Kulturprojekt Jahrestage, Bleckede, 13. April 2025. Grafik: Plakat, angepasst.

„Jahrestage“: Bleckede ehrt Hermann Collitz, Kurt Löwenstein und Jörg Immendorf – 13. April 2025

Drei runde Geburtstage werden am 13. April 2025 in Bleckede gefeiert: des Sprachwissenschaftlers Hermann Collitz, des Schulreformers Kurt Löwenstein, dessen Ideen heute noch modern sind, und des Künstlers Jörg Immendorf. Alle drei erreichten internationale Bedeutung. Eine Ausstellung – geöffnet bis zum 31. Mai 2025 – stellt sie vor. 


Mitteilung von: Stadt / Touristinformation Bleckede – Online: https://www.bleckede-tourismus.de/ – Grafik: Plakat (angepasst)


Projekt Jahrestage Drei große Söhne Bleckedes feiern Geburtstag

Mit dem Kulturprojekt „Jahrestage“ feiert Bleckede 2025 drei seiner großen Söhne: Hermann Collitz hat in diesem Jahr 170. Geburtstag, Kurt Löwenstein 140. und Jörg Immendorff 80. Geburtstag. Als Sprachwissenschaftler, Schulreformer und Künstler erreichten alle drei internationale Bekanntheit und Bedeutung. Ihre Geburtshäuser gibt es noch, nah beieinander in der Bleckeder Innenstadt. 

Für Sonntag, 13. April 2025, 11 Uhr, ist im Bleckeder Haus ein gemeinsamer Festakt zur Würdigung geplant. In einer szenischen Lesung, dargestellt von Schauspielern, treffen die drei Männer aufeinander und erzählen aus ihrem Leben. Im Anschluss wird eine Ausstellung eröffnet, die Leben und Wirken der drei Söhne Bleckedes aufzeigt. Diese Ausstellung ist bis 31. Mai 2025 im Bleckeder Haus zu sehen sein. Geöffnet ist sie am Mittwoch, Freitag und Samstag, jeweils von 14 bis 17 Uhr. 

Drei Rückblenden

Der Sprachwissenschaftler Hermann Collitz wurde 1855 im Haus seiner Eltern in der heutigen Friedrich-Kücken-Straße 13 geboren. Die Eltern hatten Viehwirtschaft und einen Schlachterbetrieb. Zu Hermann würde man heute sagen, „er war ein hochbegabter Junge“. Auch damals erkannten Eltern und Lehrer früh, dass Hermann ein besonderes Talent und eine Begeisterung für Sprachen hatte. Mit Latein, Französisch, Englisch und Griechisch war er längst vertraut, als er – mal eben in der Zeit zwischen Abitur am Johanneum in Lüneburg und seinem ersten Semester an der Uni Göttingen – Sanskrit lernte, eine alte Sprache, die ihn faszinierte. Hermann Collitz wurde 1886 ans Bryn-Mawr-College nach Philadelphia/USA berufen, später lehrte er an der Johns Hopkins University. Sein Schwerpunkt: Vergleichende deutsche Philologie. Sein Vermächtnis: Er gilt als bedeutender Modernisierer der Sprachwissenschaft.

Der Schulreformer Kurt Löwenstein wurde 1885 in der Breite Straße 17 geboren. Seine Familie betrieb ein Kurzwaren- und Putzmacher-Geschäft. Kurt wuchs zusammen mit seiner älteren Schwester Gertrud in einer frommen jüdischen Familie auf. Seine Lehrer drängten, er sei begabt, er müsse weiterlernen. Löwenstein gelang das aus eigener Kraft und mit großer Zielstrebigkeit, er studierte Philosophie und Pädagogik. Nach dem Ersten Weltkrieg war ihm das Wichtigste, an der Neuordnung eines demokratischen Staates mitzuarbeiten: Er war der führende Bildungspolitiker der SPD in der Weimarer Zeit, Reichstagsabgeordneter von 1920 bis 1933.

Seine Arbeit galt den nicht privilegierten Arbeiterkindern, und seine Ideen waren für konservative Kreise revolutionär. Er forderte die Einheitsschule, Arbeiter-Abiturientenkurse, gemeinsames Lernen von Jungen und Mädchen, Staffelung der Schulgelder, Ausweitung der Schulspeisung. Er setzte Modellprojekte durch, startete außerschulische Programme, die den Kindern beibrachten, wie Demokratie funktioniert. Seine Vision war „die Schule der werdenden Gesellschaft“. Löwenstein wird mit seinen bahnbrechenden Ideen zum Hass-Objekt der Nationalsozialisten. Einem Überfall der SA im Frühjahr 1933 entkommt er nur knapp. Er flüchtet mit seiner Familie nach Frankreich.

Der Künstler Jörg Immendorff, am 14. Juni 1945 in Bleckede in der heutigen Lauenburger Str. 7 geboren, erinnerte seine Schulzeit so: „Ich hatte kein Interesse für fast alle Fächer, außer Malen und Zeichnen.“ Nach der Trennung seiner Eltern und dem Umzug der Mutter nach Bonn, kam er aufs Internat. Bei einer Shakespeare-Theateraufführung malte er das Bühnenbild und verkaufte sein erstes Bild. Sein Kunstlehrer war überzeugt: „Jörg muss auf die Kunstakademie.“

1963 war es soweit. Immendorff geht nach Düsseldorf. Sein Lehrer: Joseph Beuys, der ihn fördert. Immendorff provoziert mit politischen Aktionen und Happenings, arbeitet als Kunsterzieher, malt den berühmten Zyklus „Café Deutschland“, setzt die Ost-West-Thematik in Kunst um, gestaltet den „Teilbau Bleckede“. Das Projekt, am Hafen seiner Geburtsstadt aufgestellt, wird beschädigt. Immendorff holt es zurück. Er ist jetzt international bekannt und renommiert. In den 80er Jahren werden seine Bilder immer beliebter und immer teurer. Immendorff wird krank: Die ALS-Diagnose ist ein Schock. Seine Familie – Oda, seine Frau, und Ida, die gemeinsame Tochter – geben ihm Kraft. Und seine Kunst. Er hat es so gesehen und gesagt: „Ein Künstler hat zu malen, bis er stirbt“.

Mehr Information und Kontakt

Elbe bei Bleckede mit Fähre. Foto: Lüne-Blog.

Elbe bei Bleckede mit Fähre. Foto: Lüne-Blog

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