Foto: Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Ratsfraktionen antworten Menschen aus dem Bereich der Lebenshilfe - Diskussionsveranstaltung am 18. August 2026.

Lebenshilfe Lüneburg-Harburg: Was tut die Politik für Menschen mit Behinderungen?

Leichte Sprache, barrierefreie Wege, Sparpolitik der Bundesregierung: Knapp 300 Menschen mit Behinderungen wohnen in Wohngruppen und Wohnhäusern der Lebenshilfe, alle sind wahlberechtigt. Bei der Diskussionsveranstaltung am 18. August 2026 brachten die Teilnehmenden ihre Fragen ein und erfuhren, wie sich Kandidierende und Ratsfraktionen für Inklusion und ihre Belange einsetzen wollen. Viele gute Vorsätze waren zu hören – es steht zu hoffen, dass die Ratsfraktionen diese nach der Wahl auch in die Tat umsetzen.


Mitteilung von: Lebenshilfe Lüneburg-Harburg – Am: 20. August 2026
Online: https://www.lhlh.org/  – Foto: Lebenshilfe Lüneburg-Harburg.


Info-Abend der Lebenshilfe: „Was tut die Politik in Lüneburg für uns Menschen mit Behinderungen?“ – Die Antworten aus der Politik

Foto: Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Kandidierende Ratsparteien antworten Menschen aus dem Bereich der Lebenshilfe – Diskussionsveranstaltung am 18. August 2026. Von links: Thorben Peters (Linke), Frank Soldan (FDP), Patrick Pietruck (CDU), Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Andrea Kabasci (Grüne) und Britta Marie Habenicht (Lebenshilfe).

Volles Haus gab es am 18. August 2026 im inklusiven Wohnprojekt Bunte Hanse im Lüneburger Hanseviertel: Die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg hatte ein Treffen vorbereitet für Menschen mit Behinderungen und Kandidierenden aus den fünf großen Ratsfraktionen. Als Gäste kamen Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Patrick Pietruck (CDU), Frank Soldan (FDP), Thorben Peters (Linke) und Andrea Kabasci (Grüne) in Vertretung für Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Es moderierte Britta Marie Habenicht von der Lebenshilfe. Zum besseren Verständnis „übersetzte“ Habenicht an manchen Stellen die Beiträge der Politiker*innen in Einfache Sprache oder fasste sie zusammen. 

Fragen und Antworten – Zentrales Thema: Barrierefreiheit

Wer sind die Spitzenkandidat*innen bei den Kommunalwahlen am Sonntag, 13. September 2026? Wie wollen sie sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Inklusion einsetzen? Ja, alle wollen mehr Barrierefreiheit. Das versicherten die fünf Politiker*innen am Dienstagabend einstimmig. In der Fragerunde meldeten sich dann Menschen aus den Wohngruppen und Wohnhäusern der Lebenshilfe mit verschiedensten Anliegen zu Wort.

Wann gibt es die Behördenbriefe in Leichter Sprache?

Los ging es gleich mit der Frage: „Was tun Sie dafür, dass Briefe von Behörden in Leichter Sprache geschrieben werden?“ Andrea Kabasci hob hervor, dass die Internetseite der Hansestadt bereits eine Übersetzungsfunktion in Leichter Sprache anbiete. Leider könne man aber auf andere Behörden (wie das Jobcenter) als Stadt keinen Einfluss nehmen. Andrea Schröder-Ehlers wies hin, dass künstliche Intelligenz das Übersetzen einfacher machen würde – und die Briefe der Stadt dann hoffentlich unkompliziert in Einfacherer Sprache formuliert sein könnten.

Wann kommt Barrierefreiheit im Stadtgebiet?

Wann wird der öffentliche Raum endlich barrierefrei? Alle Politiker*innen schlugen hier Verbesserungen vor: Das Absenken der Bordsteinkanten an den Bushaltestellen, mehr rollstuhlgerechte Toiletten, barrierefreie Spielplätze und Aufzüge an öffentlichen Orten, wie dem Bahnhof, die nicht über Wochen ausfallen.

Eine Problemzone ist das Kopfsteinpflaster am Platz Am Sande. Das war allen Anwesenden bewusst. Denn hier kommt man zum Beispiel im Rollstuhl nicht von einer auf die andere Seite. Man wolle ausprobieren, ob das Kopfsteinpflaster abgeschliffen werden kann, so der Vorschlag.

Beifall für Aktivitäten des Theaters Lüneburg

Andrea Kabasci lobte das Theater Lüneburg: Hier werde schon viel Barrierefreiheit hergestellt mit „relaxed Performances“ und anderen barriereärmeren Gestaltungen der Vorstellungen. Zudem hatte das Theater Lüneburg in Kooperation mit der Lebenshilfe das Stück „Arsch macht mobil“ entwickelt und aufgeführt. Das zeige: Inklusive und barrierefreie Kulturveranstaltungen seien machbar, stellte Andrea Kabasci fest – und erntete dafür viel Beifall aus dem Publikum.

Beirat für Menschen mit Behinderungen mehr einbeziehen und finanziell besser ausstatten

Alle Politiker*innen hoben auch hervor, wie wichtig der Beirat für Menschen mit Behinderungen ist. Hier wolle man die Zusammenarbeit in Zukunft verbessern und den Beirat frühzeitiger mit ins Boot holen. Dann müsse man den Beirat aber auch finanziell besser ausstatten, merkte Inge Seiler-Päpper, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, an: „Wenn der Beirat für Menschen mit Behinderungen als Anwalt der Betroffenen dienen soll und bei Planungen aktiv eingebunden werden soll, dann braucht das schlicht und einfach auch Geld.“

Forderung nach angemessenem Lohn in den Werkstätten

Ein brisantes Thema ist auch der „Lohn“ in den Werkstätten. „Warum bekommen wir für unsere Arbeit in der Werkstatt kein Geld? Wollen Sie das ändern?“, fragte ein Werkstatt-Beschäftigter der Lebenshilfe. Patrick Pietruck (CDU) erklärte, dies sei ein bundespolitisches Thema. Da könne man in Lüneburg nicht viel dran ändern. Aber er wolle sich dafür einsetzen, dass mehr Menschen mit Behinderungen auf den ersten Arbeitsmarkt kämen. Thorben Peters (Linke) und Andrea Kabasci (Grüne) hingegen betonten, dass sie und ihre Parteien sich für den Mindestlohn in Werkstätten stark machen wollten.

Angst vor Sparvorschlägen der Bundesregierung

Auch über die Sparvorschläge der Bundesregierung wurde gesprochen. „Es soll gekürzt werden, auch beim Geld für Menschen mit Behinderungen. Ich habe Angst, dass ich dann in Zukunft nicht mehr so wohnen und arbeiten kann wie jetzt. Wie wollen Sie mir da helfen?“, fragte eine Bewohnerin der Lebenshilfe eindrücklich. Andrea Schröder-Ehlers (SPD) beschwichtigte: Das seien nur erste Planungen, es sei noch nichts beschlossen. Es müsse eben auch gespart werden, weil Deutschland viele Schulden habe.

Thorben Peters (Linke) bezog hier klar eine andere Position: Wenn Milliarden für Rüstung ausgegeben würden, dann könne man auch ebenso viel für Soziales ausgeben. Er sehe nicht ein, dass beim Sozialen gespart werden müsse, so Peters. 

„Demokratiekampagne“ der Lebenshilfe zur Information über Wahlen und Politik

Die Verantwortlichen der Lebenshilfe dankten allen Teilnehmenden für den informativen Austausch und die große Bandbreite an Themen. Der Abend hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Gäste aus der Politik mehr Einblick in die Anliegen von Menschen mit Behinderungen bekamen. Und umgekehrt bekamen die Menschen aus dem Bereich der Lebenshilfe Einblick in die Stadtpolitik. Der Abend war Teil der „Demokratiekampagne“ der Lebenshilfe: An verschiedenen Stellen innerhalb der Lebenshilfe wird über die Wahlen informiert und Politik zum Thema gemacht. Abschließend steht zu hoffen, dass die Ratsfraktionen ihre guten Vorsätze nach der Wahl auch in die Tat umsetzen.

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Grafik: AG Lüneburg zu Fuß, Mai 2025. Der Platz Am Sande – wie es sein könnte und wie es ist. Eine gut begehbare Furt oder auch abgeschliffenes Pflaster sollten hier hier barrierefreies Queren ermöglichen. Ein gut sichtbarer Übergang, der den Fußverkehr bündelt, würde auch die Sicherheit im Miteinander mit Kfz- und Busverkehr verbessern.

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