Verkehrswende: Unzufriedenheit mit der Verkehrsplanung in Lüneburg

Sehr enttäuscht von der Lüneburger Verkehrsplanung zeigen sich verschiedene Initiativen und der Leuphana-Verkehrsexperte Prof. Dr. Peter Pez. Statt unzureichender Maßnahmen fordert das Bündnis Taten, z.B. Einbahnstraßenregelungen in Uelzener und Soltauer Straße. So könne Platz für Rad und Bus geschaffen werden. Wiederholt geäußerte Bedenken des zuständigen Referenten, Stadtrat Markus Moßmann, werden als “Ausreden” bezeichnet. In ihrer Antwort verweisen OB Kalisch und Moßmann auf die “sehr komplexe” Umsetzung.


Pressemitteilung: Lüneburger Bündnis fordert ehrliche Verkehrswende


Mitteilung von: Initiativen Radentscheid, Klimaentscheid, Klimakollektiv, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC und Leuphana-Verkehrsexperte Prof. Dr. Peter Pez
Am: 10.02.2022


Umbaupläne für Uelzener Straße JETZT stoppen!

Lüneburger Bündnis fordert ehrliche Verkehrswende

Schluss mit halbherzigen Maßnahmen und Lippenbekenntnissen. Mit einer deutlichen Forderung richtet sich ein breites Lüneburger Bündnis an Politik und Verwaltung. Die Initiativen Radentscheid, Klimaentscheid, Klimakollektiv, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC und Leuphana-Verkehrsexperte Prof. Dr. Peter Pez rufen die Stadt dazu auf, die völlig überholten Pläne für den Umbau der Uelzener Straße zu stoppen.

Einbahnstraßenregelung schafft Platz für Rad- und Busverkehr

„Die Umgestaltung der Radverkehrsanlagen sieht auf dem Papier zwar schön aus, ist aber absolut unzureichend und hat nichts mit einer Verkehrswende zu tun“, sagt Ronald Orth vom Radentscheid Lüneburg. „Das Ziel muss eine Einbahnstraßenregelung für den Autoverkehr sein, wie sie derzeit auch intensiv für die Soltauer Straße diskutiert wird. Diese Regelung räumt dem Rad den Platz ein, den es schon jetzt und vor allem in Zukunft benötigt – ohne dabei den ÖPNV zu beeinträchtigen.“

Die Einbahnstraßenregelung ist schon seit Längerem im Gespräch und wird von der städtischen Verkehrsplanung als mögliche Lösung auch nicht mehr ausgeschlossen. Sie sieht vor, den gesamten motorisierten Verkehr in der Uelzener und in der Soltauer Straße in jeweils eine Richtung zu lenken. Die Gegenspur dürfen ausschließlich Räder, Busse und Einsatzfahrzeuge nutzen. Allerdings: Die Umsetzung wurde lange Zeit von der Verwaltung blockiert, weiterhin werden zu kurz gedachte Schritte geplant.

Maßnahmen der Verwaltung unzureichend

„Mit den neuen und immer noch zu schmalen Radverkehrsanlagen an der Uelzener Straße will die Stadt für viel Geld eine völlig unzureichende Maßnahme im wahrsten Sinne des Wortes für die nächsten Jahrzehnte asphaltieren“, kritisiert Burkhard von Roeder vom ADFC. „Lüneburg sollte sich wie Hannover, Bremen, Münster und andere Städte trauen, neue Verkehrsführungen ohne aufwändige und teure Baumaßnahmen auszuprobieren.“

Ein Weg, für den auch Universitätsprofessor Peter Pez plädiert – zumal sich diese Möglichkeit in der Soltauer Straße bewährt hat. Dort fuhren die Autos im vergangenen Jahr aufgrund von Bauarbeiten über mehrere Wochen nur in eine Richtung. „Das hat wunderbar funktioniert und hätte als Testballon hervorragend fortgesetzt und untersucht werden können“, so der Verkehrsexperte. „Doch anstatt in die Zukunft zu blicken, ist die Stadt lieber wieder einen Schritt zurück gegangen und hat mit teuren Baumaßnahmen die Situation für den Radverkehr noch verschlechtert.“

Verweis auf abzuwartende Prüfungen: Ausrede?

Den wiederholten Verweis seitens der Stadt auf abzuwartende Prüfungen bewertet Pez in diesem Fall als Ausrede: „Natürlich brauchen wir gut durchdachte Konzepte. Diese aber schließen parallel verlaufende Verkehrsversuche nicht aus – im Gegenteil: Beides kann sich hervorragend unterstützen.“

Der Klimaentscheid Lüneburg ist vom zögerlichen Vorgehen der Hansestadt enttäuscht. „Wer immer nur Bedenken hat und überall Fallstricke vermutet, übersieht die einfachen und naheliegenden Lösungen“, meint Initiativensprecherin Kristin Jordan. „Für die Verkehrswende aber benötigen wir Entscheidungskraft, Mut und Umsetzungswillen.“

Verkehrswende in Lüneburg: Taten müssen folgen

Aus diesem Grund kann das Klimakollektiv der positiven 100-Tages-Bilanz von Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch nicht vorbehaltlos zustimmen. „Frau Kalisch ist unter anderem für das Versprechen gewählt worden, die Verkehrswende in Lüneburg voranzutreiben. Ihre bisherigen Einlassungen zur Mobilitätswende reichen allein nicht aus, es müssen schnell Taten folgen“, fasst Theresa Berghof stellvertretend für alle Initiativen zusammen. Das Bündnis ist sich einig: Die Lüneburger Verkehrspolitik muss unbedingt Chefinsache werden.


Antwort der Hansestadt Lüneburg:
“Konstruktiven Dialog“ zu Radwege-Planungen weiter persönlich pflegen


Mitteilung von: Hansestadt Lüneburg
Am: 11.02.2022
Online: mehr


Hansestadt möchte „konstruktiven Dialog“ zu Radwege-Planungen weiter persönlich pflegen

HANSESTADT LÜNEBURG. – Irritiert zeigt sich die Verwaltung der Hansestadt Lüneburg über eine Pressemitteilung, die gestern (10. Februar 2022) von Prof. Peter Pez sowie Vertreter:innen von ADFC, Radentscheid, Klimaentscheid und Klimakollektiv verschickt wurde – Tenor: Die Stadt solle sich in Sachen Verkehrswende mehr trauen, einfach mal etwas ausprobieren, etwa Einbahnstraßenregelungen für Kraftfahrzeuge auf der Soltauer und der Uelzener Straße, die Verwaltung sei zu zögerlich.

Was Verkehrsdezernent Markus Moßmann wie auch Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch daran besonders verwundert: Beide hatten den Eindruck in guten Gesprächen zu sein. Eines fand bereits statt, ein zweites ist terminiert – ein „konstruktiver Dialog“, eher persönlich geführt, statt über den Umweg Medien, sei vereinbart gewesen. „Diesen direkten, konstruktiven Dialog suchen wir weiter“, unterstreicht Moßmann.

Ausführliches Gespräch über Einbahnstraßenregelung in Soltauer und Uelzener Straße

Zu den inhaltlichen Anregungen in der Pressemitteilung sagt Moßmann: „Wir haben ausführlich im Arbeitskreis Verkehr mit ADFC und VCD sowie Polizei über eine mögliche Einbahnstraßenregelung in der Soltauer und der Uelzener Straße gesprochen. Wir möchten eine funktionierende und sichere Lösung für alle Verkehrsteilnehmer.

Umsetzung sehr komplex

Wir haben bei diesem fachlichen Austausch den Eindruck gewonnen, dass die Verbände unsere Argumente und die der Polizei nachvollziehen konnten. Dass sie gesehen haben, dass die Forderung nach einer projekthaften Einbahnstraßenregelung zwar leicht formuliert ist, sich in der Umsetzung dabei als sehr komplex darstellt.
Es gibt einige Knackpunkte, die man sowohl juristisch vernünftig prüfen, vor allem aber mit den Anliegerinnen und Anliegern an der Straße in Ruhe besprechen sollte. Das ist unser Anspruch.“
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ergänzt: „So viel Zeit muss sein. Ich nehme Bürger:innenbeteiligung ernst.“


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