Hansestadt: Sozialausschuss spricht sich aus für Kontaktcafé in Lüneburg
Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Szenecafé ist die Hansestadt in der Schießgrabenstraße fündig geworden. Vor dem Sozialausschuss am 22. Januar 2026 konnten die Mitglieder die Immobilie besichtigen. Der Ausschuss sprach sich im Anschluss für den Vorschlag der Verwaltung aus. Der Cafébereich soll im Erdgeschoss sein, die oberen Stockwerke sollen für Wohnzwecke genutzt werden. Positive Reaktionen gibt es bereits von linker und grüner Seite.
Mitteilung von: Hansestadt Lüneburg – Am: 23.01.2026
Online: https://www.hansestadt-lueneburg.de – Foto: Lüne-Blog. Anwesen Schießgrabenstr. 17, Lüneburg, Frontseite.
I. Hansestadt: Sozialausschuss empfiehlt Einrichtung eines Kontaktcafés in Lüneburg
Foto: Lüne-Blog. Anwesen Schießgrabenstr. 17, Lüneburg, Frontseite.
Seit längerem gibt es in Lüneburg den Wunsch nach einer Anlaufstelle für Menschen in besonderen Notlagen. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort ist die Hansestadt nun in der Schießgrabenstraße fündig geworden. Vor dem Sozialausschuss am 22. Januar 2026 hatten die Mitglieder die Möglichkeit, die Immobilie zu besichtigen. Der Ausschuss sprach sich im Anschluss für den Vorschlag der Verwaltung aus.
Kontaktcafé im Erdgeschoss – „Housing First“ im Obergeschoss
Die Pläne sehen vor, im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses ein Kontaktcafé einzurichten. Dies soll täglich einige Stunden geöffnet sein, mit pädagogischen Fachkräfte als Betreuung. Um die Menschen wirkungsvoll zu unterstützen, soll der Treffpunkt mit weiteren Hilfsangeboten, z. B. der Drogenberatungsstelle, zusammenarbeiten.
Die oberen Stockwerke sollen wie bisher für soziale bzw. gemeinnützige Zwecke genutzt werden. Die Stadt hatte hier zuletzt unbegleitete geflüchtete Jugendliche untergebracht. Künftig könnten dort Menschen in besonderen Notlagen vorübergehend ein Zuhause finden – als Übergang zu einer dauerhaften Unterkunft und angelehnt an das „Housing First“-Konzept.
Räumlichkeiten sehr gut geeignet – Information für Anwohnende geplant
Aus Sicht der Verwaltung ist es gut, dass nach einer schwierigen Suche und der öffentlichen Diskussion um den Umgang mit betroffenen Menschen nun ein möglicher Standort zur Verfügung steht. „Die Räumlichkeiten und die zentrale Lage sind nach Einschätzung aller Beteiligten für den gedachten Zweck sehr gut geeignet“, betont Scholz.
Als nächsten Schritt werden die Anwohnenden zeitnah über den aktuellen Stand der geplanten Nutzung informiert. „Sollte das Projekt umgesetzt werden, laden wir Interessierte aus der Nachbarschaft natürlich ein, um über die Pläne zu berichten“, sagt Lüneburgs Sozialdezernentin Gabriele Scholz. Die finale Entscheidung trifft der Rat der Hansestadt – das Thema steht am 12. Februar 2026 auf der Tagesordnung.
Untersuchung zu Größe, Zusammensetzung und Bedarf der Szene beauftragt
Bislang liegen keine Erkenntnisse vor über Größe, Zusammensetzung und Bedarfe der Szene in Lüneburg als mögliche Zielgruppe des Vorhabens. Daher hat die Stadt dazu eine Evaluation beauftragt. Die Ergebnisse sollen in die Konzeption des Gebäudes einfließen und beitragen, dass bereits existierende Hilfen noch besser aufeinander abgestimmt werden. „Diese Evaluation ist wichtig, um unabhängig vom Standort des Kontaktcafés die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen zu benennen und Konzepte entsprechend daran auszurichten“, erläutert Scholz.
Kontaktcafé: Menschen ansprechen, die noch keinen Zugang zu Hilfesystemen haben
Die Hansestadt verfügt über ein breites Netz an Unterstützungs- und Beratungsangeboten – von der sozialen Sicherung über Wohnhilfen bis hin zur Sucht- und Sozialberatung. Ergänzt werden diese Angebote durch aufsuchende Sozialarbeit. Dennoch erreichen die Hilfen nicht alle Betroffenen. Es wird erwartet, dass ein Kontaktcafé diese Lücke schließt. Es soll besonders Menschen ansprechen, die bisher keinen Zugang zu den bestehenden Hilfesystemen gefunden haben. Zugleich erhofft man sich dadurch eine Entlastung bei der Nutzung des öffentlichen Raums.
- Hansestadt Lüneburg: Sozialausschuss am 22. Januar 2026 – Tagesordnung mit Anlagen
II. Stellungnahmen aus den Fraktionen
Marianne Esders (Linke): Schritt in die richtige Richtung
Am: 22.01.2025 – Online: https://www.dielinke-lueneburg.de/aktuell/
„Die Sicherheit in Lüneburg ist nachweislich stabil. Die aktuellen Polizeistatistiken zeigen keine signifikant gestiegene Kriminalität. Trotzdem wird das Sicherheitsgefühl vieler Menschen, gerade im Wahlkampf, gegen marginalisierte Gruppen ausgespielt“, kritisiert Marianne Esders, Ratsmitglied der Partei Die Linke im Lüneburger Stadtrat. „Hier wird Angst politisch instrumentalisiert, statt die realen Ursachen sozialer Probleme zu lösen.“
„In Lüneburg wurde über Jahre hinweg nicht ausreichend in wichtige Angebote investiert – Streetwork, Suchthilfe, niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote“, so Esders. Doch ein Schritt in die richtige Richtung sei nun gemacht. Die Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Gleichstellung und Integration haben mögliche Räumlichkeiten für ein Kontaktcafé für suchtbetroffene Menschen besichtigt und mehrheitlich beschlossen, dem Rat die Umsetzung an diesem Standort zu empfehlen.
„Das ist ein überfälliger, aber richtiger Schritt hin zu einer sozialen Lösung. Nachhaltige Sicherheit entsteht durch soziale Infrastruktur, Prävention und Teilhabe. Lüneburg braucht Konzepte, die Prävention, Unterstützung und Menschenwürde zusammendenken. Angst darf kein Wahlkampfinstrument sein.“
Andrea Kabasci (Grüne): Haus für Menschen, die sonst keinen Ort finden
Am: 22.01.2025 – Online: https://gruene-lueneburg.de/home/
Auch Ratsmitglied Andrea Kabasci (Grüne) lobt die Entscheidung des Ausschusses: „In Lüneburg kann ein Haus geschaffen werden für Menschen, die sonst oft keinen Ort finden. Es ist gut, dass es nun konzeptionell und in der Realisierung so schnell voran geht. Das Objekt, das dem Ausschuss gezeigt wurde, halten wir für geeignet und freuen uns, dass dieses nach langer Suche gefunden wurde.“
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Lünepedia: Am Sande
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Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Am_Sande
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