Foto: Hansestadt Lüneburg. Lüneburgs Friedhofsleiter Hans Hockemeyer (Mitte), Dr. Carola Rudnick, Leiterin der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg und Jan Effinger, Geschäftsführer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Bezirksverband Lüneburg/Stade (links) mit einem Plan zur Umgestaltung auf der Kriegsgräberstätte am Nord-West-Friedhof.

Scheingräber in der Kriegsgräberstätte: Ursprüngliche Gräber sind auffindbar

Die Kriegsgräberstätte auf dem Lüneburger Nord-West-Friedhof mit 84 Gräbern sollte 2025 neu gestaltet werden. Überrascht musste man bei den Arbeiten aber feststellen, dass über die Hälfte der Grabsteine auf Scheingräbern standen. Eine Untersuchung hat nun ergeben, dass die echten Grabstätten auffindbar sind und die Toten eventuell geborgen werden können, so Dr. Carola Rudnick von der „Euthanasie“-Gedenkstätte.


Mitteilung von: Hansestadt Lüneburg / Bildungs- und Forschungsgesellschaft „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg – Am: 29.01.2026
Online: https://www.hansestadt-lueneburg.dehttps://www.landkreis-lueneburg.de – Foto: Hansestadt Lüneburg.


„Wo sind die Toten?“: Nur in 35 der 84 Gräber Menschen bestattet

Foto: Hansestadt Lüneburg. November 2024: Lüneburgs Friedhofsleiter Hans Hockemeyer (Mitte), Dr. Carola Rudnick, Leiterin der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg und Jan Effinger, Geschäftsführer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Bezirksverband Lüneburg/Stade (links) mit einem Plan zur Umgestaltung auf der Kriegsgräberstätte am Nord-West-Friedhof.

Die Kriegsgräberstätte auf dem Lüneburger Nord-West-Friedhof mit 84 Gräbern sollte 2025 neu gestaltet werden. Die Überraschung war groß, als man bei Sondierungsgrabungen feststellen musste, dass mehr als die Hälfte der Grabsteine auf Scheingräbern standen.

Inzwischen ist die Anlage nicht mehr als Kriegsgräberstätte anerkannt. Die 35 echten Gräber mit sterblichen Überresten wurden in Holz eingefasst und mit einer Blütensaat bepflanzt, um sie hervorzuheben. Die Informationstafeln vor Ort wurden durch aktualisierte Tafeln ersetzt.

Untersuchung zeigt: Ursprüngliche Gräber lassen sich präzise lokalisieren

„Wo sind die Toten?“ fragten sich Dr. Carola Rudnick („Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg), Jan Effinger (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) und Hans Hockemeyer (Hansestadt Lüneburg). Gemeinsam mit der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten förderte die Hansestadt Lüneburg daraufhin eine Machbarkeitsstudie. Diese wurde nun vorgestellt.

Bekannt war, dass Opfer des Lüneburger Krankenmordes auf dem Friedhof Nord-West und dem Lüneburger Zentralfriedhof bestattet waren. Historiker Marcus Rischmüller kam bei seinen Recherchen zu dem Ergebnis: Mit Hilfe von Luftbildaufnahmen aus verschiedenen Jahrzehnten, archivierten Dokumenten und die Auswertung von Lageplänen lassen sich die echten Gräber auf den heutigen Friedhöfen präzise zuordnen.

Viele Tote können eventuell noch geborgen werden

Bestattet wurden die damaligen Opfer in Bereichen, die heute weitgehend nicht belegt ist. Das ist fast schon eine glückliche Fügung. Man habe gestaunt, so Dr. Carola Rudnick von der „Euthanasie“-Gedenkstätte, „dass es tatsächlich nur verhältnismäßig wenige Grablagen gibt, die wir mit Rücksicht auf die Totenruhe nicht sondieren können. Das heißt aber auch, viele Tote liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit noch am Ort ihrer ursprünglichen Bestattung und können eventuell noch geborgen werden.“

Machbarkeitsstudie mit den Ergebnissen

Ihre Ergebnisse haben beide in der Machbarkeitsstudie dokumentiert, die nun als 40-seitige Broschüre vorliegt. Darin sind auch die möglichen weiteren Schritte benannt wie geologische Bodenuntersuchungen und genetische Analysen. Insgesamt schätzen sie die Kosten für das Suchen der Toten auf rund 225.500 Euro. In Aussicht steht eine Förderung durch Bundesmittel von bis zu 170.000 Euro. Nun wird mit Landesdenkmalamt, Innenministerium und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ausgelotet, wie es in der Sache weitergeht.

  • Hansestadt Lüneburg: Opferfriedhöfe
  • „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg: https://www.gedenkstaette-lueneburg.de
  • NDR: Scheingräber von NS-Opfern: Gebeine laut Studie auffindbar – 29.01.2026
    Neben einer gesetzlichen bestehe auch eine moralische Verpflichtung gegenüber den Angehörigen der Opfer, die gesuchten Gräber zu finden und die menschlichen Überreste der Toten würdevoll zu bestatten, heißt es in der Machbarkeitsstudie der „Euthanasie“-Gedenkstätte in Lüneburg. Angehörige hatten jahrzehntelang vor leeren Gräbern getrauert, ohne dies zu wissen.

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Foto: Andrea Kabasci. Am 29. Januar 2026 stellten Historiker Marcus Rischmüller (rechts) und Carola Rudnick von der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg ihre Machbarkeitsstudie vor.

Foto: Andrea Kabasci. Am 29. Januar 2026 stellten Historiker Marcus Rischmüller (rechts) und Carola Rudnick von der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg ihre Machbarkeitsstudie vor.

Foto: Hansestadt Lüneburg. Die Namen und Lebensdaten vieler Ermordeter sind unvollständig oder fehlerhaft, viele Namen wurden einfach „eingedeutscht“. Franz Waisen steht auf einem der Grabsteine. Der korrekte Name des Ermordeten lautet Franciszek Wajsen. Er kam aus Polen, wurde am 21.1.1921 geboren und starb am 23.01.1945.

Foto: Hansestadt Lüneburg. Dr. Carola Rudnick, Jan Effinger und Friedhofsleiter Hans Hockemeyer bei einem Grab (November 2024). Die Namen und Lebensdaten vieler Ermordeter sind unvollständig oder fehlerhaft, viele Namen wurden einfach „eingedeutscht“. Franz Waisen steht auf einem der Grabsteine. Der korrekte Name des Ermordeten lautet Franciszek Wajsen. Er kam aus Polen, wurde am 21.01.1921 geboren und starb am 23.01.1945. Bei der Neugestaltung sollten solche Fehler korrigiert werden.

Lünepedia: Psychiatrische Klinik Lüneburg

Die Psychiatrische Klinik Lüneburg, eine gemeinnützige GmbH (Abkürzung: PKL, ehemals Niedersächsisches Landeskrankenhaus Lüneburg), ist das städtische Fachkrankenhaus der niedersächsischen Hansestadt Lüneburg für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie sowie Forensische Psychiatrie und Forensische Psychotherapie.

Im Zuge der „Rassenhygiene“ der NS-Politik wurden ab Herbst 1939 schrittweise vermehrt „Euthanasie-Erlaubnisse“ erlassen. In keiner anderen niedersächsischen Anstalt kamen so viele minderjährige Patienten im Zuge der „Aktion T4“ (Codename einer Aussonderungsaktion und „planwirtschaftlichen Verlegung“ von Patienten mit verschiedensten Behinderungen mit reichsweit über 70.000 Morden an Anstaltspatienten) ums Leben.

Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Psychiatrische_Klinik_Lüneburg

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