Stadtverkehr Euskirchen GmbH. Busse mit Biomethan.

So geht erfolgreicher Busverkehr: Bericht aus Euskirchen vom 22. September 2022 – mit Video!

Die Zahl der Fahrgäste verhundertfacht –  das hat das städtische Busunternehmen in Euskirchen seit der Gründung 1995. Was zu diesem Erfolg beitrug, verriet Geschäftsführer Anno Schichler-Koep bei einer Online-Veranstaltung am Donnerstag, 22. September 2022. Hier die wichtigsten Maßnahmen zum Nachlesen – und der Vortrag per Video.


Mitteilung von: Verkehrswende-Bündnis Lüneburg/FUSS e.V. Lüneburg
Am: 25.09.2022
Foto: Stadtverkehr Euskirchen GmbH. Busse mit Biomethan.


Busverkehr in Euskirchen, 22.09.2022. Grafik: Lüneburg mobil 2030.

Busverkehr in Euskirchen, 22.09.2022. Grafik: Lüneburg mobil 2030.

“Busverkehr in Euskirchen – Das Geheimnis unseres Erfolgs”

Erfolgreiches Verkehrsmanagement in einer Mittelstadt

Das Unternehmen Stadtverkehr Euskirchen (SVE) wurde 1995 als kommunale Verkehrsgesellschaft gegründet. Damals gab es ein kleines, unregelmäßiges Angebot, befördert wurden knapp 50.000 Fahrgäste.
Im Jahr 2019, vor der Pandemie, brachte die Busflotte es auf stolze 5 Millionen Fahrgäste – also das Hundertfache.

Wichtig für Lüneburg, denn wir wollen hier ja bis 2030 klimaneutral sein. Das bedeutet: Verkehr muss vom Auto auf Busse, Rad- und Fußverkehr verlagert werden. Wie macht man Busverkehr so erfolgreich?

Am Donnerstag, 22. September 2022, 19:00-20:00 Uhr, verriet Geschäftsführer Anno Schichler-Koep in einem Online-Vortrag den durchweg beeindruckten Zuhörer:innen, wie man in einer Stadt mit rund 60.000 Einwohnenden und einem Einzugsgebiet von 190.000 Menschen so stolze Zahlen erreichen konnte.

1. Überzeugendes Angebot schaffen: Rendezvous-Haltestelle, durchgängiger Takt, nettes Personal

Anno Schichler-Koep, Geschäftsführer Stadverkehr Euskirchen (SVE) bei seinem Vortrag am 22. September 2022 für "Lüneburg mobil 2030".

Anno Schichler-Koep, Geschäftsführer Stadverkehr Euskirchen (SVE) bei seinem Vortrag am 22. September 2022 für “Lüneburg mobil 2030”.

Ein überzeugendes Angebot schaffen, das steht aus seiner Sicht im Mittelpunkt. “Die Nachfrage zieht nach”, stellte er fest. Priorität hatten für ihn dabei drei Maßnahmen:

  • Rendezvous-Haltestelle am ZOB
    Am Euskirchener Bahnhof, der gleichzeitig als ZOB dient, kommen alle Busse zu einem gemeinsamen Zeitpunkt an und fahren kurz danach zu einem gemeinsamen Zeitpunkt ab. Und das in regelmäßigem Taktverkehr alle 20 Minuten, dreimal pro Stunde, also zum Beispiel um 8:05, 8:25 und 8:45 usw. Man kommt mit einer beliebigen Linie an und kann zuverlässig mit einer anderen weiterfahren.
  • Durchgängiger Taktverkehr alle 20 Minuten in allen Ortsteilen
    Der feste 20-Minuten-Takt den ganzen Tag macht Busfahren in Euskirchen einfach: Man kann, ohne nachdenken zu müssen, am ZOB umsteigen und weiterfahren.
    Unter der Woche fährt der letzte Bus um 22:05 Uhr. Am Wochenende sind die Busse bis 2:05 Uhr nachts unterwegs. Schließlich ist Köln in der Nähe, und da möchte man ja nach einer Veranstaltung wieder nach Hause fahren.
  • Für eine angenehme Atmosphäre: Gut geschultes Personal
    Eine enorme Rolle, so Schichler-Koep, spielt auch das Personal. Im Bus geht es nett und hilfsbereit zu. 20 Mitarbeitende unterstützen als freundliche Ansprechpartner:innen bei Fragen. Denn: Die Fahrgäste sollen sich wohlfühlen.

2. Das Verkehrsmittel zu den Menschen bringen

Beim Aufbau des Unternehmens ging es als erstes darum, die Erschließung zu verbessern und die Ortsteile anzubinden.

  • Die Busse fahren direkt in die Siedlungen hinein, die meisten Bewohner:innen (85%) haben nur 300 Meter zur Haltestelle.
  • Fußgängerzone und öffentliche Einrichtungen im Kernstadtbereich sind weitgehend umsteigefrei von allen Wohnquartieren zu erreichen.
  • Die Busse sind zügig unterwegs: Sie haben entsprechende Ampelschaltungen. Bei der Wahl der Türen wird darauf geachtet, dass sie schnell auf- und zugehen. Teilweise gibt es “Busschleusen” – Abkürzungen und Wegeverbindungen, die nur für Busse frei sind.

3. Busfahren einfach und angenehm machen

Annehmlichkeit und Komfort sind auch beim Busfahren wichtig.

  • Es gibt einfache und attraktive Fahrpreise, um den Einstieg zu erleichtern. Bei Fragen kann man sich im Kundencenter und InfoPunkt persönlich, telefonisch und per Mail beraten lassen.
    In dem Zusammenhang spielen auch die Parkgebühren eine Rolle: Während die Bustickets stetig teurer wurden, blieb der Preis der Parktickets jahrelang unverändert. Inzwischen wurden sie daher in Euskirchen angehoben.
    Interessant in dem Zusammenhang: Autoparken ist in Euskirchener Parkhäusern um 0,30 Euro billiger als auf der Straße. Denn: Man möchte den Straßenraum möglichst frei von parkenden Autos halten.
  • Die Fahrzeuge sind moderne, komfortable Busse mit einheitlichem Design. Umgestellt wurde auf Biomethan – das erweist sich jetzt in der Energiekrise als äußerst günstig! In den Bussen gibt es WLAN und USB-Buchsen zum Handy-Aufladen. Der Fahrer verkauft auch Fahrscheine, man ist nicht auf den Automaten angewiesen.
    Fahrräder werden grundsätzlich mitgenommen – außer zur Hauptverkehrszeit im Schülerverkehr.
  • Die Haltestellen sind – bis 2023 – sämtlich barrierefrei. Jede Haltestelle wird mit Sitzgelegenheit und einem Wartehäuschen zum Unterstellen ausgebaut. Aktuell wird an den Haltestellen und am ZOB eine digitale Fahrgast-Information (DFI) installiert. Auf Knopfdruck kann man sich den Text der Anzeige auch vorlesen lassen.
  • Mit Informationskampagnen und zielgerichtetem Marketing arbeitet man daran, die Menschen zu informieren und einzuladen. Einen Fahrgastbeirat, um Rückmeldungen zu erhalten, gibt es natürlich auch.

Angebot kommt an!

Das gute Angebot kommt bei den Menschen in Euskirchen an. Beim Vergleich der Verkehrsmittel (Modal Split) 2017 lag der Anteil des öffentlichen Verkehrs bei über 12 Prozent. Im Vergleich: In Lüneburg liegt der Anteil bei etwa 5 Prozent.

“Wirklich toll! Da kann sich die eine oder andere Stadt eine Scheibe abschneiden”, lobten zum Beispiel Gäste aus Bayern, die zu Besuch in Euskirchen waren, per Mail.

Vortrag zum Anschauen

In seinem Online-Vortrag am 22. September 2022 für “Lüneburg mobil 2030” stellt Anno Schichler-Koep, Geschäftsführer des Stadtverkehr Euskirchen (SVE) kurz das Unternehmen vor.
Anschließend beschreibt er die Ausgangssituation und die Maßnahmen, die zur Verhundertfachung der Fahrgastzahlen beigetragen haben.

Video: 65 MB, 20 Minuten.

Hintergrund: Busse in Lüneburg nur wenig genutzt – Modal Split

Welche Verkehrsmittel nutzen die Menschen vor Ort, wenn sie unterwegs sind – Pkw, Bus, Rad, Füße? Das Ergebnis einer solchen Untersuchung nennt man Modal Split.

Aktuelle Erkenntnisse zum Modal Split im Jahr 2021 in Lüneburg wurden am 29. August 2022 im Mobilitätsausschuss der Hansestadt Lüneburg vorgestellt. Ergebnis: Nur für zwischen 4 und 5,8 Prozent der Wege wurden Busse genutzt. Hauptverkehrsmittel ist der Pkw (Tagesordnung vom 29.09.2022 mit Anlagen: mehr).

Veranstaltungsreihe “Lüneburg mobil 2030”

Lüneburg mobil 2030. Logo.

Lüneburg mobil 2030. Logo.

Bis 2030 klimaneutral zu sein – das hat sich die Hansestadt Lüneburg zum Ziel gesetzt. Wie gelingt das im Bereich Mobilität? Damit beschäftigt sich die Veranstaltungsreihe “Lüneburg mobil 2030” des Verkehrswende-Bündnis Lüneburg im Herbst und Winter 2022/23.

Die Veranstaltungen stellen Beispiele aus anderen Städten vor, bieten Hintergrundinformation und laden zur Diskussion ein.

Die Vortragsreihe versteht sich als Vorläufer für den Bundesweiten Umwelt- und Verkehrskongress BUVKO, die Fachtagung für nachhaltigen Verkehr. Dieser findet vom 31. März – 2. April 2023 in der Universität Lüneburg statt.


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