Foto: Polizeidirektion Lüneburg. Fernfahrerstammtisch der Polizeidirektion an der Rastanlage Ostetal.

Fernfahrer-Stammtisch der Polizei: Gefahrensituationen auf der Autobahn – DVR: Schutzsysteme in Lkws häufig deaktiviert

„Umgang mit Gefahrensituationen auf der Autobahn“ war Thema beim monatlichen Fernfahrer-Stammtisch der Polizeidirektion Lüneburg. Assistenzsysteme in Lkws können hier eine große Hilfe sein. Doch wie eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) ergab, werden sie häufig abgestellt. Einer der Gründe: „Ein massives Defizit bei der Qualifikation“, wie der DVR konstatiert.


Mitteilung von: Polizeidirektion Lüneburg – Am: 19.03.2026
Online: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/56836/6239063 – Polizeidirektion Lüneburg


Fernfahrer-Stammtisch der Polizeidirektion Lüneburg: Gefahrensituationen auf der Autobahn

Foto: Polizeidirektion Lüneburg. Fernfahrer-Stammtisch der Polizeidirektion an der Rastanlage Ostetal.

Am Mittwoch, 4. März 2026, fand in den Räumlichkeiten der Rastanlage Ostetal an der A1, Fahrtrichtung Hamburg, der 228. Fernfahrer-Stammtisch der Polizeidirektion Lüneburg statt. Zum Thema „Umgang mit Gefahrensituationen auf der Autobahn“ kamen 15 interessierte Gäste zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man sich in verschiedenen Gefahrensituationen auf Autobahnen richtig verhält. Referent war Polizeihauptkommissar Holger Bockemühl aus dem Moderatorenteam des Stammtisches. Mit über 20 Jahren Diensterfahrung im Einzeldienst auf Bundesautobahnen konnte er Bedeutung und Aktualität des Themas eindrucksvoll vermitteln. Die Teilnehmenden trugen zahlreiche eigene Erfahrungen und Erlebnisse bei.

„Routine ist der Tod der Sicherheit – also seid wachsam.“  

Thematisiert wurden unter anderem Gegenstände auf der Fahrbahn, liegengebliebene Fahrzeuge, Verkehrsunfälle und andere Situationen, die im Alltag auf Autobahnen immer wieder auftreten und umsichtiges und richtiges Verhalten erfordern. Ein besonderes Augenmerk lag auf Stausituationen und insbesondere auf Stauenden. Polizeihauptkommissar Bockemühl zeigte hierzu eine Reihe eindrucksvoller Videos, die typische Gefahrensituationen sowie mögliche Folgen verdeutlichten.

In seinem Handlungsleitfaden betonte er die Bedeutung von Konzentration und Aufmerksamkeit und der Fahrgeschwindigkeit im Straßenverkehr – Stichwort „angepasste Geschwindigkeit“. Sein Fazit: „Routine ist der Tod der Sicherheit – also seid wachsam.“ Der nächste Fernfahrerstammtisch findet statt am 1. April 2026 zum Thema „Schlafapnoe und ihre Folgen“ sein.

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Deutscher Verkehrssicherheitsrat: Jeder zweite Lkw-Fahrende deaktiviert lebensrettende Systeme


Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) – Am: 19.03.2026
Online: https://www.dvr.de/presse/jeder-zweite-lkw-fahrende-deaktiviert-lebensrettende-systeme


Moderne Fahrerassistenzsysteme in Lkw können die Sicherheit auf deutschen Straßen massiv erhöhen. Doch in der Praxis werden sie häufig abgeschaltet. Das ergab eine Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Oktober und November 2025 unter 507 Lkw-Fahrenden. 59 Prozent, also knapp zwei Drittel der Befragten, nutzen ihre Assistenzsysteme nicht durchgehend. 19 Prozent schalteten bestimmte Systeme häufig aus, 40 Prozent gelegentlich.

Aber: „Assistenzsysteme sind mehr als bloße Technik – sie sind Schutzengel für alle Verkehrsteilnehmenden“, erklärt Manfred Wirsch, Präsident des DVR. „Wer sie abschaltet, nimmt bewusst ein höheres Risiko in Kauf und gefährdet Menschenleben innerhalb und außerhalb des Fahrerhauses.“

Sogar Abbiegeassistent und Notbremsassistent werden teils regelmäßig deaktiviert

Besonders häufig wird der Spurhalteassistent deaktiviert: Rund 56 Prozent der Befragten nutzen ihn regelmäßig nicht. Es folgen der Intelligente Geschwindigkeitsassistent mit rund 16 Prozent und der Abstandsregeltempomat mit etwa 15 Prozent. Sogar der Abbiegeassistent wird von rund acht Prozent regelmäßig deaktiviert, der Notbremsassistent von etwa fünf Prozent.

„Assistenzsysteme sind keine Dekoration“, betont Manfred Wirsch. „Der Einbau bestimmter Assistenzsysteme ist gesetzlich vorgeschrieben – und das mit gutem Grund. Blinde Technikgläubigkeit kann ebenso riskant sein wie die Ablehnung von Technik, die nachweislich dazu beitragen kann, Unfälle zu vermeiden.”

Grund: Massives Defizit bei Information und Einweisung

Die Umfrageergebnisse legen ein massives Defizit bei der Qualifikation offen: Knapp 32 Prozent, jeder dritte der Fahrenden also, gaben an, keinerlei Einweisung in die Nutzung der Systeme erhalten zu haben. 45 Prozent wurden lediglich informell durch Kollegen eingewiesen, nur rund 24 Prozent durchliefen eine offizielle Schulung. Etwa zwölf Prozent wissen nicht einmal, welche sicherheitsrelevanten Systeme in ihrem Fahrzeug verbaut sind und knapp 22 Prozent verstehen die Systeme nicht.

Professionelle Schulung nur bei jedem 4. Befragten

„Lediglich 24 Prozent der Befragten wurden von ihrem Transport- oder Logistikunternehmen professionell geschult. Allerdings stehen alle Unternehmen in der Pflicht, ihre Mitarbeitenden entsprechend zu qualifizieren“, fordert Manfred Wirsch. „Nur wer versteht, wie ein System reagiert, kann dessen Schutzwirkung voll ausschöpfen. Es reicht nicht, den Fahrerinnen und Fahrern nur die Technik bereitzustellen. Betriebe müssen aktiv über Funktionsweisen und Sicherheitsnutzen aufklären.“

Akzeptanz leidet unter Fehlalarmen und Komplexität

Grundsätzlich bewerten die Befragten die Technik positiv. Fast 80 Prozent halten Assistenzsysteme für sinnvoll. Dennoch verlassen sich knapp 37 Prozent der Befragten eher nicht oder gar nicht auf die Systeme. Rund 53 Prozent der Befragten fühlen sich während der Fahrt durch Warnungen, Systemfehler oder Eingriffe des Systems gestört oder abgelenkt.

„Die Mehrheit der Befragten hält Assistenzsysteme für nützlich – ein starkes Signal“, so Manfred Wirsch. „Dieses Vertrauen müssen wir stärken.“ Auch die Fahrzeughersteller müssten einen Beitrag dazu leisten: „Entscheidend sind klare und verständliche Warn- und Bedienkonzepte. Auch eine geringe Fehlalarmquote sowie einheitliche Symbole und Bezeichnungen können die Akzeptanz deutlich erhöhen.“

Mehr Information und Kontakt

  • DVR: https://www.dvr.de
  • DVR: Forderungen an die Politik
    10 Top-Forderungen richtet der DVR an die Politik, um die Zahl der Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr deutlich zu senken (Vision Zero). Dazu gehören die Verstärkung der Verkehrsüberwachung, die Anpassung der Höchstgeschwindigkeiten, die verbesserte Qualifizierung für Fahranfänger:innen und die Erhöhung der Sicherheit für Fuß- und Radverkehr.

Information: DVR

Der DVR besteht aus über 200 Mitgliedern: Verbänden, öffentlichen Institutionen, Initiativen, Vereinen. Sie alle beschäftigen sich mit den verschiedenen Aspekten der Verkehrssicherheit: Von Berufsgenossenschaft bis Fahrschule. Von Automobilclub bis Polizei. Von Fuhrunternehmen bis Gesellschaftsvertretung. Von Herstellern bis Sachverständigen.

Damit ist der DVR Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. 

Aufklärungsaktion zum Thema Toter Winkel: Der Tote Winkel vor und neben dem Lkw ist mit Flatterband markiert. Kinder einer Grundschule haben sich in diesem Bereich aufgestellt. Der Round Table Ammerland in Niedersachsen macht mit dieser Aktion auf das Problem aufmerksam. Foto: Fahrradmagazin.net (https://www.fahrradmagazin.net/ratgeber/projekt-toter-winkel/).

Aufklärungsaktion zum Thema Toter Winkel: Der Tote Winkel vor und neben dem Lkw ist mit Flatterband markiert. Kinder einer Grundschule haben sich in diesem Bereich aufgestellt. Der Round Table Ammerland in Niedersachsen macht mit dieser Aktion auf das Problem aufmerksam. Genau hier können Assistenzsysteme helfen. Foto: Fahrradmagazin.net (https://www.fahrradmagazin.net/ratgeber/projekt-toter-winkel/).

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