VCD Elbe-Heide: Neubau einer Schleuse in Scharnebeck – Stellungnahme
Reicht das Schiffshebewerk in Scharnebeck nicht mehr aus? Seit einigen Jahren ist hier eine neue Schleuse in Planung, „weltweit die mit Abstand höchste Schleuse dieser Bauart“ und als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrsplan ausgewiesen. Der VCD Elbe-Heide hat das Bauvorhaben unter verschiedenen Aspekten geprüft – und sieht die Pläne kritisch.
Mitteilung von: VCD Regionalverband Elbe-Heide – Am: 31.12.2025
Online: VCD Elbe-Heide – Foto: Walter Rademacher, Wikipedia. Quelle: mehr
I. VCD Elbe-Heide: Stellungnahme zum Neubau der Schleuse in Scharnebeck
Foto: Walter Rademacher/Wikipedia. Schiffshebewerk Scharnebeck, Westansicht mit beiden Trögen in voller Länge. 38 Meter beträgt hier die maximale Differenz zwischen Ober- und Unterwasser (Fallhöhe). Die neue Schleuse ist als geschlossener Block daneben geplant, so hoch und etwa doppelt so lang wie das Hebewerk.
Seit 1975 ist das Schiffshebewerk in Scharnebeck in Betrieb – damals als größtes Schiffshebewerk der Welt gebaut. Seit einigen Jahren wird eine Schleuse in Scharnebeck als Ergänzung bzw. Ersatzneubau für das Schiffshebewerk geplant. Diese Schleuse ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als „vordringlicher Bedarf“ enthalten und soll die Kapazitäten der Binnenschifffahrt erhöhen.
Grundsätzlich befürwortet der VCD Elbe-Heide den ressourcenschonenden Transport im Schiffsverkehr. Auch ist der Elbe-Seitenkanal eine wichtige Kanalverbindung. Aber die Planungen und Berechnungen für das Bauvorhaben reichen lange zurück. Der VCD Regionalverband schlägt vor, das Vorhaben aus heutiger Sicht zu überprüfen, und hat dazu eine ausführliche Stellungnahme verfasst.
Neue Schleuse in Scharnebeck: Bedenken und Einwände
In den bisherigen Planungen für die Schleuse bleiben zentrale Aspekte wie die ökologische Nachhaltigkeit, die Wirtschaftlichkeit und die technische Machbarkeit unzureichend beleuchtet, weist der VCD Elbe-Heide hin. Im Folgenden sind die Bedenken und Einwände kurz zusammengefasst.
1. Die Kapazitäten in Scharnebeck reichen aus
- Kapazitäten sind ausreichend: Das Schiffshebewerk Scharnebeck und die Schleuse Uelzen bieten aktuell genug Kapazität für das vorhandene Verkehrsaufkommen. Bei zwei funktionierenden Trögen in Scharnebeck entstehen keine nennenswerten Wartezeiten für moderne Verbände.
- Anpassung der Schifffahrt: Viele Schiffe haben ihre Länge (ca. 100 Meter) bereits an die bestehenden Bauwerke angepasst.
- Koppelverbände: Das Argument, das Teilen von Koppelverbänden dauere zu lange, ist veraltet. Durch eigenständig fahrbare Schubleichter ist dieser Vorgang heute kaum noch zeitaufwändig. Koppelverbände bis 185 Metern Länge können schon jetzt wirtschaftlich betrieben werden, da sie flexibel zwei verschiedene Ziele gleichzeitig bedienen können.
2. Vieles spricht gegen einen Schleusenbau
- Abnehmender Transportbedarf: Der Gütertransport auf dem Elbe-Seitenkanal nimmt ab. Eine Neubewertung des zu erwartenden Verkehrsaufkommens ist dringend erforderlich.
- Uelzen als neues Nadelöhr: Eine neue, größere Schleuse in Scharnebeck wäre ineffektiv. Denn die Schleusenanlage in Uelzen ist deutlich kürzer. Lange Schiffe (135 Meter) könnten dort nicht effizient mit anderen Schiffen zusammen geschleust werden.
- Bauliche/technische Aspekte: Vergleichbar mit dem Vorhaben in Scharnebeck ist die Schleuse II in Uelzen. Sie wurde 2006 freigegeben und hat bereits mit technischen Problemen zu kämpfen. Zudem würde der Neubau der Schleuse in Scharnebeck vermutlich das Schiffshebewerk schädigen, sodass letzteres früher oder später nicht mehr als Alternative zur Verfügung stünde. Die Transportkapazität der Schleuse wäre wesentlich geringer als die des Hebewerks.
- Energetische und ökologische Aspekte: Die geplante Schleuse würde bei gleicher Leistung etwa das 40-fache an Energie gegenüber dem Schiffshebewerk benötigen. Dieser immense Ressourcenverbrauch, verbunden mit den Auswirkungen auf die lokale Natur, wirkt sich ökologisch deutlich negativ aus.
- Kulturelle und touristische Aspekte: Das Schiffshebewerk Scharnebeck ist derzeit eine touristische Attraktion im Landkreis mit rund 500.000 Besucher*innen im Jahr. Über Jahre wäre hier eine Großbaustelle. Anschließend würde die Schleuse in ihren Dimensionen das Schiffshebewerk bei weitem in den Schatten stellen (vgl. Fotomontagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes – mehr). Von der Bauweise her würde sie aber wie ein riesiger unansehnlicher Kasten wirken mit doppelt so großer Grundfläche wie das Schiffshebewerk. Eine Sicht von außen auf den Schleusungsvorgang wäre nicht möglich.
3. VCD: Weiteres Hebewerk als Alternative
Statt einer Schleuse könnte auch ein Hebewerk als Ersatzneubau gebaut werden, schlägt der VCD Elbe-Heide auf Grundlage der Überlegungen vor. Dieses würde weniger Platz, Ressourcen, Strom und Geld benötigen. Als Beispiel könnte das Hebewerk Niederfinow Nord dienen, ein Hebewerk mit 115 Metern nutzbarer Länge. Es wurde 2022 für den Verkehr freigegeben. Die dort gemachten Erfahrungen könnten direkt für einen Neubau in Scharnebeck genutzt werden.
Fazit: Planungen überprüfen
Was spricht für den geplanten Schleusenbau in Scharnebeck? Die Prüfung aus ökonomischer, ökologischer, technischer und sozial-kultureller Perspektive stellt die Sinnhaftigkeit des Bauvorhabens infrage. „Es handelt sich um ein extrem teures und ökologisch wie kulturell schädliches Projekt, das auch aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht überzeugt“, so das Fazit des VCD Elbe-Heide.
Zur Information hat der VCD Elbe-Heide eine ausführliche Stellungnahme zu dem Vorhaben veröffentlicht und an die zuständigen Entscheidungsträger*innen weitergegeben und lädt ein zur Diskussion.
- VCD Elbe-Heide: Neubau der Schleuse in Scharnebeck – Stellungnahme (PDF-Datei) – 12/2025
- VCD Elbe-Heide: https://niedersachsen.vcd.org/der-vcd-in-niedersachsen/elbe-heide
II. Mehr zum Thema
Geplante Schleuse bei Scharnebeck als „Jahrhundertbauwerk“
„Ein spektakuläres Ingenieurbauwerk, das es kein zweites Mal auf der Welt gibt“ bringt „Vorteile für uns alle“ – so die Testimonials auf der eigens eingerichteten Internetseite für das Bauvorhaben für den Neubau der Schleuse in Scharnebeck, geplant als „weltweit die mit Abstand höchste Schleuse dieser Bauart“. Die IHK Lüneburg-Wolfsburg, das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung Niedersachsen und die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation machen sich stark für das Vorhaben.
- IHKLW Service & Projekte GmbH: https://www.schleuselueneburg.de
Herausgeber ist die IHKLW Service & Projekte GmbH (mehr), die der Wirtschaftsförderung im IHK-Bezirk Lüneburg Wolfsburg dient. - Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: Schleuse Lüneburg – höchste Sparschleuse der Welt
Anschauliche Fotomontagen zeigen hier das Bauvorhaben und die Größenverhältnisse.
Hintergrund-Information
- Wikipedia: Schiffshebewerk Scharnebeck
Das Schiffshebewerk Scharnebeck wurde 1974 als damals weltgrößtes gebaut. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel: Pro Jahr besichtigen etwa 500.000 Besucher das Hebewerk. - Wikipedia: Schleuse Uelzen
Die Schleuse Uelzen, offiziell Schleusengruppe Uelzen, ist eine Doppelschleusenanlage am Elbe-Seitenkanal. - Wikipedia: Schiffshebewerk Niederfinow Nord
Das Schiffshebewerk Niederfinow Nord wurde als Ersatzbau für das benachbarte alte und kleinere Schiffshebewerk Niederfinow errichtet und am 5. Oktober 2022 für den Verkehr frei gegeben.

Foto: Wolkenkratzer. Doppelschleusenanlage in Uelzen. Sparbecken und Schleuse Uelzen I (links) und Uelzen II (rechts) mit seitlichen Sparbecken. Die Schleuse in Scharnebeck ist mit Überbauung als geschlossener Quader geplant und deutlich größer. Wikipedia: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37425358
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Lünepedia: Schiffshebewerk Scharnebeck
Das zur Bauzeit weltgrößte Doppelsenkrecht-Schiffshebewerk Scharnebeck (auch als Schiffshebewerk Lüneburg bezeichnet) wurde 1974 erbaut und bietet ein sehenswertes technisches Schauspiel. Es ermöglicht Frachtschiffen eine Höhe von 38 Metern zu überwinden. In acht Jahren Bauzeit wurde der Elbe-Seitenkanal gebaut, um eine Verbindung zwischen Elbe und Mittellandkanal zu schaffen. Auf der gesamten Strecke des Elbe-Seitenkanals wird ein Höhenunterschied von 61 Metern überwunden. Davon überbrückt die Schleuse Uelzen 23 Meter und die restlichen 38 Meter das Schiffshebewerk Scharnebeck.
Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Schiffshebewerk_Scharnebeck
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