Foto: Malte Hübner. Am 21. August 2026 hatte die Initiative WohnWende Vertreter*innen der örtlichen Parteien eingeladen zum Thema Wohnraummangel in Lüneburg. Zu Beginn informierten Jonas Korn (WohnWende) und Reiner Netwall (ALA) über Zweckentfremdung von Wohnraum in Lüneburg - durch Leerstände und Ferienwohnungen.

Wohnraum-Mangel in Lüneburg: So wollen die Parteien Abhilfe schaffen

Lüneburg ist „Wohnraum-Mangelgebiet“, weiß die Stadtverwaltung. Am Freitag, 21. August 2026, luden Zukunftsrat und Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) ein zum Austausch darüber. Ergebnis: Wichtig sind die konsequente Umsetzung der Zweckentfremdungs-Satzung, die Fortführung der Beratung und die gemeinsame Entwicklung eines entsprechenden Konzepts.


Mitteilung von: Initiative WohnWende im Zukunftsrat Lüneburg – Am: 26.08.2026
Online: https://zukunftsrat-lueneburg.de/ – Foto: Malte Hübner


WohnWende Lüneburg: Fehlender Wohnraum in Lüneburg und Lösungsmöglichkeiten

Foto: Malte Hübner. Am 21. August 2026 hatte die Initiative WohnWende Vertreter*innen der örtlichen Parteien eingeladen zum Thema Wohnraummangel in Lüneburg. Zu Beginn informierten Jonas Korn (links, Zukunftsrat) und Reiner Netwall (ALA) von der Initiative WohnWende über Zweckentfremdung von Wohnraum in Lüneburg – durch Leerstände und Ferienwohnungen.

In Lüneburg gibt es zu wenige Wohnungen. Eine Studie aus dem Jahr 2024 geht davon aus, dass bis 2030 mindestens 2000 neue Wohnungen bereitgestellt werden müssen. Die Initiative WohnWende, eine Projektgruppe im Zukunftsrat Lüneburg, hatte anlässlich der Kommunalwahlen Vertreter*innen der Parteien und Interessierte eingeladen ins Museum Lüneburg zum Gespräch über den örtlichen Wohnungsmangel. Das Thema sorgte für großes Interesse – und eine angeregte Diskussion.

Neubau allein nicht zielführend: Zu teuer, zu langwierig und ökologisch nicht vertretbar

Im Informationsteil zum Einstieg wiesen die Einladenden darauf hin, dass bisher zu wenig zur Beseitigung dieses Mangels unternommen worden sei. „Die Lösung kann nicht allein im Neubau von Wohnungen liegen. Dies ist zu teuer, dauert zu lange und ist ökologisch nicht vertretbar“, betonte Norbert Bernholt vom Zukunftsrat. Als sinnvolle und preisgünstige Alternative nannten die Veranstalter die Nutzung der vielen, schon seit längerer Zeit leerstehenden Wohnungen und die nicht gemeldeten Ferienwohnungen.

Zweckentfremdungs-Satzung umsetzen – Beispiel Hamburg

„Lüneburg hat eine Zweckentfremdungs-Satzung, die Eigentümern untersagt, Wohnraum auf längere Zeit leer stehen zu lassen oder sie langfristig als Ferienwohnung zu vermieten. Diese Satzung wird in Lüneburg allerdings nur halbherzig umgesetzt“, so Reiner Netwall, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA). Andere Kommune gehen hier anders vor. „Die Stadt Hamburg hat durch eine konsequente Anwendung der Verordnung von 2019 bis 2021 Zwangsgelder in Höhe von 2,4 Mio € eingenommen und über 2611 Wohnungen wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt“, betonte Jonas Korn für die Initiative WohnWende.

Im Anschluss sieben Gesprächsrunden mit Ansprechpersonen aus der Politik

Es folgten Gesprächsrunden mit ParteienvertreterInnen, beteiligt haben sich Wolfgang Goralczyk (CDU), Thorben Peters (Die Linke), Ulrich Blanck und Andrea Kabasci (Grüne), Tim Schröder (Volt), Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Frank Soldan (FDP). Es kristallisierten sich viele Ideen und Lösungsansätze heraus, die in den folgenden Jahren umgesetzt werden sollen.

Lösungsvorschläge gesammelt

  • Zusätzliche Stellen zur Umsetzung der Zweckentfremdungs-Satzung würden für Mehreinnahmen sorgen
    Die meisten Parteivertreter*innen waren sich einig, dass die Probleme mit Leerständen und illegalen Ferienwohnungen nur mit Hilfe zusätzlicher Stellen in der Verwaltung gelöst werden können. Eine konsequentere Anwendung der Zweckentfremdungs-Satzung, einschließlich der Schaffung des dringend notwendigen Leerstandregisters, wäre dadurch auch in Lüneburg möglich. Diese Stellen können nicht nur für zusätzlichen Wohnraum sorgen, sondern der Stadt auch Mehreinnahmen bescheren.
  • Nachverdichtung
    Als weiterer Vorschlag wurde beispielsweise die Nachverdichtung von bestehenden Quartieren genannt.
  • Beratung
    Sehr hilfreich wären schließlich umfangreiche Beratungsangebote insbesondere für Hauseigentümer*innen, die alleine in einem für sie viel zu großen Haus leben.
  • Konzept zur Beseitigung des Wohnraummangels erarbeiten
    Am Schluss wurde gefordert, sich in der kommenden Wahlperiode mit Bürger*innen, Fachleuten und Vertreter*innen der Parteien an einen Tisch zu setzen und ein parteiübergreifendes, durchdachtes und langfristig wirksames Konzept zur Beseitigung des Wohnraummangels zu entwickeln. Dieses wäre dann dem Rat vorzulegen. Ein Vorschlag, der von den Anwesenden sehr wohlwollend aufgenommen wurde.

Hintergrund: Wohnraummangel in Lüneburg

Alle sind sich einig: Lüneburg hat zu wenig Wohnraum. Besonders Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen tun sich schwer, eine Wohnung zu finden. Dies ist auch der Verwaltung und dem Rat der Stadt bewusst. In der Beschlussvorlage zur Verlängerung der Zweckentfremdungs-Satzung (2024) schreibt die Verwaltung: „Lüneburg ist weiterhin ein Wohnraum-Mangelgebiet und jeglicher Leerstand oder Umnutzung zu Ferienwohnungen oder Gewerbeeinheiten verschärft den Wohnungsmangel noch zusätzlich.“ Schätzungen zufolge sind allein in der Innenstadt mindestens 300 Wohnungen seit längerer Zeit unbewohnt. Zudem ist etwa ein Viertel der Lüneburger Wohnungen unterbelegt: Vielfach lebt nur eine Person in einem Haus mit fünf und mehr Zimmern. Es gibt also ungenutztes Wohnraumpotenzial. 

Mehr Information und Kontakt

  • Zukunftsrat Lüneburg: https://zukunftsrat-lueneburg.de/
  • Hansestadt Lüneburg: Wohnen – Beratung und Unterstützung, Wohnraumschutz, Konzepte
    Obwohl in den Jahren 2011 bis 2021 durchschnittlich 224 Wohnungen fertiggestellt wurden, bleibt der Wohnungsmarkt in Lüneburg insbesondere im preisgünstigen Segment angespannt. Es wird ein Bedarf in Höhe von rund 3500 Wohnungen bis 2040 prognostiziert, besonders an kleinen, preisgünstigen Wohnungen für Einpersonenhaushalte, im besten Fall barrierefrei.

Mehr bei Lüne-Blog

  • Wohnwende Lüneburg: Dunkle Fenster – Stadtrundgang zu Leerständen – 01.07.2026
    Auf einen Stadtrundgang ungewöhnlicher Art führte die Initiative WohnWende am 25. Juni 2026 durch Lüneburg. Auf einer Runde von etwa drei Kilometern gab es eine ganze Reihe von leerstehenden Wohnungen, ja, sogar Häusern zu sehen – und das in einer Stadt, wo Wohnraum knapp und teuer ist. Die Initiative schlägt gezielte Maßnahmen vor, damit solche Wohnungen wieder genutzt werden.
  • Reiner Netwall: Wem gehört die Stadt? – Aufruf zum Handeln – Teil II – 22.03.2026
    Aus Renditegründen werden Wohnungen und Häuser in der Altstadt zu Ferienwohnungen. Damit fallen sie als Mietwohnungen weg. Die Mieten steigen und Einkommensschwächere werden aus der Stadt verdrängt. Gleichzeitig stehen eine Menge Häuser und Wohnungen leer. In seiner Analyse nennt Reiner Netwall, Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V. (ALA), wichtige Schritte für Politik und Verwaltung, um Lüneburg als Lebens- und Wohnraum zu sichern. 
Foto: Initiative WohnWende. Die Veranstaltung am 21. August 2026 im Marcus-Heinemann-Saal des Museums Lüneburg. In sieben Gesprächsrunden tauschten sich die Gäste mit Ansprechpersonen der Parteien aus.

Foto: Initiative WohnWende. Die Veranstaltung am 21. August 2026 im Marcus-Heinemann-Saal des Museums Lüneburg. In sieben Gesprächsrunden tauschten sich die Gäste mit Ansprechpersonen der Parteien aus.

Foto: WohnWende Lüneburg. Leerstand als Sicherheitsrisiko: Hier kam es bereits zum Brand.

Foto: WohnWende Lüneburg. Ein leerstehendes Haus am Rand der Innenstadt. Leerstand ist auch ein Sicherheitsrisiko.

Lünepedia: Zukunftsrat

Der Zukunftsrat Lüneburg (ZRL) ist eine als gemeinnütziger Verein organisierte zivilgesellschaftliche Organisation, die sich für ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Lüneburg engagiert. Der ZRL engagiert sich für die Gestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft, durch die ein würdiges Leben der jetzt lebenden Menschen ebenso wie der zukünftigen Generationen ermöglicht wird. Er wurde am 15. Februar 2022 gegründet.

Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Zukunftsrat

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