kalkberg

Der Lüneburger Baurat Eduard Schlöbcke setzte durch, dass der Rest des Kalkbergs 1932 eines der ersten Naturschutzgebiete Deutschlands wurde. Auf einer Fläche von 3,6 Hektar siedelten sich 180 Arten von Blütenpflanzen an, darunter einige wärme-, licht- und kalkliebende Arten, die sonst nur im südlichen Mitteleuropa beheimatet sind. Einige kleinere Höhlen werden von Fledermäusen bewohnt.

Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/

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