KlimaKollektiv Lüneburg: Räumung Lüner Holz unverhältnismäßig – Polizei: „Gefahr für Sicherheit und Ordnung“
Die Räumung der Baumhäuser im Lüner Holz am Montag, 12. Januar 2026, sei – angesichts des friedlichen Protestes – unverhältnismäßig und möglicherweise nicht legal, stellt das KlimaKollektiv Lüneburg fest. Nachfragen zum Polizeieinsatz, auch am 4. Advent, kündigt auch Bundestagsmitglied Julia Verlinden (Grüne) an. Die Polizei nennt „Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ als Grund für das Eingreifen.
Mitteilung von: KlimaKollektiv – Am: 12.01.2026
Online: https://www.luenepedia.de/wiki/KlimaKollektiv – Foto: KlimaKollektiv
KlimaKollektiv Lüneburg: Unverhältnismäßige Räumung des friedlichen Protests im Lüner Holz
Foto: KlimaKollektiv. Polizist im halb demontierten Baumhaus im Lüner Holz am 12.01.2026.
Eine „Aktionsgruppe Flederhörnchen“ hatte am 13. Dezember 2025 zwei Baumhäuser im Lüner Holz errichtet als Protest und Mahnwache gegen den Bau der A39 und anstehende Rodungsarbeiten. „Über 100 Kilometer Betonwüste, sehr viel zusätzlicher Autoverkehr, Zerstörung des Lebensraums vieler bedrohter Arten – das ist das geplante Autobahn-Neubauprojekt A39. Dagegen gibt es seit Jahrzehnten Protest – seit Dezember auch in Form einer dauerhaften Baumhaussiedlung im Lüner Holz. Die Umweltschützer*innen harren bei Frost, Wind und Schnee aus, um Widerstand gegen die geplante Zerstörung zu leisten“, beschreibt Theresa Korn vom KlimaKollektiv die Situation.
Keine Rechtsgrundlage vorgelegt
Die Hansestadt Lüneburg hatte eine Duldung der Versammlung im Wald ausgesprochen. Dennoch wurden am Montagmorgen, 12. Januar 2026, dutzende Polizeikräfte bei Minusgraden im Lüner Holz zusammengeholt, um gegen die Versammlung vorzugehen. Hinzukommende Unterstützer:innen wurden abgewiesen: Ihnen wurde verboten, sich der Versammlung zu nähern oder anzuschließen. Eine Rechtsgrundlage dafür wurde – auch auf Nachfrage – nicht vorgelegt oder vorgetragen. Auch für die Räumung der Baumhäuser wurde keine Rechtsgrundlage vorgelegt.
Polizeiliches Eingreifen laut Rechtssprechung nicht legitim
Zur rechtlichen Einordnung ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Sachsen-Anhalt (Az. 3 M 103/25) vom 16.09.2025 zu einer vergleichbaren Protestaktion bedeutsam. Darin wird beschrieben, dass ein Eingreifen der Polizei nur dann begründbar ist, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schaden für Leben und Gesundheit der Versammlungsteilnehmenden oder Dritter bevorsteht.
„Denn allein ein Aufbau in einem Baum, der dazu bestimmt ist, von Menschen betreten zu werden, begründet eine solche Gefahr nicht. […] Allein die abstrakte Gefahr, dass ein Mensch bei dem Erklettern eines Baumes von diesem stürzen könnte, rechtfertigt nicht die Annahme, es handele sich um eine Tätigkeit, von der eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausginge.“
Unklarheiten rund um den Einsatz
Eine gerichtliche Klärung im Nachgang könnte also leicht zu dem Schluss kommen, dass der heutige Einsatz rechtswidrig ist. Nur sind dann bereits die Maßnahmen gegen die Protestierenden und ihre Infrastruktur erfolgt und nicht mehr wiedergutzumachen. Es ist unklar, wer den Einsatz angeordnet hat und wieso erneut städtische Unternehmen bei der Räumung unterstützen.
In Zeiten globaler Krisen von Klimakatastrophe bis Pflegenotstand könne es nicht sein, dass Dutzende Polizisten gegen friedlichen Protest vorgehen, während die Personen, die Natur und Menschen ausbeuten, meist ungestraft davonkämen, so das KlimaKollektiv.
- KlimaKollektiv Lüneburg: https://www.luenepedia.de/wiki/KlimaKollektiv
- Telegram: Lüner Wald – Besetzung Ticker
Über „Preview channel“ kann der Ticker online mitgelesen werden, auch ohne Registrierung bei Telegram. - Solidaritäts-Mahnwache: Brücke der B209 im Lüner Holz, Koordinaten OpenStreetMap: 53.2691482, 10.4289986
- Spendenkonto: Inhaber: VusEumUmseP e.V.
IBAN: DE30 8306 5408 0004 0613 81 – BIC: GENODEF1SLR – Skat Bank – Betreff: A39Stoppen - Vollversammlung gegen die A39: Mittwoch, 21. Januar 2026, 18:30 Uhr – Avenir am Fluss, Ilmenaugarten 137c, Lüneburg
Vor einem Jahr wurde für den Lüneburger Abschnitt der Autobahn ein Planfeststellungsbeschluss vorgelegt, gegen den der BUND geklagt hat. Leider hat die Klage keine aufschiebende Wirkung. Die Autobahn GmbH kann demnächst mit dem Bau beginnen. Bei der Vollversammlung geht es um aktuelle Entwicklungen und das weitere Vorgehen. - Online-Petition unterzeichnen: www.openpetition.de/a39-stoppen
Stellungnahmen und Meldungen
- Polizeiinspektion Lüneburg: Polizei räumt rechtlich nicht zulässige Plattformen – 12.01.2026
Bereits im Dezember 2025 hatten Polizei und verantwortliche Behörden die Plattformen im Lüner Holz aufgrund des Waldgesetzes und der Nds. Bauordnung als rechtlich nicht zulässig und „Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ eingeordnet. Aufgrund der anhaltenden und zunehmenden Gefahrenlage und des unzulässigen Dauerzustands erfolgte am 12.01.2026 durch polizeiliche Einsatzkräfte die Räumung der Bauten und Plattformen. - Julia Verlinden: A39: Polizeieinsatz im Lüner Holz wirft Fragen auf – 12.01.2026
Die Polizei hat in Lüneburg ein Protestcamp von Gegner des Neubaus der A39 im Lüner Holz geräumt. „Wir Grüne stellen uns gegen den Autobahnneubau der A39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg“, erklärt Julia Verlinden. Die Pläne der Bundesregierung, neue Autobahnen zu bauen, seien völlig aus der Zeit gefallen. „Zum heutigen Polizeieinsatz im Lüner Holz habe ich mehrere Fragen, genauso zum Vorgehen am 4. Advent – diese werden die Polizeidirektion und das Landesinnenministerium zu beantworten haben“, kündigt die Stellv. Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Leiterin des Fachbereichs 2 (Ökologie) im Bundestag an. - Robin Wood: Protest gegen Räumung der Waldbesetzung gegen die A39 in Lüneburg – 12.01.2026
Heute Morgen gegen 7:30 Uhr haben Polizeikräfte damit begonnen, die Waldbesetzung in Lüneburg gegen den Bau der Autobahn A39 zu räumen. Etwa 30 Polizist*innen, mindestens 13 Fahrzeuge und ein Rettungswagen kamen in den Wald gefahren. Ab etwa 9:00 Uhr kamen Polizeikräfte einer kletternden Spezialeinheiten hinzu. Für die am Mittag noch andauernde Räumung nutzen sie eine Hebebühne. - NDR: Protest gegen A39: Polizei räumt Baumbesetzung im Lüner Holz – 12.01.2026
Die Polizei hat am Montagmorgen damit begonnen, besetzte Bäume im Lüner Holz zu räumen. In dem Waldstück in Lüneburg protestieren Aktivisten gegen den geplanten Ausbau der A39.

Foto: KlimaKollektiv. Polizisten stehen vor am Boden liegenden Bauteilen eines Bauhauses im Lüner Holz am 12.01.2026.

Foto: Initiative „Voßbrook für alle!“. Die Gruppe schickt eine Solidaritätsadresse nach Lüneburg. Sie hält seit Oktober 2025 eine Plattform auf Bäumen auf dem MFG5-Gelände in Kiel-Holtenau besetzt als Protest gegen den drohenden Verkauf des Geländes durch die Stadt Kiel an die Bundeswehr. Die Beteiligten setzen sich dafür ein, dass das Gelände als allen Menschen zugänglicher und vielfältiger Ort erhalten und entsprechend gestaltet wird: mehr
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Lünepedia: A39
Die A39, eigentlich Bundesautobahn 39, liegt in Niedersachsen und besteht derzeit aus zwei Teilstücken, nämlich einem zwischen Seevetal und Lüneburg (31 km) sowie einem bei Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter (68 km). Der nördliche Teil der A39 ist durch Umwidmung der A250 entstanden. Zwischen 2027 und 2030 soll die so bezeichnete „Lücke“ geschlossen werden und damit 105 km Autobahn neu gebaut werden – mehr als bisher insgesamt vorhanden ist. Gegen dieses Bauvorhaben gibt es erheblichen Widerstand, insbesondere auch in der Lüneburger Bevölkerung.
Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/A39
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