Schnelle Hilfe rettet Leben: Mobile Retter im Landkreis Harburg
Bei Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Dass Abiturient und Mobiler Retter Laszlo Przybylski zeitnah mit einem Defibrillator zur Stelle war, schenkte einem Mann in Meckelfeld das Leben. Mobile Retter*innen, wie es sie im Landkreis Harburg und Lüneburg gibt, sind in vielen Fällen vor dem Krankenwagen vor Ort und können so Menschenleben bewahren.
Mitteilung von: Landkreis Harburg – Am: 18.05.2026
Online: https://www.landkreis-harburg.de/ – Foto: Landkreis Harburg
„Das größte Geschenk, dass so schnell Hilfe da war!“
Mobile Retter im Landkreis Harburg – schnelle Hilfe rettet Leben
Foto: Landkreis Harburg. Treffen mit dem Lebensretter am Gymnasium Meckelfeld – von links: Lehrerin Astrid Neumann (Koordinatorin Schulsanitätsdienst), Andreas Klask (Ausbilder Schulsanitätsdienst), Silke Gaedcke, Laszlo Przybylski, Knud Gaedcke, Jan Schwensow-Könecke (Koordinator Mobile Retter), Schulsanitäter Jason Schult und Schulleiter Olaf Lakämper.
Den 10. September 2025 wird Silke Gaedcke aus Meckelfeld ihr Leben lang nicht vergessen. Morgens, kurz vor acht Uhr, fand sie ihren Ehemann Knud bewusstlos im Bett vor: Keine Atmung, kein Herzschlag. Wie sich später herausstellte, hatte Knud Gaedcke einen schweren Herzinfarkt erlitten. Nur dank der schnellen Reaktion seiner Frau, die sofort den Notruf „112“ wählte, und dank des damals 18-jährigen Mobilen Retters Laszlo Przybylski überlebte er den Tag. Umso größer war seine Freude, als sich nun ein Wunsch erfüllte: Knud Gaedcke konnte seinen Lebensretter im Gymnasium Meckelfeld treffen und in die Arme schließen.
Familie Gaedcke: Dank an den Retter
„Heute fühle ich mich gut, es waren nur acht Bypässe. Und ein kleiner Herzklappenfehler wurde in Harburg gleich mitrepariert“, schmunzelt der seit 2022 pensionierte Diplom-Ingenieur ironisch. Er wird aber schnell ernst: „Wir möchten einfach nur Danke sagen. Was du und die anderen Mobilen Retter im Landkreis leisten, ist einfach überlebenswichtig. Und das ja alles freiwillig!“
„Das größte Geschenk für mich war, dass so schnell Hilfe da war. Erst Laszlo, dann auch der Rettungsdienst und schließlich der Notarzt“, erinnert sich Silvia Gaedcke. Sie hatte unter Anleitung der Rettungsleitstelle direkt mit einer Herzmassage begonnen. „Wir schaffen das, wir schaffen das“, so feuerte sie sich selbst und ihren Mann an, während sie auf weitere Hilfe warteten.
Laszlo Przybylski: „Es ging alles sehr schnell“
Auch Laszlo Przybylski sagt: „Es ging alles sehr schnell.“ Um 7.56 Uhr saß er im Unterrichtsraum und hatte einen ganz normalen Schultag vor sich. Als er von der Rettungsleitstelle in Winsen über die Mobile-Retter-App alarmiert wurde, fackelte er nicht lange. Er schnappte sich seinen Autoschlüssel und nahm geistesgegenwärtig den Defibrillator aus der Schulaula mit. „Mein Puls schoss schon in die Höhe, das Adrenalin ging hoch!“, erinnert sich Laszlo. Es war sein erster Einsatz als Mobiler Retter.
Reanimation eingeleitet: Schnelle Hilfe war lebensrettend
3 Minuten und 30 Sekunden nach dem App-Alarm erreichte Laszlo das Haus der Gaedckes. Mit Unterstützung der Leitstelle und von Silke Gaedcke leitete er die Reanimation per Herzdruckmassage und Defi-Schock ein: „Ich war gut vorbereitet und wurde von der Leitstelle angeleitet. Die Aufregung konnte ich ausblenden“, so Laszlo.
Und das erwies sich als lebensrettend: Bei einem Herz-Kreislaufstillstand kommt es auf jede Minute an. Direkt nach dem ersten Elektroschock kam Knud Gaedcke mit eigenständiger Atmung und wahrnehmbarem Herzschlag ins Leben zurück. Der Rettungsdienst sorgte dann dafür, dass sein Zustand stabilisiert wurde und er wurde mit seiner Frau ins Krankenhaus gebracht.
Helfer Laszlo Przybylski: Ausbildung zum Notfallsanitäter und vielleicht Medizinstudium
Helfer Laszlo Przybylski legt am Gymnasium Meckelfeld derzeit das Abitur ab. Der Abiturient ist schon seit der 9. Klasse im zwanzigköpfigen Schulsanitätsdienst aktiv und auch als ehrenamtlicher Sanitätshelfer in der DRK-Bereitschaft Winsen: „Ich war einfach nur froh, dass ich erfolgreich helfen konnte.“ Seit dem Einsatz bei Familie Gaedcke im September letzten Jahres sind drei weitere hinzugekommen.
Nach dem Abitur möchte der 19-Jährige beim DRK Harburg-Land eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter absolvieren. Danach kann sich Laszlo ein Medizinstudium vorstellen, um vielleicht einmal als Notarzt zu arbeiten. Das erste Menschenleben hat er bereits bewahren können.
Hintergrund: Herz-Kreislauf-Stillstand – jede Minute zählt
Hintergrund: Allein 2024 erlitten schätzungsweise 136.000 Menschen in Deutschland einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. In dieser lebensbedrohlichen Situation zählt jede Minute! Je schneller Wiederbelebungs-Maßnahmen starten, desto höher ist die Überlebenschance – und die Wahrscheinlichkeit, Spätfolgen zu vermeiden oder abzumildern. Denn nach nur drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoffversorgung beginnen Gehirnzellen unwiederbringlich abzusterben.
Ziel: 1000 Mobile Retter*innen im Landkreis Harburg
Im Landkreis Harburg stehen seit Mitte 2023 mittlerweile 841 ehrenamtliche Mobile Retter*innen bereit. Wenn sie sich in der Nähe des Notfalls aufhalten, werden sie gemeinsam mit dem Rettungsdienst alarmiert. Im Durchschnitt sind sie innerhalb von weniger als 4 Minuten und damit in fast 60 Prozent der Fälle noch vor dem Rettungsdienst vor Ort.
Für ihre Einsätze bringen sie Vorwissen und Erfahrung aus ihrem beruflichen Kontext oder anderen Ehrenämtern wie Feuerwehr oder Hilfsorganisationen mit, ergänzend werden sie geschult. Die Leitstelle informiert gleichzeitig, dass ein Defibrillator (AED) zum Notfallort gebracht wird. Bis Jahresende soll es nach Möglichkeit 1.000 solcher ehrenamtlicher Lebensretterinnen und Retter im Landkreis geben.
Getragen von einer breiten Kooperation
Die Mobilen Retter sind ein Gemeinschaftsprojekt. Organisiert und unterstützt werden sie von den Hilfsorganisationen DRK und JUH, den Notärzten im Kreis, den Freiwilligen Feuerwehren, der Kreisrettungsdienstgesellschaft, von DLRG und THW, den beiden kreiseigenen Krankenhäusern Winsen und Buchholz und der Kreisverwaltung.
Bei Notfällen werden auch Retter*innen aus anderen Landkreisen wie Rotenburg (Wümme) oder Lüneburg alarmiert, wenn sie sich hier im Kreisgebiet aufhalten und umgekehrt. Auch das kann zwischen Leben und Tod entscheiden: Schließlich pendeln nicht wenige Berufstätige in benachbarte Kreise und können auch dort Hilfe leisten und Leben retten.
Engagement als Mobiler Retter oder Retterin ist willkommen!
Wer sich selber ehrenamtlich als Mobiler Retter oder Retterin engagieren möchte, bringt im Idealfall medizinische Vorkenntnisse mit. Grundsätzlich können alle Erwachsenen mit der Mindest-Qualifikation betriebliche Ersthelfer*in und aus medizinischen Berufen Mobile Retter*in werden. Interessierte werden mit einer dreistündigen theoretischen und praktischen Ausbildung, die regelmäßig aufgefrischt werden muss, auf den Einsatz vorbereitet.
Mehr Information und Kontakt
- Ansprechpartner für Fragen: Florian Fietz, stellvertretender Leiter der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle der Kreisverwaltung – mobileretter@lkharburg.de
- Landkreis Harburg: Mobile Retter
- Landkreis Lüneburg: Mobile Retter

Foto: Landkreis Harburg. „Wir möchten einfach nur Danke sagen. Was du und die anderen
Mobilen Retter im Landkreis leisten, ist einfach überlebenswichtig.“ Von links: Laszlo Przybylski, Knud Gaedcke und Silke Gaedcke.

Grafik: Mobile Retter / Landkreis Lüneburg. Wenn ein Notfall unter der 112 eingeht, werden Mobile Helfer über ihr Smartphone alarmiert. Ein bis zwei Personen eilen zum Unfallort, um zu helfen, bis der Krankenwagen ankommt. In 60 Prozent der Fälle sind sie vor dem Krankenwagen am Unfallort.
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