Lüneburger Wagenplatz Unverrückbar e.V. vor dem Umzug: „Wir werden verrückt!“
„Für uns ist heute Abend nach über drei Jahren Verhandlungen ein Tag zum Feiern“, sagt Bewohnerin Doreen. Bei der Sitzung am 20. August 2026 stimmte der Rat der Hansestadt Lüneburg der Änderung des Flächennutzungsplans für den Brockwinkler Weg zu. Damit kann dort jetzt ein neuer Wagenplatz angelegt werden. Die Bewohnenden sind erleichtert und danken den Verantwortlichen bei der Stadt für die konstruktive Zusammenarbeit.
Mitteilung von: Bewohner*innen Wagenplatz Unverrückbar e.V. – Am: 20.08.2026
Online: wienebue@zeromail.org – Grafik: Wagenplatz Unverrückbar e.V. Banner.
Wagenplatz Unverrückbar e.V.: „Wir werden verrückt“
Ältester Wagenplatz Lüneburgs zieht nach 33 Jahren von Wienebüttel an neuen Ort
Grafik: Wagenplatz Unverrückbar e.V. Banner: Stilisierter Traktor mit angehängtem Bauwagen und Spendenaufruf.
„Für uns ist heute Abend nach über drei Jahren Verhandlungen ein Tag zum Feiern“, sagt Bewohnerin Doreen. Eine breite Mehrheit stimmte in der Ratssitzung am 20. August 2026 dem Antrag der Stadtverwaltung Lüneburg zur Änderung des Flächennutzungsplans zu. Damit ist der Weg frei für die Einrichtung eines neuen Wagenplatzes am Brockwinkler Weg.
Für die Bewohnenden vom Bauwagenplatz Wienebüttel, mit über 33 Jahren das älteste gemeinschaftliche Wohnprojekt in Lüneburg, bedeutet das den Umzug – und einen rechtssicheren Raum für mindestens weitere 30 Jahre. Der Wagenplatz bleibt damit ein offener Raum für Kultur, Gemeinschaft und Vielfalt.
Dreeinhalb Jahre Verhandlungen – in konstruktiver Atmosphäre
Vor gut dreieinhalb Jahren hatte die Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen. Anlass war ein Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wagenplatz. „Ursprünglich ging es um die rechtliche Absicherung unseres jetzigen Wohnorts“, führt Bewohnerin Doreen aus. „Das war eine interessante Situation, da saßen wir mit dem Vorsitzenden des Bauausschusses und der damaligen Stadtbaurätin an einem Tisch.“
Anders als in den Jahren zuvor, in denen andere Projekte in Lüneburg aufgrund alternativer Wohnkonzepte Auseinandersetzungen mit der Verwaltung hatten, waren die Gespräche von Beginn an konstruktiv. Einen kritischen Wendepunkt gab es allerdings dennoch. „Nach etwa eineinhalb Jahren Verhandlungen veränderte die Stadtverwaltung plötzlich die Zielstellung. Man erklärte uns, dass man nach eingehender Prüfung in der ganzen Stadt nur einen Ort gefunden habe, an dem unser Wagenplatz dauerhaft gesichert werden könne: Die Fläche am Brockwinkler Weg“, erinnert sich Bewohner Leon.
Lob für die respektvolle Zusammenarbeit
Die Begeisterung der Bewohnenden über den Vorschlag hielt sich zunächst in Grenzen. „Aber wir haben uns entschieden, diesen Weg gemeinsam mit der Verwaltung zu gehen und einen Pachtvertrag für die neue Fläche ausgehandelt“, so Leon. „Ob man es glaubt oder nicht: In den vergangenen Jahren hat sich trotz mancher Differenzen eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bauamt entwickelt, die wir sehr schätzen“, ergänzt Doreen. „Stadtverwaltung und Kommunalpolitik in Lüneburg haben damit erneut gezeigt, dass es möglich ist, Wagenplätze dauerhaft zu sichern und dass dieses Modell überall (in Niedersachsen) funktionieren kann, wenn der politische Wille dafür vorhanden ist!“
Auf den letzten Metern gab es dann doch noch Gegenwind. Aber weder die Argumente einer Gruppe, die den Flächennutzungsplan kritisierte, noch ein von der AfD-Fraktion eingebrachter Antrag änderten die Entscheidung.
Erleichterung und Zufriedenheit bei Bewohnenden der Bauwagensiedlung
Die Bewohnenden sind erleichtert und zufrieden. Ella blickt nach vorn: „Der Beschluss heute gibt auch den Freiraum, sich wieder anderen gesellschaftlichen Themen zu widmen. Selbstverständlich zusammen mit Initiativen, die Lust auf konstruktive Zusammenarbeit haben. Gemeinsam ist eine andere Welt möglich“. „Es ist großartig, dass wir in Lüneburg den Erhalt von kostengünstigem alternativen Wohnraum sichern“, erklärt Leon abschließend: „Sowohl bei uns, dem Unverrückbar e.V., als auch beim Lebenswagen e.V., Unfug, Raeume, Fluse und vielen weiteren Wohnprojekten in Lüneburg. Die Stadt zeigt, dass sie ganz verschiedene Formen des alternativen Wohnens und Wagenlebens unterstützt.“
- BI Grüngürtel West appelliert an den Rat: Geplanten Bebauungsplan ablehnen – 12.08.2026
Im Westen Lüneburgs soll auf einer Ackerfläche ein Bauwagenplatz eingerichtet werden. Demnächst steht die Entscheidung an zum entsprechenden Bebauungsplan 197. Aus Sicht der Bürgerinitiative Grüngürtel West ist der Schutz und Erhalt dieser Flächen aber dringend notwendig. Die BI appelliert daher an die Ratsmitglieder, den Bebauungsplan abzulehnen. - Hansestadt: Bauwagenplatz am Brockwinkler Weg – Info-Veranstaltung am 2. Dezember 2025 – 22.11.2025
Im Nordwesten der Hansestadt, am Brockwinkler Weg westlich der Justizvollzugsanstalt, soll auf einem stadteigenen Acker eine neue Wagensiedlung entstehen. Perspektivisch sollen die Bauwagen vom Gut Wienebüttel dorthin umziehen. Am 2. Dezember 2025 stellt die Stadt die Pläne vor – mit Anmeldung bis 27. November.

Grafik: Hansestadt Lüneburg. Aufstellungsbeschluss B-Plan für den „Wagenplatz Brockwinkler Weg“.

Foto: privat. Hier ist der Bauwagenplatz geplant. Beide Naturschutzverbände – NABU und BUND – übten heftige Kritik an der Wahl der Fläche.
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