Klimawandel, Hitze und Unwetter: Wie schützt sich Lüneburg künftig? – Was die OB-Kandidierenden vorhaben
Städte müssen den Klimawandel mit Hitzeperioden und Starkregen-Ereignissen aktiv angehen, das wird immer klarer. Welche Pläne haben die OB-Kandidierenden für Lüneburg? Bei der Veranstaltung von BUND, NABU und Zukunftsrat Lüneburg am 16. Juli 2026 stellten sie sich den Fragen von Bürger*innen. Wesentlicher Kritikpunkt: Die Maßnahmen würden viel zu langsam und zögerlich in Angriff genommen – oder anderen Interessen Vorrang gegeben.
Mitteilung von: Zukunftsrat Lüneburg – Am: 19.07.2026
Online: https://zukunftsrat-lueneburg.de/ – Foto: Malte Hübner.
Klimaschutz in Lüneburg: Wie stellt sich Lüneburg auf Hitzephasen und Unwetter ein? – Fragen an die OB-Kandidierenden
Foto: Malte Hübner. Die OB-Kandidierenden im Gespräch mit Bürger*innen, 16. Juli 2026.
In den kommenden Jahren ist mit zunehmenden Hitzephasen und starken Unwettern zu rechnen. Wie wollen die OB-Kandierenden diese Herausforderung angehen? Das wollten rund 130 Interessierte am 16. Juli 2026 im Marcus-Heinemann-Saal im Museum Lüneburg wissen. Sechs der acht OB-Kandidierenden stellten an dem Abend ihre Konzepte vor. Eingeladen zum Gespräch unter dem Titel „Vorfahrt Natur und Umwelt!?“ hatten BUND, NABU und Zukunftsrat Lüneburg. Thorben Peters (Linke) musste wegen einer anderen, langfristig geplanten Veranstaltung absagen, Heiko Meyer (unabhängig / UWG) konnte aus anderen Gründen nicht teilnehmen.
Genügend Konzepte – aber Umsetzung lässt auf sich warten
Ulrike Ahlers, Vorstandsmitglied des BUND, wies zu Beginn darauf hin, dass in Lüneburg kein Mangel an Konzepten zum Umgang mit dem Klimawandel besteht. So hat Lüneburg einen Landschaftsplan, ein Klimaanalyse-Gutachten, ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept, einen nachhaltigen Verkehrsplan und ein Klimaanpassungskonzept. Allerdings hapere es in der Praxis an der Umsetzung.
Bürger drängen die Politik, schneller ins Handeln zu kommen
Nach kurzen Eingangsstatements der Kandidierenden konnten sich die Bürger*innen in Gesprächsrunden mit ihnen austauschen. Für jede der sechs anwesenden Kandidierenden gab es einen Stuhlkreis, Interessierte konnten ihre Fragen stellen. Nach 15 Minuten konnte man zu einem anderen OB-Kandidaten wechseln. Zentrales Thema in diesen Runden war ebenfalls die Frage der Umsetzung: Die Maßnahmen würden viel zu langsam und zögerlich in Angriff genommen, so die Kritik.
Zwei „Leuchtturmprojekte“ gefragt
In einer abschließenden Runde sollten die Kandidierenden zwei Vorhaben nennen, für die sie sich besonders starkmachen wollen, sollten sie gewählt werden.
- Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) nannte die Weiterentwicklung des Konzepts der Schwammstadt und umfassende Maßnahmen zur Entsiegelung. Entsprechende Maßnahmen sollten bereits in der Bauplanung berücksichtigt werden. Die Umweltverbände sollten als beratende Mitglieder im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung vertreten sein. Sie will sich weiterhin um den Ausbau des Grüngürtels und die Umgestaltung des Marienplatzes bemühen.
- Andrea Schröder-Ehlers (SPD) will sich für das Pflanzen schattenspendender Bäume in der Stadt einsetzen. Angesichts der Bedeutung von Wasser für die Stadt und zu erwartender langer Trockenperioden oder plötzlicher Überflutungen will sie sich langfristig für ein umfassendes Wasserkonzept in Lüneburg engagieren, konkret auch den Bau von Regenrückhaltebecken.
- Frank Soldan (FDP) liegt die Schaffung kleiner Mikroparks in Wohngebieten am Herzen. Gärten sollen mit naturnahen heimischen Pflanzen begrünt werden und kleine Biotope außerhalb der Innenstadt geschaffen werden.
- Michèl Pauly (Volt) votiert ebenfalls für die Schaffung von künstlichen Überschwemmungsgebieten im städtischen Raum. Er will sich für die Fertigstellung des Fahrradstraßenrings und – dem Beispiel anderer Städte folgend – für die Umwidmung von Verkehrsraum einsetzen. Mehr Einbahnstraßen könnten zusätzlichen Raum für Fahrräder, Fußgänger und Begrünung ermöglichen.
- Wolfgang Goralczyk (CDU, in Vertretung für Patrick Pietruck) spricht sich auch für mehr Entsiegelung und Begrünung im Innenstadtbereich und Baumpatenschaften aus. Beachtung finden sollten dabei die begrenzten finanziellen Mittel und die Interessen der Wirtschaft vor Ort.
- Mats Dedow (Die PARTEI) schlägt eine komplette Entsiegelung des Platzes „Am Sande“ und die Schaffung eines Planschbeckens dort vor. Das Konzept einer essbaren Stadt möchte er durch eine „rauchbare“ Stadt erweitern. Ein Vorschlag, der von den Anwesenden mit Schmunzeln aufgenommen wurde.
Ulrike Ahlers: Bäume pflanzen reicht nicht – Wie werden Klimaschutz und ‑anpassung künftig gewichtet?
BUND-Vorstandsmitglied Ulrike Ahlers, die in das Thema des Abends eingeführt hatte, begrüßt grundsätzlich viele Aussagen der Kandidierenden: „Es stimmt hoffnungsvoll, dass die Kandidat*innen die Dringlichkeit zur Anpassung an die Klimakrise auf ihrer Agenda haben.“ Klar sei jedoch: „Mit dem Pflanzen von Bäumen allein, bei denen zudem ungewiss ist, ob sie unter den heutigen Bedingungen jemals das Alter und die Größe erreichen, um ihre Klimawirkung voll zu entfalten, ist es nicht getan. Viel konsequenter müssen wir den Schutz der schon bestehenden ‚grünen Infrastruktur‘ bei allen Planungen in den Mittelpunkt rücken.“
Zu bedenken sei auch, so Ahlers: „Aber ob in der Praxis die nötigen Maßnahmen dann tatsächlich auch entschlossen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Werden Klimaschutz, Klimaanpassung und der Schutz der Biodiversität als Daseinsfürsorge künftig von ebenso überragendem Interesse für das Gemeinwohl gewichtet wie Interessen, die dem entgegenstehen? Für viele Entscheidungen wird die oder der künftige OB eine Mehrheit im Stadtrat benötigen – auch dieser steht bei den Kommunalwahlen am 13. September zur Wahl.“
Mehr Information und Kontakt
- Zukunftsrat Lüneburg: https://zukunftsrat-lueneburg.de/
- Hansestadt Lüneburg: Klimaanpassung – Wie können wir ein klimaresilientes Lüneburg gestalten?
- Hansestadt Lüneburg: Klimaanpassungskonzept (PDF-Datei)
Das Konzept wurde beschlossen in der Ratssitzung am 30.10.2024 (mehr). Die „Klimaangepasste Umgestaltung der Ilmenaustraße“ ist als Maßnahme 1.3.1 auf Seite 95 zu finden. Das Konzept sieht auch ein Monitoring vor: Die Auswirkungen des Klimawandels und der Fortschritt der Gegenmaßnahmen soll regelmäßig überwacht und bewertet werden.
Mehr bei Lüne-Blog
- Marienplatz: Rat lehnt Umgestaltung ab – Parents for Future: „Versprochen – gebrochen“ – 30.05.2026
Seit 2021 beschäftigt sich Lüneburg mit dem Vorhaben, den Marienplatz umzugestalten. Die Öffentlichkeit war wiederholt beteiligt worden, verschiedene Entwürfe liegen vor. Nun mahnte die NBank, die die Fördermittel bereitstellen wollte, eine Entscheidung an. In der Ratssitzung am 21. Mai 2026 wurde abgestimmt. Was sich schon wiederholt im Rat hatte beobachten lassen: FDP, CDU und SPD – eigentlich Konkurrenten – stimmten gemeinsam gegen das Vorhaben. Und das trotz anderer Aussagen vor der Wahl. - Radentscheid Lüneburg: Die SPD und ihre gebrochenen Wahlversprechen – 05.12.2022
Die SPD in Lüneburg eine „rückwärtsgewandte Blockade-Partei“, die das Gegenteil von dem macht, was anlässlich der OB-Wahl 2021 angekündigt wurde? Die SPD-Kandidatin hatte damals versprochen, „den motorisierten Individualverkehr in Lüneburg zurückzudrängen und die Innenstadt für Fußgänger und Radfahrer deutlich zu optimieren“. Der Radentscheid Lüneburg zeigt sich bitter enttäuscht. Statt konstruktiv schon lang beschlossene Projekte voranzubringen, blockiert die SPD laufende Prozesse – hier in der Hindenburgstraße.
Grafik: Hansestadt Lüneburg / Geo-Net Umweltconsulting GmbH (Archiv). Karte der Klimaanalyse bei Nacht (Ausschnitt). Die Innenstadt ist ein Hitze-Hotspot – auch in der Nacht. Je dunkler die Farbe, um so heißer bleibt es nachts in diesen Bereichen. Die blauen Pfeile zeigen wichtige Kaltluftschneisen an.
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Lünepedia: Zukunftsrat
Der Zukunftsrat Lüneburg (ZRL) ist eine als gemeinnütziger Verein organisierte zivilgesellschaftliche Organisation, die sich für ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Lüneburg engagiert. Der ZRL engagiert sich für die Gestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft, durch die ein würdiges Leben der jetzt lebenden Menschen ebenso wie der zukünftigen Generationen ermöglicht wird. Er wurde am 15. Februar 2022 gegründet.
Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/
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Klimaanpassung und Klimaschutz gehören untrennbar zusammen. Was nützen die besten Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Unwetter, wenn weiter Treibhausgase ausgestoßen werden und der Klimawandel – und damit eben auch Hitze und Unwetter – immer mehr Fahrt aufnimmt?
Mit unkonkreten Maßnahmen wie „Entsiegelung, Baumpflanzung, Begrünung“ allein ist noch nicht viel gewonnen. Daraus können nur dann Leuchtturmprojekte werden, wenn die Umsetzung ähnlich konsequent wie z.B. in Paris erfolgt. Dies bedeutet für Lüneburg, dass Parkplätze mindestens dort, wo es z.B. Parkhäuser als Alternative gibt, konsequent begrünt werden.
Überhaupt vermisse ich konkrete Vorschläge der OB-Kandidaten von SPD und CDU, wo genau in der Innenstadt (als größter Hitzeinsel) denn die Entsiegelung stattfinden soll und wo die vielen Bäume gepflanzt werden sollen.
Bisher wurden Beschlüsse zu mehr Klimaschutz von SPD, CDU und FDP im Rat immer wieder blockiert. Wie glaubhaft ist, dass diese Parteien ausreichende Maßnahmen zur Klimaanpassung wirklich umsetzen?