VCD Elbe-Heide: Schleuse in Scharnebeck würde Wassermangel verschärfen – Kritik an Bauvorhaben
Um den Elbe-Seitenkanal auch für größere Schiffe passierbar zu machen, soll eine Schleuse das Schiffshebewerk in Scharnebeck ersetzen. Am 23. Juni 2026 startete das entsprechende Planfeststellungsverfahren. Es soll voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen. Doch neben weiteren Problemen verschärft eine Schleuse die bereits bestehende Wasserkrise eklatant, weist der VCD Elbe-Heide hin.
Mitteilung von: Verkehrsclub Deutschland, Regionalverband Elbe-Heide – Am: 06.09.2026
Online: https://niedersachsen.vcd.org/ – Foto: Walter Rademacher, Wikipedia. Quelle: mehr
Elbe-Seitenkanal: Schleuse in Scharnebeck würde die Wasserkrise verschärfen
Foto: Walter Rademacher/Wikipedia. Schiffshebewerk Scharnebeck, Westansicht mit beiden Trögen in voller Länge. 38 Meter beträgt hier die maximale Differenz zwischen Ober- und Unterwasser (Fallhöhe). Die neue Schleuse ist als geschlossener Block daneben geplant, so hoch und etwa doppelt so lang wie das Hebewerk.
Seit 1975 ist das Schiffshebewerk in Scharnebeck in Betrieb – damals als größtes Schiffshebewerk der Welt gebaut. Seit einigen Jahren wird an einer Schleuse in Scharnebeck als Ergänzung beziehungsweise Ersatzneubau geplant. Das Projekt soll die Leistungsfähigkeit der Binnenschifffahrt auf dem Elbe-Seitenkanal sichern und erhöhen. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der Bau als „vordringlicher Bedarf“ enthalten.
Größte Herausforderung ist künftig der Wassermangel: Schleusenbau neu bewerten
Der VCD Elbe-Heide befürwortet grundsätzlich den ressourcenschonenden Transport per Bahn und Schiff, kritisiert jedoch den geplanten Bau. Weil die Planungen und Berechnungen lange zurückreichen, müssen diese unter den heute veränderten Verkehrs-, Klima- und Rahmenbedingungen überprüft werden. Denn in den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für die Binnenschifffahrt grundlegend verändert. Nicht mehr die Leistungsfähigkeit der Bauwerke ist künftig die größte Herausforderung, sondern die Verfügbarkeit von Wasser. Wasserknappheit ist zur größten Bedrohung für die Binnenschifffahrt geworden. Nach Auffassung des VCD Elbe-Heide muss deshalb die Planung des Schleusenneubaus in Scharnebeck unter den heutigen Klimabedingungen neu bewertet werden.
Immer mehr Niedrigwasser-Phasen: Historische Niedrigwasserstände 2025 und 2026
Die Fakten sind eindeutig: Seit mehr als zehn Jahren häufen sich extreme Hitze- und Dürrejahre. Die Elbe litt insbesondere 2015, 2018, 2019, 2022, 2025 und 2026 unter außergewöhnlich langen Niedrigwasserphasen. Aus einer früher seltenen Ausnahmesituation entwickelt sich zunehmend ein neuer Normalzustand. Gleichzeitig verschärfen sich die Nutzungskonflikte zwischen Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie, Naturschutz und Schifffahrt.
Besonders alarmierend verliefen die Jahre 2025 und 2026. Die Elbe erreichte historische Niedrigwasserstände. Über Monate konnten die für die Schifffahrt vorgesehenen Fahrrinnentiefen nicht mehr gewährleistet werden. Die Folgen waren erhebliche Einschränkungen für die Binnenschifffahrt. Das sind deutliche Hinweise darauf, wie verletzlich das System geworden ist.
Kritik am Wechsel des hydraulischen Konzepts: Schleuse verursacht erheblichen Wasserverlust
Kritisch sieht der VCD insbesondere die Änderung des hydraulischen Konzepts. Statt auch künftig auf ein Hebewerk zu setzen, das ähnlich wie ein Fahrstuhl funktioniert und nur wenig Wasserverlust mit sich bringt, soll zukünftig eine Schleusentechnik verwendet werden. Diese erzeugt bei jedem Schleusenvorgang einen großen Wasserverlust. So muss von 16.000 bis 22.000 Kubikmetern Wasserverlust pro Schleusung ausgegangen werden.
Der Elbe-Seitenkanal besitzt keine nennenswerten natürlichen Zuflüsse. Eine Schleuse überträgt bei jedem Zyklus Wasser und ist auf Rückpumpen angewiesen. Im Sommer 2026 musste das Kanalnetz bereits aufgrund niedriger Wasserstände zusätzlich über die Pumpwerke Scharnebeck und Uelzen gestützt werden. Gleichzeitig bestehen in Weser und Elbe bei niedrigen Wasserständen Einschränkungen für zusätzliche Wasserentnahmen.
VCD: Langfristiger Vergleich beider Systeme gefordert unter Berücksichtigung der Klimaentwicklung
Der VCD fordert einen Vergleich der beiden Varianten Hebewerk und Schleuse, der der Wasserproblematik Rechnung trägt und kommende Klimaszenarien berücksichtigt. Zu ermitteln ist, welche Variante auch bei geringerem Wasserstand zuverlässig nutzbar bleibt und Nutzungskonflikte mit anderen Gewässersystemen verringert. Als Alternative sieht der VCD ein modernes Schiffshebewerk – das wurde aufgrund zweifelhafter Vorfestlegungen nicht weiter verfolgt.
- Verkehrsclub Deutschland: VCD Regionalverband Elbe-Heide
- VCD Elbe-Heide: Stellungnahme zur Planfeststellung für den Ersatzneubau Schleuse Lüneburg am Elbe-Seitenkanal – (PDF-Datei) – 24.08.2026
- BUND Elbe-Heide: Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben Ersatzneubau Schleuse Lüneburg am Elbe-Seitenkanal (PDF-Datei) – 11.08.2026
Der BUND Elbe-Heide schließt sich der bereits vor dieser Öffentlichkeitsbeteiligung im Dezember 2025 veröffentlichten Stellungnahme des VCD Regionalverbands Elbe-Heide vollständig an und ergänzt weitere Einwendungen.
- Schiffahrts-Verlag „Hansa“: Planfeststellungsverfahren für neue Schleuse Lüneburg gestartet – 23. Juni 2026
Die Planfeststellungsbehörde der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) in Hannover hat am 23. Juni 2026 das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Schleuse Lüneburg offiziell eingeleitet. - Wikipedia: Schiffshebewerk Niederfinow Nord
Das Schiffshebewerk Niederfinow Nord wurde als Ersatzbau für das benachbarte alte und kleinere Schiffshebewerk Niederfinow errichtet und am 5. Oktober 2022 für den Verkehr freigegeben. Es ermöglicht die Aufnahme von zweilagigen Containerschiffen, ungetrennten Schubverbänden und Großmotorschiffen. - Wikipedia: Schiffshebewerk Scharnebeck
Das Schiffshebewerk Scharnebeck wurde 1974 als damals weltgrößtes gebaut. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel: Pro Jahr besichtigen etwa 500.000 Besucher das Hebewerk. - Lüne-Blog: VCD Elbe-Heide: Neubau einer Schleuse in Scharnebeck – Stellungnahme – 20.01.2026
Reicht das Schiffshebewerk in Scharnebeck nicht mehr aus? Seit einigen Jahren ist hier eine neue Schleuse in Planung, „weltweit die mit Abstand höchste Schleuse dieser Bauart“ und als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrsplan ausgewiesen. Der VCD Elbe-Heide hat das Bauvorhaben unter verschiedenen Aspekten geprüft – und sieht die Pläne kritisch.
Schiffshebewerk Niederfinow Nord
Das Schiffshebewerk Niederfinow Nord wurde als Ersatzbau für das benachbarte alte und kleinere Schiffshebewerk Niederfinow errichtet und am 5. Oktober 2022 für den Verkehr frei gegeben. Es ermöglicht die Aufnahme von zweilagigen Containerschiffen, ungetrennten Schubverbänden und Großmotorschiffen.

Foto: Biberbaer. Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123746845.
Das neue Schiffshebewerk Niederfinow Nord, 2022.
![]()
Lünepedia: Schiffshebewerk Scharnebeck
Das zur Bauzeit weltgrößte Doppelsenkrecht-Schiffshebewerk Scharnebeck (auch als Schiffshebewerk Lüneburg bezeichnet) wurde 1974 erbaut und bietet ein sehenswertes technisches Schauspiel. Es ermöglicht Frachtschiffen eine Höhe von 38 Metern zu überwinden. In acht Jahren Bauzeit wurde der Elbe-Seitenkanal gebaut, um eine Verbindung zwischen Elbe und Mittellandkanal zu schaffen. Auf der gesamten Strecke des Elbe-Seitenkanals wird ein Höhenunterschied von 61 Metern überwunden. Davon überbrückt die Schleuse Uelzen 23 Meter und die restlichen 38 Meter das Schiffshebewerk Scharnebeck.
Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Schiffshebewerk_Scharnebeck
![]()
Ergänzung oder Korrektur? Bitte Mail an redaktion@luene-blog.de – danke!
Lüne-Blog veröffentlicht Pressemitteilungen, Berichte und Veranstaltungshinweise von Parteien, Verbänden und Zusammenschlüssen: https://luene-blog.de/ueber-uns/
Lüne-Blog kannst du auch lesen bei:
![]() |
![]() |
![]() |


