Nordost-Institut Lüneburg. Foto: Christine Böhm.

Nordost-Institut: War 1945 der Krieg zu Ende? – Vortragsreihe ab 2. September 2025

Für Deutschland endete 1945 der Zweite Weltkrieg. Im Osten gab es vor allem in Zusammenhang mit der (Wieder-)Herstellung der sowjetischen Diktatur noch weit länger Kriegshandlungen. In sechs Beiträgen beleuchten die wissenschaftlichen Mitarbeitenden des Nordost-Instituts in einer Vortragsreihe die Perspektiven aus Osteuropa. Die Vorträge sind in der Regel auch als Live-Stream zugänglich.


Mitteilung von: Nordost-Institut (IKGN e.V.) – Am: 26.08.2025
Online: https://www.ikgn.de/ – Foto: Christine Böhm. Nordost-Institut.


War 1945 der Krieg zu Ende? Perspektiven aus Osteuropa

Vortragsreihe des Nordost-Instituts September-November 2025

Jeden 2. Dienstag ab 2. September 2025, 18:00-20:00 Uhr – Nordost-Institut (Lesesaal), Lindenstr. 31, Lüneburg

Aus deutscher Sicht endete der Zweite Weltkrieg 1945. Im Osten dehnte die Sowjetunion schon im Laufe des Zweiten Weltkrieges ihre hegemoniale Macht über Lettland, Litauen, Estland, Belarus und die Ukraine und anschließend über weitere Länder Ost- und Ostmitteleuropas aus. In einigen dieser Länder dauerte der bewaffnete Widerstand weiter an, es kam zu Umsiedlungen und Vertreibungen. Die immensen Kriegs­zerstörungen sind bis in die Gegenwart präsent.

Vortragsreihe des Nordost-Instituts – vor Ort und als Live-Stream

In sechs Beiträgen diskutieren die wissenschaftlichen Mitarbeitenden des Nordost-Instituts diese Fragen in der Vortragsreihe „War 1945 der Krieg zu Ende? Perspektiven aus Osteuropa“. Den Auftakt bildet der Vortrag „Die Blockade von Leningrad in der bundesdeutschen und sowjetischen Erinnerungskultur“ am 2. September 2025 von Kirsten Bönker, Direktorin des Nordost-Instituts. 

Die sechs Vorträge der Reihe finden statt jeden zweiten Dienstag vom 2. September bis zum 4. November 2025 im Nordost-Institut Lüneburg und sind in der Regel auch als Live-Stream zugänglich. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Die Vortragsreihe im Überblick

Kirsten Bönker: Die Blockade von Leningrad in der bundesdeutschen und sowjetischen Erinnerungskultur
2. September 2025, 18:00 Uhr

Kirsten Bönker befasst sich mit der Erinnerung an die Blockade Leningrads in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik und der UdSSR. Die fast 900-tägige Blockade durch deutsche und finnische Truppen vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 war eines der größten deutschen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg: Hauptziel der Belagerung war der Genozid an der Leningrader Bevölkerung. Die beispiellose Kriegsstrategie kostete rund einer Million Menschen das Leben. Die sowjetische Erinnerungspolitik stilisierte die Blockade zum heldenhaften Abwehrkampf. In der Bundesrepublik blieb das Leid bis in die 1990er Jahre nahezu unbekannt.

Anja Wilhelmi: Spurenlese nach 1945 – die Familie Dehio zwischen Estland und Italien
16. September 2025, 18:00 Uhr

Die Familie Dehio lebte in Tartu, dem einstigen Dorpat. Aber bereits der Erste Weltkrieg riss die Familie entzwei. Mit Hitlers Aufforderung zur „Umsiedlung“ verließen die restlichen Familienmitglieder ihre Heimat und suchten verteilt im Deutschen Reich und Italien einen neuen Anfang. Was bleibt und was ging verloren? Der Vortrag geht den Spuren der Familienmitglieder nach und stellt ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Jahre 1945 vor.

Dieser Vortrag wird nicht Live gestreamt.

Detlef Henning: Vom langen Ende des Krieges. Der Widerstand gegen die sowjetische Besetzung in Lettland 1945 bis 1953
30. September 2025, 18:00 Uhr.

Als unmittelbare Folge der geheimen deutsch-sowjetischen Vereinbarungen im Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 wurden die baltischen Staaten im Juni 1940 von Stalin okkupiert. Damit begann der Zweite Weltkrieg für Estland, Lettland und Litauen ein Jahr später – und dauerte in der baltischen Region auch länger, weit über die Kapitulation der letzten deutschen Truppen im sogenannten „Kurland-Kessel“ im Mai 1945 hinaus.

Die letzten baltischen Partisanen („Waldbrüder“), gaben ihren Widerstand erst zu Beginn der 1950er Jahre auf, nachdem noch einmal Teile der Bevölkerung nach Sibirien deportiert worden waren und die erhoffte Unterstützung durch die Westmächte ausgeblieben war. Der Vortrag erzählt die im Westen vergessene Geschichte Lettlands im Nach-Krieg, ordnet sie in die baltische Geschichte des 20. Jahrhunderts ein und verdeutlicht die Dramatik jener Jahre an den Lebenswegen einzelner Personen.

David Feest: Eine Chronik des Kriegsendes? Gerüchte und Propaganda in den Tagebüchern von Jaan Roos
14. Oktober 2025, 18:00 Uhr

Der Literaturwissenschaftler Jaan Roos war nach der Eroberung Estlands durch die Rote Armee fast zehn Jahre lang auf der Flucht. Von Dorf zu Dorf ziehend führte er akribisch Tagebuch darüber, was er sah und hörte. Besonders die Gerüchte interessierten ihn: Wann würde die Rote Armee wieder abziehen? Standen Massendeportationen der Landbevölkerung unmittelbar bevor? Und, gab es sie wirklich: die Fabrik in Tartu, in der Menschenfleisch zu Wurst verarbeitet wurde? Diese Gerüchte waren Ausdruck von Ängsten und Hoffnungen in einer „Nachkriegszeit“, die nicht als solche empfunden wurde.

Dmytro Myeshkov: Sieg ohne Frieden? Die Ukraine im Jahr 1945
28. Oktober 2025, 18:00 Uhr

Weder die Befreiung der Ukraine im Oktober 1944 noch die Kapitulation Deutschlands brachte einen nachhaltigen Frieden. Die (Wieder-)Herstellung der sowjetischen Diktatur war begleitet von Terror und Zwangsumsiedlungen, von bewaffnetem Widerstand und einem opferreichen, ukrainisch-polnischen Konflikt. Der Vortrag beleuchtet die unmittelbare Nachkriegszeit in der Sowjetukraine und die gegenwärtige Wahrnehmung des Zweiten Weltkrieges in der ukrainischen Gesellschaft.

Agnieszka Pufelska: Zukunft aus den Ruinen – Die ehemaligen deutschen Städte im Nachkriegspolen (1945 – 1948)
4. November 2025, 18:00 Uhr

Danzig, Stettin, Allenstein – einst bedeutende deutsche Städte, heute Teil Polens. Der Zweite Weltkrieg hinterließ sie in Trümmern, die deutsche Bevölkerung wurde fast vollständig vertrieben. Wie verlief der Wiederaufbau? Wer prägte das neue Stadtbild? Und was geschah mit dem kulturellen Erbe dieser Orte?

Der Vortrag lädt zu einer historischen Reise ein – durch Zerstörung, Neuanfang und Erinnerung. Er zeigt, wie stark Gdańsk, Szczecin und Olsztyn von den Kriegsereignissen geprägt wurden und wie sich ihr Erscheinungsbild, ihre Funktion und ihr kultureller Charakter nach 1945 verändert haben. Dabei wird auch deutlich, dass Spuren der deutschen Vergangenheit bis heute im Stadtbild und in der Erinnerungskultur sichtbar geblieben sind.

Nordost-Institut Lüneburg

Das Nordost-Institut/Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. (IKGN e.V.) nahm im Jahr 2002 seine Arbeit auf. Es initiiert, konzipiert und organisiert wissenschaftliche Veranstaltungen, Konferenzen, Workshops, Vortragsreihen etc. Stellungnahmen und Vorträge sind auch im YouTube-Kanal des Instituts zugänglich.

Zum 1. Oktober 2024 übernahm Frau PD Dr. Kirsten Bönker das Amt der Direktorin des Nordost-Instituts Lüneburg. Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Osteuropahistorikerin liegt auf der Kultur­geschichte des Russländischen Reiches des 19. und 20. Jahrhunderts, der Sowjetunion und den Transformationsprozessen der nachsowjetischen Zeit.

Wikipedia: Nordost-Institut

Das Nordost-Institut – Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. (Abk.: IKGN) ist ein An-Institut der Universität Hamburg in Lüneburg in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Die Gründung war ein Teil der Konzeption zur Erforschung und Präsentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa, die die Bundesregierung im September 2000 beschlossen hatte.

Das Institut führt Forschungsprojekte und Tagungen durch, initiiert und betreut wissenschaftliche Publikationen, gibt jährlich das „Nordost-Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte“ im Eigenverlag und die Publikationsreihe „Veröffentlichungen des Nordost-Instituts“ im Harrassowitz Verlag Wiesbaden heraus und führt die „Nordost-Bibliothek“ als Spezialsammlung wissenschaftlicher Literatur zur nordosteuropäischen Geschichte. Finanziert wird das Institut aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Hinzu kommen für einzelne Projekte Drittmittel.

Weiterlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Nordost-Institut

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