IW-Gemeindecheck: Note „Sehr gut“ für Lüneburg
Genug Ärzte und Schulen, schnelles Internet, gute Verkehrsanbindung und Freizeitangebote? Alle rund 11.000 Gemeinden in Deutschland hat das IW nach diesen Kriterien untersucht und bewertet. Lüneburg schneidet im Ranking ab mit „sehr gut“. Außerdem zeigt die Studie: AfD-Anhänger sind mit „Pessimismusfilter“ unterwegs. Auch in Orten mit positivem Ergebnis sind sie häufig unzufrieden. Entscheidend sind also nicht nur die tatsächlichen Angebote, sondern wie diese wahrgenommen werden, so das Autorenteam.
Mitteilung von: Institut der deutschen Wirtschaft (IW) – Am: 25.05.2026
Online: https://www.iwkoeln.de/presse/ – Foto: VCD Elbe-Heide.
IW-Gemeindecheck: Wie gut ist meine Gemeinde versorgt?
Note „sehr gut“ für Lüneburg – bis auf Bereich „Mobilität“ im besten Zehntel
Foto: VCD Elbe-Heide. Der neue Bahnhalt in Adendorf – hier die Begrüßung des ersten Zugs am 18. Mai 2026 – ist mutmaßlich noch nicht in die Studie eingeflossen.
Wo gibt es genug Ärzte und Schulen, schnelles Internet, gute Verkehrsanbindung und Freizeitangebote? Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat alle 10.817 Gemeinden in Deutschland nach bestimmten Kriterien untersucht – in fünf Bereichen: Digitales (Internet- und Mobilfunkzugang), Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen), Mobilität (Qualität von Brücken, Verbindungen Schienenregionalverkehr, Anbindung an Autobahn und Flughafen), Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen) und Bildung (Erreichbarkeit von Grundschulen, weiterführenden Schulen, Gymnasien, Versorgung mit Kitas).
Große Bandbreite – Mittel und Kleinstädte teils überraschend gut
Einige Mittel- oder Kleinstädte schneiden überraschend gut ab: Memmingen im Allgäu kommt deutschlandweit auf Rang fünf, Friedrichroda im Thüringer Wald auf Rang zehn. Umgekehrt enttäuschen einige Großstädte: Würzburg landet nur auf Rang 1.705, Oldenburg auf 1.462. Schlusslicht des Rankings ist Hirschthal in der Südwestpfalz. Insgesamt zeigen sich jedoch große Stadt-Land-Disparitäten.
Ostdeutsche Städte öfter „sehr gut“ als Städte im Westen
Im Vergleich der Flächenländer liegt Nordrhein-Westfalen vorn: 86 Prozent der Gemeinden hier fallen in die Kategorien „sehr gut“ und „gut“. Am anderen Ende steht Mecklenburg-Vorpommern: Dort gilt mehr als jede zweite Gemeinde als „sehr schlecht“ versorgt. Doch ostdeutsche Städte schneiden allgemein besonders gut ab: 30 Prozent von ihnen sind „sehr gut“ versorgt, unter den westdeutschen Städten sind es nur knapp 20 Prozent.
AfD-Anhänger mit „Pessimismusfilter“
Eine repräsentative Umfrage unter mehr als 5.000 Befragten zeigt zudem: 53 Prozent der Menschen in Deutschland bewerten ihre Daseinsvorsorge positiv, nur jeder Vierte ist unzufrieden. Bei den AfD-Anhängern überwiegt jedoch die Unzufriedenheit: 39 Prozent halten ihre Daseinsvorsorge für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent für zuverlässig.
„AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr“, sagt IW-Studienautor Matthias Diermeier. Seine Konsequenz: „Will man der politischen Entfremdung entgegenwirken, reicht Geld allein nicht. Entscheidend sind nicht nur die tatsächlichen öffentlichen Angebote, sondern vielmehr wie diese wahrgenommen werden.“
Lüneburg: Ergebnisse im oberen Zehntel
Lüneburg liegt mit seinen Ergebnissen im oberen Zehntel: Unter den 10.817 Gemeinden schafft es die Hansestadt auf einen respektablen Platz 232, auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Online-Zugang und Freizeit liegt sie mit vorn. Ausreißer ist der Bereich Mobilität – hier liegt die Stadt auf Rang 3363 im Mittelfeld. Im Blick war dabei die Qualität von Brücken, Verbindungen im Schienenregionalverkehr, Anbindung an Autobahn und Flughafen. Auch im Landkreis Lüneburg liegt die Hansestadt an der Spitze. Die Ergebnisse (siehe Tabelle unten) sind online zu finden, Städte und Gemeinden können hier gezielt aufgerufen werden.
Verbesserungen allein reichen nicht aus, auf die Wahrnehmung kommt es an
Was die Wahrnehmung der Ergebnisse betrifft, weist das Autorenteam hin: „Soll die lokale Daseinsvorsorge gegen die voranschreitende politische Entfremdung in Stellung gebracht werden, reicht eine Ausweitung oder Verbesserung der Angebote allein womöglich nicht aus. Vielmehr kommt es entscheidend darauf an, wie Leistungen wahrgenommen, kommuniziert und in bestehende Deutungsmuster eingeordnet werden. Politische Unzufriedenheit speist sich nicht allein aus messbaren Defiziten, sondern maßgeblich aus deren Interpretation und öffentlicher Deutung.“
- IW: Vorstellung des Gutachtens „Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge“ – 25.05.2026
- IW: Gutachten „Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge“ (PDF-Datei)
Information: Institut der deutschen Wirtschaft
Für den IW-Gemeindecheck Daseinsvorsorge im Auftrag von Philip Morris hat das IW alle 10.817 Gemeinden in Deutschland untersucht – anhand von 17 Indikatoren in fünf Bereichen. Ergänzend wurde eine repräsentativ quotierte Befragung von 5.455 Personen durchgeführt. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist ein privates Wirtschaftsforschungsinstitut. „Ökonomisches Wissen erarbeiten, vermitteln und dadurch Veränderungen anstoßen – diese Aufgaben übernimmt das Institut der deutschen Wirtschaft mit dem klaren Ziel, unsere Volkswirtschaft zukunftsfähig zu machen“, so die Selbstbeschreibung.
- IW: Aktuelle Studienberichte
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Grafik: Institut der deutschen Wirtschaft (IW). GemeindeCheck, Mai 2026. Ergebnisse für den Landkreis Lüneburg, gestaffelt nach Rang. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des IW. Alle Ergebnisse sind über die Suche in der Tabelle zugänglich: mehr
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