Foto: Wohnwende LG. Lüneburgs erste Stadtführung zu leerstehenden Wohnungen und Häusern startete am 25. Juni 2026 bei der IHK. Hier gleich das erste Haus: Der ehemalige McDonalds, Am Sande 3.

Wohnwende Lüneburg: Dunkle Fenster – Stadtrundgang zu Leerständen

Auf einen Stadtrundgang ungewöhnlicher Art führte die Initiative WohnWende am 25. Juni 2026 durch Lüneburg. Auf einer Runde von etwa drei Kilometern gab es eine ganze Reihe von leerstehenden Wohnungen, ja, sogar Häusern zu sehen – und das in einer Stadt, wo Wohnraum knapp und teuer ist. Die Initiative schlägt gezielte Maßnahmen vor, damit solche Wohnungen wieder genutzt werden.


Mitteilung von: WohnWende Lüneburg – Am: 29.06.2026
Online: https://zukunftsrat-lueneburg.de – Foto: WohnWende Lüneburg


Dunkle Fenster: Leerstands-Führung am 25. Juni 2026 in Lüneburg

Foto: WohnWende Lüneburg. Lüneburgs erste Stadtführung zu leerstehenden Wohnungen und Häusern startete am 25. Juni 2026 bei der IHK. Hier steht gleich das erste Haus: Der ehemalige McDonald’s, Am Sande 3.

Am Donnerstag, 25. Juni 2026, fand Lüneburgs erste Stadtführung zum Thema Wohnungsleerstand statt. Die Initiative WohnWende Lüneburg hatte eingeladen, Treffpunkt war vor der IHK. Unter den Teilnehmenden waren auch Stadtbaurätin Maja Lucht, Hans-Christian Lied, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Landrats-Kandidat Torsten Franz (Grüne) und weitere Personen der Parteien Grüne und Linke, vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt und aus der Wohngenossenschaft „Wohnen im Zentrum“.

Viele Leerstände in der Innenstadt – gleichzeitig Wohnraum-Mangel

Denn in Lüneburg werden – bei knappem Wohnraum – mehrere hundert Wohnungsleerstände vermutet, die meisten davon dauerhaft. Auf einer knapp drei Kilometer langen Route lernten die Teilnehmenden etwa 30 betroffene Anwesen kennen, teils mit mehreren Wohnungen. Der Blick muss in diesem Fall meist nach oben gehen: Dann werden die vielen dunklen, teils verhangenen Fenster wahrgenommen. 

Lüneburg hat großen Wohnraum-Mangel – und gleichzeitig viel langfristigen Leerstand, viele Ferienwohnungen (davon vermutlich über 700 illegale) und gleichzeitig ca. 25 Prozent unterbelegten Wohnraum. Probleme, die Lüneburg angehen müsste. Offizielle Zahlen zur Dimension des Problems gibt es noch nicht. Hier würde ein Leerstandskataster Abhilfe schaffen, wie es die Initiative WohnWende fordert. 

Gefahr für die Sicherheit

Bei einem Haus am Rotenbleicher Weg wurde deutlich, dass Leerstand nicht nur sozial und ökologisch negative Konsequenzen hat, sondern auch sicherheitsrelevant ist: Hier und in zwei anderen leerstehenden Häusern gab es bereits Brände – die Löscharbeiten wurden durch eine zugeschweißte Tür und vernagelte Fenster verkompliziert.

„Zum Glück hat Lüneburg bereits eine Zweckentfremdungssatzung, die Leerstand und Ferienwohnungen im Wohnbestand verbietet“, erklärt Jonas Korn von der Initiative WohnWende Lüneburg. „Das Problem: Zum einen gibt es einige Schlupflöcher, die noch geschlossen werden müssen. Zum anderen braucht es eine deutliche Aufstockung des Personals in der Verwaltung, um die Missstände überhaupt angehen zu können.“

Verschiedenste Gründe, warum Wohnraum leer steht

Gründe für langfristigen Leerstand gibt es viele und so braucht es auch eine Bandbreite an Maßnahmen.

  • Für Eigentümer lohnt sich teils ein Leerstand, weil Häuser an Wert gewinnen und damit der zukünftige Profit um 4 bis 5  Prozent im Jahr ansteigt, ohne dass man etwas dafür tun muss. Zudem können Eigentümer „Verluste“ durch Leerstand steuerrechtlich geltend machen, sodass sich eine Vermietung nicht lohnt.
  • Für viele leere Wohnungen in den Obergeschossen über Läden gilt, dass Umbaumaßnahmen erforderlich wären, um diese brandschutzgerecht wieder zugänglich und vermietbar zu machen. Teils sind vor einer Vermietung auch aufwändige Renovierungen notwendig.
  • In manchen Fällen werden sich auch Erbengemeinschaften nicht einig.
  • In anderen Fällen ist Verfall und ggf. Entmietung geplant, um Abriss und Neubau oder Sanierung und Neuvermietung zu wesentlich höheren Mieten zu ermöglichen.
  • Nicht zuletzt sind viele Eigentümer auch von der Problematik überfordert und schrecken zurück vor möglicherweise notwendige Umbaumaßnahmen oder dem Aufwand und Risiko einer Vermietung.

All diese Probleme müssen durch die Verwaltung jeweils angemessen adressiert werden, um das erhebliche Wohnpotenzial, das in dauerhaften Wohnleerständen in Lüneburg schlummert, aufzuwecken. Die Politik muss dafür Haushaltsmittel für entsprechende Stellen bereitstellen.

Weitere Führung in Vorbereitung

Über all dies wurde gesprochen, bis die Stadtführung in der westlichen Altstadt endete. Hier gibt es Ferienwohnungen und Leerstände zuhauf. Die Führung weckte großes Interesse, es wurde angeregt diskutiert, viele machten sich Notizen. Die Initiative WohnWende Lüneburg plant, eine weitere Führung in der kommenden Wandelwoche anzubieten, die vom 30. Oktober bis 8. November 2026 stattfindet. Geplant ist auch, die Bevölkerung zur Mithilfe aufzurufen und einen Online-Melder für Zweckentfremdungen bereitzustellen.

Mehr Information und Kontakt

Die Initiative WohnWende Lüneburg gehört zum Zukunftsrat Lüneburg e.V. Sie setzt sich ein für eine sozial-ökologische Wohnraumpolitik in unserer Stadt: Für die Verminderung von Leerstand und weiterer Zweckentfremdung und eine soziale Wohnraumpolitik statt neuer Wohngebiete am Stadtrand.

Mehr bei Lüne-Blog

  • Reiner Netwall: Wem gehört die Stadt? – Aufruf zum Handeln – Teil II – 22.03.2026
    Aus Renditegründen werden Wohnungen und Häuser in der Altstadt zu Ferienwohnungen. Damit fallen sie als Mietwohnungen weg. Die Mieten steigen und Einkommensschwächere werden aus der Stadt verdrängt. Gleichzeitig stehen eine Menge Häuser und Wohnungen leer. In seiner Analyse nennt Reiner Netwall, Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V. (ALA), wichtige Schritte für Politik und Verwaltung, um Lüneburg als Lebens- und Wohnraum zu sichern. 
Foto: WohnWende Lüneburg. Ja, auch in der Bäckerstraße stehen Wohnungen leer - zum Beispiel hier über dem Geschäft.

Foto: WohnWende Lüneburg. Ja, auch in der Bäckerstraße, in bester Lage, stehen Wohnungen leer – zum Beispiel hier über dem Geschäft.

Foto: WohnWende Lüneburg. Leerstand als Sicherheitsrisiko: Hier kam es bereits zum Brand.

Foto: WohnWende Lüneburg. Leerstand als Sicherheitsrisiko.

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