VSR Gewässerschutz: Untersuchung von Brunnenwasser zeigt teils hohe Nitratbelastung in der Region
Am 20. Juli 2026 führte der Verein VSR-Gewässerschutz auf dem Marktplatz in Lüneburg Brunnenwasser-Analysen durch. In jeder 8. Probe aus den privat genutzten Brunnen liegt der Nitratwert über dem EU-Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter Grundwasser. Besonders kritisch: Die Belastung eines Gartenbrunnens in Südergellersen mit 99 mg Nitrat pro Liter. Der Verein fordert umfassende Maßnahmen, um die Nitratmenge in besonders belasteten Gebieten zu verringern. Dazu gehören Düngeregelungen und das Vermeiden offener Ackerflächen.
Mitteilung von: VSR-Gewässerschutz e.V. – Am: 18.08.2026
Online: https://vsr-gewaesserschutz.de/ – Foto: Ruben Wiltsch.
VSR Gewässerschutz: Untersuchung von Brunnenwasser zeigt hohe Nitratbelastung
Foto: Ruben Wiltsch. Harald Gülzow untersucht eine Wasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz. Im Hintergrund eine Nitratkarte von Deutschland. Gegen eine Kostenbeteiligung von zwölf Euro werden hier Nitrat-, Säure- und Salzgehalt von Brunnenwasser getestet. Die Ergebnisse erhalten Brunnenbesitzer noch am Infostand.
Am 20. Juli 2026 führte der VSR-Gewässerschutz auf dem Marktplatz in Lüneburg Brunnenwasser-Analysen durch. 56 Bürger gaben Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen am Labormobil ab. „Wir analysierten die Wasserproben und erstellten für jede Probe ein ausführliches Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers, welches wir den Brunnenbesitzern zusandten“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt koordiniert. „Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden.“
Nitratergebnisse ausgewertet – EU-Nitratrichtlinie für Grundwasser überschritten
Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation auch die Nitratergebnisse aus Lüneburg und Umgebung ausgewertet. Damit soll untersucht werden, wie sich die Nitratbelastung entwickelt. Das Ergebnis: „In jeder 8. Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow. Besonders kritisch sieht er die hohen Belastungen in den Gartenbrunnen in Südergellersen mit 99 mg/l, in Vögelsen und in Hagen mit je 69 mg/l, in Dumstorf mit 67 mg/l und in Westergellersen mit 65 mg/l.
Die 1991 verabschiedete EU-Nitratrichtline besagt, dass die Nitratbelastung von 50 mg/l im Grundwasser nicht überschritten werden darf. Die nationalen Regierungen sind seitdem dazu aufgefordert, diese Forderung mittels Gesetzgebung entsprechend umzusetzen.
Kritik am Umgang mit der EU-Richtlinie zu Nitrat: Aktuell ausgesetzt
Aus den Ergebnissen schließt der Verein, dass die Düngeregelungen auf den Feldern nicht dazu beigetragen haben, die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren. Im Gegenteil: Um die Nitratrichtlinie umzusetzen, gehörten viele landwirtschaftliche Flächen mit hohen Nitratwerten im Grundwasser von 2022 bis 2025 zu den „Roten Gebieten“, wo strengere Düngeauflagen galten. Diese Auflagen sind aber aktuell ausgesetzt. Denn das Bundesverwaltungsgericht hat die Kriterien, nach denen diese „Roten Gebiete“ festgelegt wurden, als zu ungenau bewertet. Aus diesem Grund haben alle Bundesländer die Ausweisung von belasteten Gebiete aufgehoben.
Der VSR-Gewässerschutz ist äußerst besorgt, dass sich die Nitratbelastung in den nächsten Jahren nicht verringern wird, weil dort nun keine zusätzlichen Maßnahmen mehr erfolgen. „Wir sind fassungslos, wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, erklärt Harald Gülzow.
Forderung: Keine Felder ohne Anbau von Zwischenfrüchten oder Bewuchs
Das Fazit aus den bisherigen Auswertungen: Der Verein fordert möglichst schnell eine Nachbesserung, damit in besonders nitratbelasteten Bereichen eine Verringerung erreicht wird. Zu beachten dabei: „Es reicht nicht, nur die Düngemengen zu betrachten. Es müssen mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden.“
Offene Ackerflächen vermeiden
Die Pflicht zum Anbau von Zwischenfrüchten in den „Roten Gebieten“ bewertet Harald Gülzow als sehr zielführend. Diese verhindern, dass die übriggebliebenen Stickstoffe bei Regenfällen ins Grundwasser ausgewaschen werden. Im Kreis Lüneburg bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 75 Prozent aus Ackerflächen. Dort ist die Gefahr der Nitratauswaschung höher als unter Grünland. Das liegt daran, dass Grünland das ganze Jahr über bewachsen und intensiv durchwurzelt ist. Daher wird weniger Nitrat aus dem Dünger ausgewaschen als bei offenen Ackerflächen.
Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern ohne Bodenbedeckung. So darf es im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben. Auch Agroforst, die Kombination von Land- und Forstwirtschaft, stellt eine gute Ergänzung dar, um die Verlagerung der Stickstoffe in die Tiefe zu verhindern.
Informationen zu den Auswertungen aus dem Kreis Lüneburg
Wer sein Brunnenwasser noch untersuchen lassen möchte, aber den Termin am Informationsstand verpasst hat, kann sich die Auswertung der Untersuchungen im Kreis Lüneburg auf der Internetseite des Vereins anschauen. Dort erfahren Brunnenbesitzer auch, wie sie bis Ende November eine Wasserprobe mit der Post zusenden können.
Hinweis: Manche Bürger haben nun Sorge, dass ihr Leitungswasser, das aus dem Grundwasser gefördert wird, den Nitratgrenzwert von 50 mg/l überschreitet. Da kann der VSR-Gewässerschutz jedoch beruhigen. Wasserversorger sind verpflichtet, den Nitratgrenzwert einzuhalten. Die Werte der meisten Anbieter liegen deutlich darunter, da sie bei zunehmenden Nitratkonzentrationen sofort entsprechende Maßnahmen
ergreifen.
- VSR Gewässerschutz: Nitratbelastung von Gartenbrunnen im Kreis Lüneburg
Über den VSR-Gewässerschutz
Das gelbe Labormobil ist von April bis September unterwegs, um Brunnenwasserproben zu untersuchen und Bürger am Informationsstand zu informieren. Im Winter werden dann Flüsse und Bäche beprobt, um festzustellen, inwieweit die Nitrate im Grundwasser zur Belastung in den Flüssen und Bächen führt. Für viele Bäche stellt das Zusickern des nitratbelasteten Grundwassers eine Hauptursache für die starke Nitratbelastung dar.
Mehr bei Lüne-Blog
- VSR Gewässerschutz: Hohe Nitratbelastung im Lüneburger Gartenbrunnen – 08.09.2025
80 Proben aus mitgebrachtem Brunnenwasser untersuchte der gemeinnützige Verein VSR-Gewässerschutz im August 2025 in Lüneburg. Das Ergebnis: Jede achte Probe war über dem Grenzwert mit Nitrat belastet – und das teils deutlich. Der Verein macht sich stark für Agroforst-Systeme. Bäume in Verbindung mit Landwirtschaft senken die Nitratbelastung und verbessern gleichzeitig die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an den Klimawandel.

Grafik: VSR Gewässerschutz. Verteilung der Bodennutzung im Landkreis Lüneburg. Die Hälfte der Fläche im Landkreis wird landwirtschaftlich genutzt, etwa 12 Prozent für Siedlung und Verkehr und ein Drittel ist mit Wald bedeckt.
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