Foto: VCD Elbe-Heide. Geh- und Radweg Vor der Sülze. Der Radweg rechts ist geräumt, der Gehweg nicht.

VCD Elbe-Heide: Fuß- und Radwege zuerst – Winterdienst nach nordischem Vorbild in Lüneburg?

Der Winter ist nun wohl zu Ende – aber einige, die wegen Schnee und Eis gestürzt sind, laborieren sicher noch an ihren Verletzungen. Ein 81-Jähriger hat seinen Sturz vom Fahrrad Anfang Februar 2026 in Oedeme mit dem Leben bezahlt. Nicht oder unzureichend geräumte Wege sind ein echtes Problem für Fuß- und Radverkehr. Auf gute Beispiele in Schweden und Finnland weist der VCD Elbe-Heide hin.


Mitteilung von: VCD Regionalverband Elbe-Heide – Am: 23.02.2026
Online: VCD Elbe-Heide – Foto: VCD Elbe-Heide.


I. VCD Elbe-Heide: Winterdienst nach nordischem Vorbild –  Seitenstraßen, Fuß- und Radwege zuerst

Foto: VCD Elbe-Heide. Geh- und Radweg Vor der Sülze. Der Radweg rechts ist geräumt, der Gehweg nicht. Folge: Die zu Fuß Gehenden sind auf dem Radweg unterwegs.

So viele Schneefälle wie lange nicht gab es in diesem Winter. Immer wieder mussten Straßen geräumt werden. In Lüneburg werden in der Regel Hauptverkehrsrouten für den Autoverkehr, teils auch für den Radverkehr priorisiert. Für das Räumen von Gehwegen sind die Anrainer zuständig. In Nebenstraßen wird oft gar nicht geräumt. Dass es auch anders gehen könnte, darauf weist der VCD Elbe-Heide hin.

Viele Verletzte bei Fußgängern

Denn diese Priorisierung ist nicht ohne Folgen: In Schweden wurde untersucht, dass 79 Prozent der Fußgänger-Verletzungen im Winter passieren. Beispiele aus Schweden und Finnland zeigen, wie alte Denk- und Handlungsmuster durchbrochen werden können und dabei besser auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse eingegangen wird.

Prinzip umkehren: Erst Gehwege und Seitenstraßen räumen

Nach diesen Untersuchungen wurde in Schweden das Konzept umgestellt: Erst räumte man die Fußwege und Seitenstraßen. „Wie sich herausstellte, hatte das enorme Auswirkungen. Die Ausgaben für Gesundheitskosten sanken, deutlich weniger Menschen suchten die Notaufnahme auf. Denn es ist erheblich weniger gefährlich, mit dem Auto vorsichtig durch Schnee zu fahren, als auf ungeräumten Fußwegen bei Glätte zu laufen“, so Theresa Korn vom VCD Elbe-Heide.

Oulu in Finnland: Winterdienst sorgt dafür, dass Radwege benutzbar bleiben

Ein weiteres spannendes Beispiel ist die finnische Stadt Oulu – die nördlichste Großstadt der EU und 2026 Kulturhauptstadt Europas. Sie gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt und ist insbesondere dafür bekannt, dass selbst im verschneiten Winter sehr viel Rad gefahren wird – mehr als doppelt so viel wie im deutschen Durchschnitt.

Oulu fördert den Radverkehr durch Infrastrukturmaßnahmen bereits seit den 1970er-Jahren und auch heute noch wird das Radwegenetz jährlich erweitert. Ziel ist ein möglichst komfortables Vorankommen der Fahrradfahrenden – dafür wurden unter anderem 320 Unterführungen, baulich getrennte Radwege und 6,5 m breite Fahrradschnellstraßen gebaut. So können Radfahrende auf vielen Strecken ohne Ampeln und damit zügig, sicher und bequem ans Ziel kommen.

90 Prozent der Kinder fahren selbst bei minus 20 Grad mit dem Rad zur Schule

Der Winterdienst arbeitet mit optimierten Fahrzeugen, die nicht die Schneedecke komplett abtragen und durch Salz die Reste schmelzen, sondern die die Schneeoberfläche mechanisch bearbeiten, sodass eine harte, raue Oberfläche entsteht. Die Bildung einer rutschigen Eisschicht bei Tauwetter wird durch das Streuen von Kies verhindert. So fahren heute etwa 90 Prozent der Kinder in Oulu morgens selbst bei minus 20 Grad mit dem Rad zur Schule und auch über 50 Prozent der Erwachsenen nutzen das Fahrrad für den Arbeitsweg.

II. Hansestadt Lüneburg: Winterdienst

Welche Strecken haben Vorrang? Wann werden Radwege geräumt?

In Lüneburg gilt: Geräumt und gestreut wird je nach Witterung in zwei verschiedenen Alarmstufen.

  • Wenn die Zeit drängt, kommen zuerst die Hauptverkehrsstraßen und Busstrecken an die Reihe.
  • Anschließend sind die übrigen verkehrswichtigen Straßen dran.
  • Sind die verkehrswichtigen Straßen geräumt und es sind noch Kapazitäten frei, werden weitere Wege zugänglich gemacht.

Auch für das Räumen von Radwegen gibt es Kriterien: Liegt der Radweg innerhalb einer geschlossenen Ortslage? Ist er verkehrswichtig? Gilt er als gefährlich, weil er etwa auf einer Brücke entlangführt oder abschüssig ist? Nur wenn alle drei Kriterien erfüllt sind, hat die AGL die Pflicht, den Weg zu räumen. Priorisiert wird nach Bedeutung: Eine Straße oder ein Weg, die von vielen Bürger:innen morgens gleich für den Weg zur Arbeit genutzt werden, oder ein Verbindungsweg zwischen Wohngebiet und Supermarkt haben Vorrang.

Räum- und Streupflicht durch Anlieger:innen

Die Reinigung der Gehwege, Straßenrinnen und Regeneinläufe ist laut Straßenreinigungssatzung der Hansestadt Lüneburg vom 01.01.2011 auf Anliegende übertragen. Sie müssen montags bis samstags in der Zeit von 7 bis 21 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 21 Uhr Schnee räumen und streuen. Bei anhaltendem Schneefall müssen die Anlieger:innen gegebenenfalls auch mehrfach täglich hinaus.

Der Gehweg ist in voller Breite frei zu halten oder zu streuen. Sind keine Gehwege vorhanden, muss mindestens ein 1,30 Meter breiter Streifen frei gehalten werden. Außerdem ist es wichtig, die Gullis und Gossen freizuhalten, damit das Wasser bei Tauwetter abfließen kann.

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Foto: VCD Elbe-Heide. Geh- und Radweg in der Barckhausenstraße. Der Gehweg rechts ist geräumt, der Radweg nicht. Folge: Wie die Radspuren zeigen, biegen die Radfahrenden auf den Gehweg ab. Für Anwohnende, die aus der Haustür kommen, keine angenehme Überraschung, wenn man plötzlich in einen Radfahrer läuft.

Foto: VCD Elbe-Heide. Geh- und Radweg in der Barckhausenstraße. Der Gehweg rechts ist geräumt, der Radweg nicht. Folge: Wie die Radspuren zeigen, biegen die Radfahrenden auf den Gehweg ab. Wer aus der Haustür tritt, läuft Gefahr, mit einem Radler zu kollidieren. Deshalb sollten beide, Geh- und Radwege, geräumt werden.

 

Foto: Lüne-Blog. Bardowicker Straße am 8. Januar 2026, gegen 10 Uhr. Fast überall liegt noch Schnee. Der Räum- und Streupflicht kommen die Anlieger mit unterschiedlichem Ehrgeiz nach ...

Foto: Lüne-Blog. Bardowicker Straße am 8. Januar 2026, gegen 10 Uhr. Fast überall liegt noch Schnee. Der Räum- und Streupflicht kommen die Anlieger mit sehr unterschiedlichem Ehrgeiz nach …

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