Polizei-Blaulicht. Foto: fsHH, Pixabay.

Innenministerium Niedersachsen: Politisch motivierte Kriminalität im Jahr 2025

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten blieb 2025 fast unverändert. „Trotz leicht rückläufiger Zahlen kommt die größte Gefahr für unseren Rechtsstaat und unsere Demokratie weiterhin von rechts. Fast jede zweite politisch motivierte Straftat im Jahr 2025 war rechtsmotiviert“, so Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens bei der Vorstellung der Statistik für 2025. Wie sich beobachten ließ, waren aktuelle Ereignisse wie die Bundestagswahl und der Nahost-Konflikt Hintergrund für viele Straftaten.


Mitteilung von: Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung – Am: 18.05.2026
Online: https://www.mi.niedersachsen.de/ – Foto: Blaulicht auf Polizeiwagen. Symbolfoto, Pixabay.


Krminalstatistik 2025: Politisch motivierte Kriminalität (PMK) in Niedersachsen 

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten in Niedersachsen liegt im Jahr 2025 mit 8.309 Fällen weiterhin auf dem hohen Niveau des Vorjahres und bleibt damit nahezu unverändert. Das hängt auch mit der Bundestagswahl im letzten Jahr zusammen. Ein Warnsignal, so Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens: „Unser demokratisches und friedliches Zusammenleben gerät zunehmend unter Druck.“

„Die niedersächsischen Sicherheitsbehörden begegnen diesen Entwicklungen deshalb mit Konsequenz und Entschlossenheit. Es ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, unsere demokratischen Werte aktiv zu verteidigen“, so Behrens.

Zu den einzelnen Phänomenbereichen

Die Zusammenfassung ist hier in der Reihenfolge der Fallzahlen wiedergegeben. An der Spitze sind rechtsmotivierte Delikte vertreten, an zweiter Stelle Delikte, die sich nicht zuordnen lassen und an dritter Stelle linksmotivierte Straftaten. Es folgen ausländische und religiöse Ideologien.

1. Politisch motivierte Kriminalität von „rechts“: Fast jede zweite Straftat

Innenministerin Behrens: „Trotz leicht rückläufiger Zahlen kommt die größte Gefahr für unseren Rechtsstaat und unsere Demokratie weiterhin von rechts. Fast jede zweite politisch motivierte Straftat im Jahr 2025 war rechtsmotiviert.“ Die Fallzahlen sind um rund sieben Prozent von 4.035 auf 3.758 Fälle gesunken. Mit einem Anteil von rund 56 Prozent bilden dabei Propagandadelikte den Schwerpunkt, so das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, etwa von Hakenkreuzen oder SS-Runen.

Viele fremden- und ausländerfeindliche Straftaten

Die fremdenfeindlichen Straftaten sind im Vergleich zum Vorjahr von 1.798 auf 1.560 Fälle gesunken. Auch die ausländerfeindlichen Straftaten sind mit 977 Fällen rückläufig (2024: 1.147). In rund 79 Prozent der registrierten fremdenfeindlichen und ausländerfeindlichen Straftaten wurde eine rechte Tatmotivation festgestellt. Die Zahl der rechtsmotivierten Gewaltdelikte ist von 99 auf 110 Taten gestiegen und stellt im Vergleich der Phänomenbereiche den höchsten Anteil an allen politisch motivierten Gewaltdelikten dar. Die Taten waren überwiegend fremdenfeindlich, ausländerfeindlich oder rassistisch motiviert. In acht Fällen richteten sich die Straftaten gegen LSBTIQ-Personen (2024: 5).

2. Politisch motivierte Kriminalität mit „sonstiger Zuordnung“

Alle Fälle, die nicht unmittelbar einem spezifischen Phänomenbereich zugeordnet werden können, werden unter „sonstige Zuordnung“ in der PMK-Statistik erfasst. Das sind u. a. auch Taten von Reichsbürgern oder sogenannten Selbstverwaltern. Die Anzahl der Straftaten im Bereich der PMK „sonstige Zuordnung“ ist im Jahr 2025 um rund acht Prozent auf 2.236 gesunken. Das entspricht dem zweithöchsten Anteil in der Gesamt-Statistik.

3. Politisch motivierte Kriminalität von „links“: Häufig Sachbeschädigung an Wahlplakaten

Die Anzahl der Straftaten im Bereich der PMK „links“ ist um mehr als 30 Prozent auf 1.589 gestiegen. Mehr als die Hälfte der Fälle (815) ereigneten sich im Januar und Februar, häufig in Zusammenhang mit der Bundestagswahl (605 Taten, rund 38 Prozent der phänomenbezogenen Straftaten des Gesamtjahrs). Ein Großteil der Taten richtete sich gegen Parteien – überwiegend gegen die AfD – und erfolgte vor allem in Form von Sachbeschädigungen an Wahlplakaten.

Die linksmotivierte Gewaltkriminalität ist leicht rückläufig, bleibt mit 97 Taten jedoch auf einem hohen Niveau. Darunter fallen Brandanschläge auf eine Polizeistation und einen Pkw, nachdem es in der Oldenburger Innenstadt zu einem tödlichen Schusswaffengebrauch durch die Polizei zum Nachteil eines 21-Jährigen gekommen war. Insgesamt richteten sich 158 Straftaten gegen die Polizei. 

Behrens: Gewalt in keinem Fall gerechtfertigt

Innenministerin Behrens: „Auch ein noch so gut gemeinter und vermeintlich rechtschaffener Kampf gegen rechts rechtfertigt keine Straftaten und keine Gewalt gegen politisch Andersdenkende! Schon gar nicht gegen diejenigen, die jeden Tag auf den Straßen Niedersachsens für unsere Sicherheit und den Schutz der Versammlungsfreiheit im Einsatz sind.“

4. Politisch motivierte Kriminalität mit „ausländischer und religiöser Ideologie“

Im Bereich der ausländischen Ideologie ist die Anzahl der Straftaten um rund neun Prozent von 476 auf 519 gestiegen – auf den höchsten Stand seit Beginn der standardisierten Erfassung 2017. Die Straftaten waren maßgeblich geprägt durch den Nahost-Konflikt (rund 56 Prozent aller Fälle) und durch die Zunahme hybrider Bedrohungen. Häufige Tatbestände waren Sachbeschädigungen (134), die zu rund 88 Prozent im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt standen, Volksverhetzungen (64) und Beleidigungen (51), vor allem im Kontext von Versammlungen.

Im Bereich der religiösen Ideologie ist ein starker Anstieg um rund 35 Prozent von 153 auf 207 Fälle zu verzeichnen, insbesondere im Zusammenhang mit islamistisch motivierten Straftaten. Auch hier ist ein Höchststand seit der standardisierten Erfassung im Jahr 2017 zu registrieren. Behrens: „Auch im vergangenen Jahr hat es in Niedersachsen keinen politisch motivierten Anschlag gegeben. Dennoch bleibt insbesondere der islamistische Terrorismus eine reale Bedrohung. Radikalisierungs- und Anwerbeversuche richten sich häufig ganz gezielt an junge Menschen, insbesondere über digitale Kanäle.“

Spionage-Fälle mit Drohnen deutlich gestiegen

Im Bereich der Spionage ist die Anzahl der Fälle von 18 auf 116 deutlich gestiegen und hat sich damit mehr als versechsfacht. Mit rund 90 Prozent bilden dabei Drohnensichtungen den Schwerpunkt. Acht Fälle von Cybercrime wurden erfasst, die ggf. im Kontext hybrider Bedrohungen stehen. Zur aktiven Bekämpfung von Drohnen – also deren Detektion, Verifikation und Abwehr – beschafft die Polizei Niedersachsen aktuell eine Grundausstattung, um erste wesentliche Fähigkeiten in diesen Bereich aufzubauen.

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Grafik: Innenministerium Niedersachsen. Politisch motivierte Kriminalität 2025: Überblick über Fallzahlen und Zuordnung.

Grafik: Innenministerium Niedersachsen. Präsentation zur Politisch motivierte Kriminalität 2025, S. 4: Überblick über Fallzahlen und Zuordnung. Präsentation: PDF-Datei – mehr

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