Foto: Avacon AG. Gemeinsam mit Christian Meyer, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, und Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch nahm Avacon-CEO Matthias Boxberger die Anlage offiziell in Betrieb.

Avacon: Wärmegewinnung aus Trinkwasser – Pilotanlage in Lüneburg gestartet

Klimafreundliche Wärme gewinnen und Erfahrungen sammeln mit der Technik im Realbetrieb – das ist das Ziel der neuen Pilotanlage der Avavon AG in Lüneburg. Über eine Umleitung wird ein Teil des Trinkwassers an einem Wärmetauscher vorbeigeführt und die enthaltene Wärme genutzt. Eingeweiht wurde die neue Anlage im Beisein von Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer und OB Claudia Kalisch. Rein rechnerisch könnte die Technologie künftig bis zu 25 Prozent des Wärmebedarfs in Lüneburg decken.


Mitteilung von: Avacon AG – Am: 24.07.2026
Online: https://www.avacon.de/de/ – Foto: Avacon AG


Energiewende aus der Wasserleitung: Pilotanlage in Lüneburg erschließt neue Wärmequelle

Avacon startet in Lüneburg eines der ersten Pilotprojekte Deutschlands zur Wärmegewinnung aus Trinkwasser – bis zu 25 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt möglich

Foto: Avacon AG. Gemeinsam mit Christian Meyer (rechts), Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, und Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (dritte von links) nahm Avacon-CEO Matthias Boxberger (Mitte) die Anlage offiziell in Betrieb.

In Lüneburg startete am 24. Juli 2026 eine der ersten Pilotanlagen in Deutschland zur Wärmegewinnung aus Trinkwasser. Das Projekt der Avacon AG untersucht erstmals unter realen Betriebsbedingungen, ob sich die im Trinkwasser enthaltene Wärme sicher und effizient für die Wärmeversorgung nutzen lässt. Das Vorhaben wird vom Bund gefördert und wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, für Deutschland belastbare Daten zur technischen Machbarkeit, Energieeffizienz und Betriebssicherheit zu gewinnen. 

Gemeinsam mit Christian Meyer, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, sowie Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch nahm Avacon-CEO Matthias Boxberger die Anlage offiziell in Betrieb. Insgesamt investiert Avacon rund eine halbe Million Euro in das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt.

Ohne Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität

Technisch basiert die Anlage auf einem einfachen und sicheren Prinzip: Ein Teil des Trinkwassers wird über einen Bypass durch einen Wärmetauscher geführt, der dem Wasser einen geringen Teil seiner Wärmeenergie entzieht und die Energie an eine Wärmepumpe überträgt. Das um etwa vier Grad abgekühlte Trinkwasser wird wieder zurückgeführt. Die Temperaturveränderung bleibt für Verbraucherinnen und Verbraucher praktisch nicht wahrnehmbar. Geschlossene Kreisläufe, mehrstufige Sicherheitsmechanismen und kontinuierliche Überwachung sorgen dafür, dass die Trinkwasserqualität jederzeit vollständig geschützt bleibt.

Großes Potenzial für die Wärmewende

Das Besondere an dem Ansatz: Die Energie wird dort gewonnen, wo sie bereits vorhanden ist – im bestehenden Trinkwassersystem. Es sind keine zusätzlichen Flächen, keine tiefen Eingriffe in den Untergrund und keine aufwendigen Neubauten erforderlich. Dadurch kann vorhandene Infrastruktur doppelt genutzt werden und bislang ungenutzte Energie wird für die Wärmeversorgung erschlossen.

Das Potenzial der Technologie ist erheblich: Für die Hansestadt Lüneburg könnte die Technologie perspektivisch bis zu 25 Prozent des aktuellen Wärmebedarfs der zentralen Wärmeversorgung decken. Würde bundesweit rund ein Drittel des Trinkwassers für die Wärmegewinnung genutzt, ließen sich jährlich etwa 7,3 Terawattstunden Wärmeenergie erschließen. Das entspricht rund 14 Prozent der heutigen Fernwärmenutzung privater Haushalte in Deutschland. In der Pilotanlage im Wasserwerk „Rote Bleiche“ dient die Wärme zunächst der Eigenversorgung des Wasserwerks und zum Heizen von Gebäuden auf dem Werksgelände.

Erkenntnisse für zukünftige Rahmenbedingungen: „Echte Pionierarbeit“

Derzeit erlaubt die geltende Gesetzgebung den Regelbetrieb vergleichbarer Anlagen in Deutschland nicht. Die im Rahmen des Pilotprojekts gewonnenen Erkenntnisse sollen deshalb auch zur Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen beitragen. Erfahrungen mit großen Anlagen aus Ländern wie Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden zeigen, dass die Wärmegewinnung aus Trinkwasser technisch umsetzbar und hygienisch sicher betrieben werden kann. Dort wird die Technologie teils bereits zur Versorgung ganzer Wärmenetze eingesetzt.

„Mit der Pilotanlage in Lüneburg leisten wir echte Pionierarbeit für die Wärmewende“, erklärt Matthias Boxberger, CEO der Avacon AG. „Bestätigen sich die erhofften Ergebnisse, wäre dies eine weitere Option für eine nachhaltige und ressourcenschonende Wärmeversorgung in Städten und Gemeinden.“

Starkes Signal für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung

Auch aus landespolitischer Sicht hat das Projekt Signalwirkung: Für die klimaneutrale Wärmegewinnung „brauchen wir innovative und zugleich sichere Lösungsansätze“, so der der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Christian Meyer. „Dieses wegweisende Projekt zeigt, wie neue Potenziale erschlossen werden können, ohne Kompromisse beim Schutz unseres Trinkwassers einzugehen.“ Zudem ist die Pilotanlage „ein starkes Signal für eine nachhaltige Stadtentwicklung“, sagt Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt unter anderem von der IWW Institut für Wasserforschung GmbH und der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).

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Grafik: Neben Wasser kann auch Erdwärme zur Wärmegewinnung genutzt werden. Die Sonden reichen dafür tief ins Erdreich. Über eine Wärmepumpe im Keller wird damit das Gebäude geheizt. Grafik: Bundesverband Wärmepumpe e.V.

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