Robert Habeck im Gespräch mit Claudia Kalisch: „Ich setze auf Lüneburg.“
Am 29. August 2026 war Robert Habeck wieder einmal zu Gast in Lüneburg. Im Kulturforum Wienebüttel sprach er mit OB Claudia Kalisch, blickte mit ihr auf ereignisreiche fünf Jahre zurück – und sprach mit ihr auch über die Herausforderung, aus einer Minderheitsposition heraus die Stadt zu gestalten. Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen berichtet über die Veranstaltung.
Mitteilung von: Bündnis 90/Die Grünen Lüneburg – Am: 02.09.2026
Online: https://gruene-lueneburg.de/ – Foto: Malte Hübner.
Robert Habeck und OB Claudia Kalisch im Gespräch: „Ich setze auf Lüneburg.“
Foto: Malte Hübner. Robert Habeck und OB Claudia Kalisch beim Gespräch im Kulturforum Wienebüttel am 29. August 2026.
Rund 600 Menschen hörten am Samstag, 29. August 2026, im Kulturforum Wienebüttel Robert Habeck und Claudia Kalisch zu. Gut achtzig Minuten lang wollte der frühere Vizekanzler von der Oberbürgermeisterin wissen: Was nimmt sie aus fünf Jahren im Amt mit? Was kann – angesichts der Krise der Demokratie – eine Stadt tun, damit sich Bürgerinnen und Bürger einbezogen fühlen?
Ein Gast mit Lüneburger Vergangenheit
Habeck hat rund drei Jahre in Lüneburg gelebt, als seine Kinder klein waren, und für ihn ist es bis heute „einfach eine schöne, liebenswerte, tolle Stadt“, wie er gleich zu Beginn sagte. Auch Claudia Kalisch und Habeck kennen sich: Im Januar 2025 war Robert Habeck als Wirtschaftsminister im Rathaus zu Gast. Vor dem Pressetermin war noch eine halbe Stunde Zeit. Claudia Kalisch bot ihm an, ihr Büro so lange für sich zu haben, doch er zog einen Stuhl heran und fragte: „Claudia, wie geht’s dir eigentlich?“ Mit der gleichen Frage fing er nun auch das Gespräch an – und die Antwort fiel so ehrlich aus, dass Habeck sie gleich lobte: „Müde. Und hochmotiviert.“
Krisenjahre: Corona, Ukraine-Krieg, Energiekrise – Lösungen aus der Stadtgesellschaft
Als Claudia Kalisch ins Amt kam, war Corona noch nicht vorbei. Kurz darauf begann der Angriffskrieg auf die Ukraine, und mit ihm kam die Energiekrise. Weil im Herbst 2022 niemand wusste, ob im Winter das Gas reicht, rief sie die erste Stadtkonferenz ein. Menschen aus der ganzen Stadtgesellschaft trafen sich und gingen gemeinsam Szenarien durch. Die Feuerwehr musste feststellen, dass sie bei einem Stromausfall nicht hätte tanken können. Die Bundeswehr bot daraufhin ihre stromlose Tankstelle an.
Mittagstische aus dieser Zeit gibt es zum Teil bis heute – und die Stadtkonferenz ist zur festen Einrichtung geworden. Die Oberbürgermeisterin lädt jedes Jahr dazu ein, zuletzt zum Thema Ehrenamt und als Nächstes, wenn es nach ihr geht, zum Thema Kultur.
Aus der Minderheit heraus gestalten und Mehrheiten finden
Über die Grenzen des Amtes sprach Kalisch ohne Umschweife: Weil die Grünen im Rat keine Mehrheit haben, wechseln die Mehrheiten von Thema zu Thema. „Das hat was für sich, weil man immer wieder miteinander sprechen muss.“ Bei der Mobilität habe sie deshalb aber vieles nicht umsetzen können. Habeck hielt dagegen, dass genau das eine Stärke sein könne. In Skandinavien seien Minderheitsregierungen der Normalfall, und wer eine Stadt fünf Jahre lang so führe, brauche „ein besonderes Fingerspitzengefühl“ und müsse „aus der zweiten Reihe führen“ können.
Hier erklärte Claudia Kalisch auch, warum sie als Amtsinhaberin ohne Parteiticket antritt: Sie sehe sich als Oberbürgermeisterin für alle. Die Kandidatur sei ein Angebot an alle demokratischen Parteien, auch wenn sie im Herzen Grüne bleibe.
Fortschritte im Klimaschutz: Großwärmepumpe an der Kläranlage – Wärme aus Trinkwasser
Beim Klimaschutz wurde es konkret. Die Wärmeplanung hat der Rat deutlich früher beschlossen als vorgeschrieben. In der Woche vor der Veranstaltung wurden die Verträge für eine Großwärmepumpe an der Kläranlage unterschrieben, und in Lüneburg steht die erste Anlage in Deutschland, die Wärme aus Trinkwasser gewinnt. Wenn der Versuch gelingt und die Trinkwasserverordnung angepasst wird, könnte nach Einschätzung der Oberbürgermeisterin ein Drittel bis die Hälfte der Fernwärme aus dieser Quelle kommen. Dazu kommt der Hort an der Anne-Frank-Schule, das erste öffentliche Gebäude in Deutschland nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip, das inzwischen Besucher aus anderen Städten anzieht.
Erneuerbare als günstigste Energie – unabhängig von Importen
Habeck sieht die Energiemärkte inzwischen auf der Seite der Energiewende, weil Strom aus Sonne und Wind zusammen mit Batterien die günstigste Technik sei und der Markt deshalb von selbst in diese Richtung arbeite. Europa gebe jedes Jahr rund 400 Milliarden Dollar für fossile Importe aus, Deutschland 80 Milliarden. Ein großer Teil davon fließe an Staaten, die der Demokratie feindlich gegenüberstehen. Dass Klimaschutz in Deutschland trotzdem zum Kulturkampfthema geworden ist, wundert ihn bis heute.
Kalisch: Klimaschutz und Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz schreiben
Claudia Kalisch rechnete vor, was Nichtstun kostet: Ein einziger Hitzetag über 35 Grad koste den Staat bundesweit rund eine Milliarde Euro, weshalb sie sich als Vizepräsidentin des Deutschen Städtetags dafür einsetzt, Klimaschutz und Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz zu schreiben.
Umso mehr hat es sie nach eigenen Worten erstaunt, dass der Rat die dauerhafte Sicherung des Grünen Gürtels West als Frischluftschneise abgelehnt hat. Aber: „Wenn man keine Mehrheit hat, hat man keine Mehrheit.“ Für den Hitzeschutz in der Innenstadt hat sie die alten Kirchen im Blick, die zentral liegen und von sich aus kühl sind, und darüber will sie mit dem Kirchenkreis ins Gespräch kommen.
Wirtschaftskonferenz mit IHK und Gewerkschaften geplant
Trotz eines Defizits von rund 50 Millionen Euro im Jahr hat die Stadt die Gewerbesteuer nicht angehoben, ein Wirtschaftslotse hilft Unternehmen, im Rathaus schnell an die richtige Stelle zu kommen, und beim Azubi Beach Festival auf dem Marktplatz und beim Azubi-Wheel-Dating im Riesenrad auf den Sülzwiesen werben Betriebe um Nachwuchs.
Noch in diesem Jahr will Claudia Kalisch mit der IHK und den Gewerkschaften eine Wirtschaftskonferenz ausrichten. Habeck brachte dazu die Idee einer kommunalen Innovationsagentur mit, bei der Unternehmen um Lösungen für städtische Aufgaben konkurrieren. Die Oberbürgermeisterin will sie in den Städtetag mitnehmen, bremste aber die Erwartungen. Denn nur drei Prozent der städtischen Ausgaben seien freiwillige Leistungen, etwa für Kultur und Ehrenamt. „Ich bin nicht bereit, den Kitt unserer Gesellschaft kaputtzusparen.“
Teilhabe ermöglichen – Habeck: „Ich setze auf Lüneburg“
Habeck sprach von einer Repräsentationskrise, in der viele Menschen politische Entscheidungen nicht mehr als in ihrem Namen getroffen anerkennen. Er wünsche sich Experimentierräume für neue Formen geteilter Verantwortung, und weil er wisse, wie Bundespolitik funktioniert: „Ich setze auf Lüneburg.“ Claudia Kalisch beschrieb, was die Stadt dafür schon tut: Von den gelosten Bürger*innenräten, die gerade über die Umgestaltung des Kurparks beraten, bis zum Dialograum in der Grapengießerstraße, wo die Themen jeden Monat wechseln und jedes Anliegen direkt an die zuständige Stelle weitergeht.
Kalisch: Kurs halten und noch mehr in die Umsetzung kommen
Sein Schlusswort nutzte Habeck für eine Wahlempfehlung. Lüneburg habe sich in den vergangenen fünf Jahren „nach vorne bewegt“, der Weg sei erkannt, jetzt brauche es „einen Menschen, der das umsetzt, und diesen Menschen können Sie wählen am 13. September“. Claudia Kalisch blieb bei ihrem Credo, „weiter Kurs halten“, denn jetzt gehe es darum, noch mehr in die Umsetzung zu kommen. Zum Abschied bekam Habeck eine Stadtansicht von Lüneburg, auf der sein früheres Haus zu erkennen ist.
- Claudia Kalisch: https://claudia-kalisch.de
- Claudia Kalisch bei YouTube: „Ich setze auf Lüneburg“ – Robert Habeck im Gespräch mit Claudia Kalisch

Foto: Malte Hübner. Verstehen sich: Robert Habeck und OB Claudia Kalisch beim Gespräch im Kulturforum Wienebüttel am 29. August 2026.
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Lünepedia: Kommunalwahl
Bei den Kommunalwahlen in der Hansestadt Lüneburg entscheiden die Bürger*innen über die Sitzverteilung im Kreistag des Landkreises und im Rat der Hansestadt Lüneburg (Stadtrat). Die Legislaturperiode des Kreistages und Stadtrates beträgt jeweils fünf Jahre. Die Kommunalwahlen werden in allen Landkreisen des Landes Niedersachsen parallel ausgetragen, oft sind sie verbunden mit der Wahl der (Ober-)Bürgermeister*in. Die letzte Kommunalwahl in Niedersachsen fand am 12.09.2021 statt, am 13.09.2026 steht die nächste an.
Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Wahlen
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