Foto: Leuphana Universität. Herbstlicht auf dem Leuphana Zentralgebäude Lüneburg, 23.09.2025.

Leuphana-Transformationsbarometer: Bevölkerung will Klimaschutz – Uneinigkeit bei der Umsetzung

Der Klimawandel und die Verschmutzung der Natur bereiten den Menschen in Niedersachsen Sorgen – verbunden mit Gefühlen wie Angst, Wut und Hilflosigkeit. Maßnahmen wie ein Tempolimit finden große Zustimmung. Und: Die Menschen erwarten mehr Engagement von Staat, Politik und Wirtschaft. So eine aufwändige Untersuchung der Leuphana Universität Lüneburg. Ab 2026 soll ein Klimarat in Niedersachsen über kommende Maßnahmen beraten, weist Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) hin.


Mitteilung von: Leuphana Universität – Am: 15.01.2026
Online: https://www.leuphana.de/ – Foto: Leuphana Universität. 


Leuphana Universität untersucht Einstellung der Niedersachsen zur Nachhaltigkeit: Transformationsbarometer 2025

Foto: Leuphana Universität. Blick auf das Leuphana Zentralgebäude Lüneburg (Ausschnitt).

Große Sorge um ökologische Risiken – breite Zustimmung für Tempolimit – Zweifel an der Demokratie

Wie steht es um die Einstellung der Bevölkerung zu Nachhaltigkeit und dem aktuellen Wandel in der Gesellschaft? Das hat ein Team der Leuphana Universität Lüneburg unter der Leitung von Prof. Dr. Harald Heinrichs erforscht. Grundlage dafür war eine repräsentative Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut infas. Die Ergebnisse wurden am 10.12.2025 veröffentlicht im „Transformationsbarometer 2025“.

Furcht vor ökologischen Risiken – Zustimmung für Tempolimit

80 Prozent der Niedersachsen fürchten große ökologische Risiken mit Blick auf die Verschmutzung der Natur mit Plastik, verbunden mit starken Emotionen und Affekten im Kontext von Klimawandel und Klimaschutz, inklusive Angst, Wut und Hilflosigkeit. Hohe Zustimmungswerte finden Maßnahmen zur Klimaanpassung wie die Renaturierung von Flüssen (86 Prozent). Ein Tempolimit auf Autobahnen befürworten etwa 70 Prozent der Niedersachsen. Auch die Begrünung von Dächern und Fassaden wird überwiegend positiv bewertet (68 Prozent). 

Mehr Regulierung wird von vielen abgelehnt 

Nahezu alle Befragten sprechen sich für Klimaschutz aus. Nachhaltigkeitsstrategien wie die Regeneration der natürlichen Umwelt, der Fokus auf menschliche Grundbedürfnisse (wie Nahrung und Wohnen) und die Umverteilung von materiellem Wohlstand und finanziellen Mitteln werden von deutlichen Mehrheiten unterstützt.

Bei der Frage nach der angemessenen Geschwindigkeit (Klimaschutz „so schnell wie möglich“ vs. „langsam und bedacht“) teilt sich die Bevölkerung jedoch in zwei fast gleich große Blöcke. Kontrovers bewertet wird auch die Frage nach staatlichen Eingriffen in den privaten Alltag. Weniger als die Hälfte der Befragten spricht sich dafür aus, rund 56 Prozent lehnen mehr Regulierung jedoch ab.

Kritik: Staat, Politik und Wirtschaft zu wenig engagiert

Das Vertrauen in Wirtschaft und Politik ist angeschlagen: Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit dem Engagement verschiedener Akteure unzufrieden. Insbesondere Staat, Politik und Wirtschaft werden als zu wenig engagiert wahrgenommen. Auch mit dem eigene Engagement und dem Engagements der anderen Bürger*innen sind die Befragten nicht zufrieden.

Viele Befragte sehen Politik und Wirtschaft beim Thema Nachhaltigkeit in der Pflicht. 71,8 Prozent erwarten mehr Engagement von der Bundesregierung, 74,6 Prozent von Unternehmen. Nach Ansicht von Projektleiter Professor Harald Heinrichs ist die Mehrheit der Bevölkerung bereit für Veränderungen, „aber nur, wenn sie sozial gerecht gestaltet werden und die Politik Orientierung gibt“.

Unterschiede zwischen Niedersachsen und Gesamt-Deutschland

Die Forscher wollten wissen, ob und wie sich die Einstellung der Niedersachsen von derjenigen in den anderen Bundesländern unterscheidet. Deshalb wurde eine bundesweite repräsentative Befragung durchgeführt. Die Mehrheit der Befragten zeigte sich bereit für die mit der aktuellen Transformation verbundenen Veränderungen. Bei den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind die Niedersachsen etwas skeptischer als der Rest der Republik.

Umweltminister Christian Meyer (Grüne): Menschen aktiv in Veränderungsprozesse einbeziehen

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) wertete die Ergebnisse als Bestätigung für den Transformationskurs der Landesregierung. Es sei ein ermutigendes Signal, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Notwendigkeit von Veränderungen erkennen. Die Umsetzung könne aber nur gelingen, wenn die Menschen aktiv in den Transformationsprozess einbezogen werden. „Mit dem niedersächsischen Klimarat wollen wir genau das ermöglichen“, sagt Meyer.

Hintergrund: Transformationsbarometer 2025

Das Transformationsbarometer 2025 basiert auf einer repräsentativen, standardisierten Befragung der deutschen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren zu nachhaltigkeits-orientierten Transformationsprozessen. Die Erhebung wurde im Jahr 2025 konzipiert, durchgeführt und ausgewertet und erfolgte im Rahmen des Forschungsprojekts „Nachhaltigkeitsstrategie Niedersachsen“ an der Leuphana Universität Lüneburg unter der Leitung von Prof. Harald Heinrichs. Sie wurde gefördert durch das niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

  • Leuphana Universität: Transformationsbarometer 2025 – 10.12.2026
    Die Untersuchung steht hier zum Herunterladen bereit. Herausgeber: Professur für Nachhaltigkeit und Politik, Institut für Nachhaltigkeitssteuerung (INSUGO). Autor:innen: Hartmann, Eric; Redenius, Pia; Stuyvenberg, Philip van; Wilkens, Marie; Heinrichs, Harald.
  • Staatskanzlei Niedersachsen: Klimarat in Niedersachsen kommt mit breiter Beteiligung – 17.11.2025
    Der Klimarat für Niedersachsen nimmt Gestalt an: Das Gremium ist im Klimagesetz beschlossen und soll das Land bei der praxisgerechten und sozialen Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen beraten. Anfang 2026 soll er dann seine Arbeit in Niedersachsen aufnehmen.
    Der Klimarat mit insgesamt 15 Mitgliedern verzahnt sechs Mitglieder aus der Wissenschaft mit breiter fachlicher Expertise mit neun Mitgliedern von Verbänden mit praktischen Erfahrungen, darunter Organisationen aus den Bereichen Wirtschaft, Umwelt, Landwirtschaft und Kommunen sowie Sozialverbände. Die Ergebnisse des Klimarats sollen anschließend von Bürgerinnen und Bürgern beraten werden. Die Zusammensetzung und Auswahl der Bürgerinnen und Bürger soll mittels Zufallsauswahl per Losverfahren aus den Melderegistern erfolgen.

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  • Über 60 kirchliche Organisationen appellieren: Bundesregierung soll Klimaschutz voranbringen – 01.12.2025
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  • Studie der Leuphana Universität: Bevölkerung will mehr Klimaschutz als Politiker denken – 22.07.2025
    Wollen die Menschen in Deutschland Gesetze und Vorschriften zum Klimaschutz? Sind sie bereit, dafür auch selbst Geld aufzuwenden? Viele Verantwortliche in der Politik bezweifeln das. Doch mit dieser Einschätzung liegen sie falsch. So das Ergebnis einer neuen Studie an der Leuphana Universität. Politiker:innen aller Parteien unterschätzten die Bereitschaft der Bevölkerung, mehr Klimaschutz-Maßnahmen zu akzeptieren.
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    Positiv: Viele Städte, Gemeinden und Kreise in Niedersachsen setzen sich ein für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz. Aber: Zwei Drittel der Zuständigen sind der Ansicht, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind. Manche Bereiche – wie Soziales, Kultur und Gesundheit – sind bisher auch kaum im Blick, was die Nachhaltigkeit betrifft.
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Foto: Widerstands-Kollektiv Lüneburg. Als Eisbären verkleidete Mitglieder des Widerstandskollektivs Lüneburg machen am 13.12.2025 in der Großen Bäckerstraße aufmerksam auf den 10. Jahrestag des Pariser Klimaabkommens.

Foto: Widerstands-Kollektiv Lüneburg. Als Eisbären verkleidete Mitglieder des Widerstandskollektivs Lüneburg machen am 13.12.2025 in der Großen Bäckerstraße aufmerksam auf den 10. Jahrestag des Pariser Klimaabkommens: „Meine Lebensgrundlage schmilzt.“ Auf dem Boden das 1,5-Grad-Ziel, das symbolisch überschritten wurde.

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