Foto: Gewerkschaft NGG Lüneburg. Schnitzelteller.

Trotz „Steuergeschenk“: Knausern Wirte im Landkreis beim Lohn?

Die Senkung der Mehrwertsteuer im Gastrobereich von 19 auf 7 Prozent ist ein erhebliches Steuergeschenk. Doch in der Regel merkten davon weder die Gäste noch die Beschäftigten etwas, kritisiert Stefan Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Ja, oftmals bekämen die Angestellten nur den Mindestlohn von 13,90 Euro statt dem Tariflohn von 17,73 Euro die Stunde. Die NGG berät bei Fragen rund um den Lohn.


Mitteilung von: Gewerkschaft NGG Lüneburg – Am: 24.02.2026
Online: https://lueneburg.ngg.net/ – Foto: Gewerkschaft NGG Lüneburg.


Trotz „Steuergeschenk“: Viele Wirte im Kreis Lüneburg knausern beim Lohn

NGG Lüneburg: „Gastronomie gehört zu den ‚Rekord-Branchen der Tarifflucht‘“

Foto: Gewerkschaft NGG Lüneburg. Schnitzelteller.

Die rund 320 Gastro-Betriebe im Landkreis Lüneburg profitieren: Hotels, Restaurants und Gaststätten müssen seit Jahresbeginn deutlich weniger Mehrwertsteuer fürs Essen berechnen – nämlich nur noch 7 statt 19 Prozent. Von jedem 10-Euro-Schein, den der Gast im Restaurant ausgibt, bleiben dadurch rund 95 Cent zusätzlich für den Gastronomen übrig. 

Das Geld landet zwar in der Kasse. Aber der Gast merke von der Steuersenkung, die durch die Bundesregierung den Gastronomen gewährt wird, so gut wie nichts: „Wer mit dem großen Rutscheffekt der Preise auf den Speisekarten im Kreis Lüneburg gerechnet hat, ist mehr als blauäugig“, so Steffen Lübbert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Entlastung sollte eigentlich auch Beschäftigungsbedingungen verbessern

Doch auch in der Lohntüte der Beschäftigten lande das Geld nicht, so Lübbert: „Da hat die Bundesregierung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die allermeisten Gastronomen im Kreis Lüneburg behalten das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk in der Kasse bleibt, für sich und beteiligen das Personal nicht an der verbesserten Einnahmesituation“, sagt Lübbert.

Betroffen sind viele: Insgesamt arbeiten im Kreis Lüneburg nach Angaben der NGG rund 3.830 Beschäftigte in der Gastro-Branche – von der Köchin bis zum Barkeeper, vom Kellner bis zur Rezeptionistin. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.

Stattdessen: Klagen über Anstieg des Mindestlohns auf 13,90 Euro die Stunde

Und es sei eigentlich „alles noch viel schlimmer“: „Denn gleichzeitig bezahlen viele Gastronomen ihren Beschäftigten in der Küche und im Service nur den gesetzlichen Mindestlohn. Das ist umso unverständlicher, da die Entlastung der Betriebe auch dazu genutzt werden sollte, Beschäftigungsbedingungen zu verbessern“, erklärt der Gewerkschafter. „Und noch dreister wird es, wenn sich Gastwirte oder Restaurantbesitzer auch noch darüber beklagen, dass sie 1 Euro und 8 Cent beim Stundenlohn draufzahlen müssen, weil der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist.“

Tariflohn für erfahrene Kräfte liegt bei 17,73 Euro pro Stunde

Der Geschäftsführer der NGG Lüneburg warnt vor „unschönem Gastronomen-Framing“: „Wer seine Beschäftigten in der Küche oder im Service mit dem Mindestlohn abspeist, bezahlt keinen anständigen Lohn. Entscheidend und wirklich fair ist nur der Tariflohn“, so Lübbert. Der liege für eine erfahrene Profi-Köchin oder eine souveräne Servicekraft in ganz Niedersachsen bei immerhin 17,73 Euro pro Stunde.

„Wenn der Entgelttarifvertrag jetzt zum Mai ausläuft und neue Verhandlungen anstehen, werden wir uns beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband dafür stark machen, dass ein gerechter Anteil der Steuersenkung auf der Entgeltabrechnung der Beschäftigten ankommt“, sagt der NGG-Geschäftsführer.

Gastronomie als „Rekord-Branch der Tarifflucht“

Doch ein Großteil der gastronomischen Betriebe im Landkreis Lüneburg betreibe „systematisch Tarifflucht“: „Viele Gastwirte, Restaurantchefs und Hoteliers im Kreis Lüneburg schlagen einen weiten Bogen um den Tariflohn. Und damit auch um Urlaubsregelungen sowie Zuschläge, zum Beispiel für Mehrarbeit“, so Steffen Lübbert. Die Gastronomie gehöre zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“. „Viele der Gastro-Beschäftigten kommen so beim Lohn zu kurz“, kritisiert Lübbert.

Mehr Information und Kontakt

Wer im Kreis in der Gastronomie arbeitet, kann seinen Lohnzettel bei der NGG Lüneburg prüfen lassen und dabei auch mehr über den aktuellen Tariflohn erfahren.

Steuer-Tipp für Gewerkschaftsmitglieder: Gewerkschaft lohnt sich jetzt auch bei der Steuererklärung

Steuer-Bonus: Wer in der Gewerkschaft ist, kann in diesem Jahr zum ersten Mal zusätzlich Steuern sparen. Gewerkschaftsmitglieder erhalten je nach Steuersatz in der Regel zwischen 25 und 35 Prozent ihres Gewerkschaftsbeitrags mit der Steuererklärung zurück. Darauf weist die IG BAU Hamburg hin. 

Das sei eine gute Nachricht für alle Gewerkschaftsmitglieder im Landkreis Lüneburg. „Mehr noch: Das ist ein zusätzlicher Anreiz für alle, in die Gewerkschaft zu kommen. Denn gute Löhne, ordentlicher Arbeitsschutz und vernünftige Arbeitszeiten fallen nicht vom Himmel. Außerdem ist bei der IG BAU – wie bei allen anderen Einzelgewerkschaften im DGB auch – immer ein Rechtsschutz inklusive“, sagt Achim Bartels, Bezirksvorsitzender der IG BAU Hamburg. Auf den Steuer-Bonus für Gewerkschaftsmitglieder haben sich CDU/CSU und SPD in der Regierungskoalition geeinigt. 

Steuererklärung einreichen lohnt sich in aller Regel

Eine Steuererklärung einzureichen, lohnt sich in den meisten Fällen – auch für Arbeitnehmer*innen. So erhielten 2020 insgesamt rund 85 Prozent der Steuerpflichtigen, die eine Steuererklärung abgaben, eine Erstattung.

Mehr bei Lüne-Blog

  • Gewerkschaft NGG Lüneburg: Betriebsrats-Wahlen für starke Betriebsräte – 08.03.2026
    Bundesweit werden vom 1. März bis zum 31. Mai 2026 in kleinen und großen Unternehmen die Betriebsräte gewählt – für eine Wahlperiode von vier Jahren. In Lüneburg ruft die Gewerkschaft NGG die Arbeitnehmer:innen auf, sich an der Wahl zu beteiligen. Ab fünf Beschäftigten kann ein Betriebsrat gegründet werden. Auf Wunsch leisten die Gewerkschaften Unterstützung. 
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    Überstunden, Arbeiten am Wochenende, Extra-Geld von der Arbeitsagentur für die eigene Wohnung … ? Azubis im Landkreis Lüneburg, die Fragen rund um ihre Ausbildung haben, finden Antworten auf dem Online-Portal „Dr. Azubi“ – und das kostenlos und anonym. „Viele Jugendliche im Kreis Lüneburg sind erst seit ein paar Wochen dabei. Für sie ist die Ausbildung Neuland“, erklärt Achim Bartels von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Foto: IG BAU. Bei „Dr. Azubi“ gibt es online erste Hilfe bei Fragen aller Art.

Foto: IG BAU. Bei „Dr. Azubi“ gibt es online Erste Hilfe bei Fragen aller Art.

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