Bäckergeselle bei der Arbeit. Foto: NGG.

NGG Lüneburg: Befristeter Job? Besser etwas anderes finden!

Fast die Hälfte alle Neueinstellungen im Landkreis waren befristet, so die Gewerkschaft NGG. Verbreitet sind Befristungen in der Lebensmittelbranche und im Gastgewerbe. Doch das wirkt sich sowohl für die Unternehmen als auch für die Beschäftigten nachteilig aus. Die Probezeit ist völlig ausreichend, um sich ein Bild von Angestellten zu machen.


Mitteilung von: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Lüneburg
Am: 20.07.2022
Online: https://www.ngg.net/ 
Foto: NGG


NGG: Befristete Jobs sind „Karrierefallen“

NGG kritisiert hohe Zahl befristeter Jobs im Kreis Lüneburg

Ein Großteil der Neueinstellungen im Kreis Lüneburg hat ein Verfallsdatum: 1.694 von insgesamt 4.178 neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen im Landkreis waren im zweiten Quartal des vergangenen Jahres befristet. Das entspricht einer Quote von 41 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG-Region Lüneburg beruft sich hierbei auf eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung.

„Befristete Stellen sind in der Lebensmittelbranche und im Gastgewerbe besonders verbreitet. Und das, obwohl Bäckereien, Metzgereien, Hotels und Restaurants dringend neues Personal suchen. Das gewinnt man aber nicht, indem man wackelige Jobs bietet. Beschäftigte suchen keine Arbeit mit Ablaufdatum, sondern eine langfristige Perspektive“, betont NGG-Geschäftsführer Steffen Lübbert.

Befristung macht Schwierigkeiten bei Wohnungssuche, Kreditaufnahme und Familiengründung

Nach Beobachtung der Gewerkschaft werden Befristungen häufig zur „Karrierefalle“ – gerade für Berufsstarter. „Die Betroffenen haben größere Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden oder einen Kredit zu bekommen. Manchmal muss wegen unklarer Job-Aussichten sogar der eigene Kinderwunsch hinten angestellt werden“, so Lübbert.

Probezeit im Arbeitsvertrag ist ausreichend

Jeder Arbeitsvertrag habe eine Probezeit. Diese reiche in der Regel, um sich ein Bild vom Beschäftigen zu machen. Trotzdem argumentierten Wirtinnen oder Bäckermeister häufig damit, sie wollten „auf Nummer sicher gehen“, was die Eignung des Mitarbeiters angehe.

„Dass es sich dabei um ein vorgeschobenes Argument handelt, liegt auf der Hand. Befristungen sorgen vielmehr dafür, dass bewährte Fachleute zu anderen Firmen wechseln“, sagt Lübbert.

Nachteilig für Unternehmen und Beschäftigte

Befristungen brächten für die Betroffenen gleich mehrere Nachteile, so der Gewerkschafter. Er verweist auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken (Drucksache 20/2418).

  • Danach arbeitet fast ein Drittel aller befristet Beschäftigten in Niedersachsen zu Niedriglöhnen (32,6 Prozent) – unter allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern liegt die Quote bei 22,5 Prozent.
  • Für knapp 50 Prozent aller Befristungen gibt es laut Bundesregierung in Niedersachsen keinen „Sachgrund“ wie etwa eine Elternzeitvertretung oder eine Probezeit.
  • Und junge Beschäftigte sind weit überdurchschnittlich oft auf Zeit angestellt: In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen liegt der Befristungsanteil im Bundesland bei 26,5 Prozent – Auszubildende nicht mitgerechnet. Unter den 25- bis 34-Jährigen hat jeder Siebte eine befristete Stelle (13,5 Prozent). Zum Vergleich: Im Schnitt liegt die Befristungsquote landesweit bei 8,4 Prozent.


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