Fotoprojekt Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Foto: Mathias Mensch.

Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März 2024: Fotoprojekt der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg

Fototermin für Rosalie! Die Siebenjährige gehört zu den rund 15 Menschen mit Down-Syndrom, denen ein Fotoprojekt Gesicht und Stimme gibt. Zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März 2024 stellt die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg das Vorhaben vor. Beim Down-Syndrom ist das Chromosom 21 im menschlichen Erbgut dreifach vorhanden, nicht zweifach wie sonst. So wird der Welt-Down-Syndrom-Tag symbolisch immer am 21.03. begangen.


Mitteilung von: Lebenshilfe Lüneburg-Harburg gemeinnützige GmbH – Am: 14.03.2024
Online: https://www.lhlh.org/ – Foto: Mathias Mensch, https://mathiasmensch.de


Rosalie im Großformat – Fotoprojekt der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg

Lebenshilfe gibt Menschen mit Down-Syndrom Gesicht und Stimme

Foto: Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. In der Mitte vorn: Rosalie auf dem Hocker für das Foto. Dahinter, von links: Tomek Ziolkowski von der Lebenshilfe, Rosalies Mutter Martina, Ehemann Chris Loeppky und Fotograf Mathias Mensch.

Die siebenjährige Rosalie dreht schnell noch eine Runde auf ihrem Kinderrad. Sie ruft den Hund zurück, der schon wieder weglaufen will, lässt sich die Kamera erklären und darf selbst mal auf den Auslöser drücken.

Dann geht es los: Rosalie hat sich extra ein Kleid angezogen, die Mutter hat noch mal beim Naseputzen geholfen. Und Rosalie klettert auf den Hocker, den Fotograf Mathias Mensch samt Leinwand und Blitz vor der Garage von Familie Loeppky in Rohstorf, einem Ortsteil von Vastorf, aufgebaut hat.

Auftakt für ein Ausstellungs- und Buchprojekt

Das Fotoshooting ist Auftakt für ein regionales Ausstellungs- und Buchprojekt. Es soll Menschen mit Down-Syndrom Gesicht und Stimme geben. Träger ist die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, gefördert wird das Vorhaben von der Aktion Mensch.

Geplant sind rund 15 Porträts von Menschen allen Alters, mit leichten und schweren Beeinträchtigungen. Sie werden auf großformatigen Fotos zu sehen sein, parallel entstehen Buch und Internetseite.

Inklusion voranbringen – Barrieren abbauen

Ziel ist, größere Akzeptanz für Menschen mit Down-Syndrom zu erreichen und die Inklusion voranzubringen. „Wir wollen Barrieren in den Köpfen abbauen und mit unseren Projekten begeistern. Wir möchten aber auch über kritische Themen sprechen“, unterstreicht Tomek Ziolkowski, Leiter der Abteilung Projekte bei der Lebenshilfe.

„Rosalie ist ein schönes Beispiel, wie vielfältig Menschen und ihre Geschichten sind.“ Diese Vielfalt sollen die Fotos anschaulich machen.

Rosalies Familie hat beim Fotoprojekt sofort zugesagt. „Menschen mit Down-Syndrom sollten stärker sichtbar sein“, sagt Rosalies Mutter Martina Loeppky (49), eine frühpensionierte Polizistin. „Das wollen wir unterstützen.“

Bluttest wies auf Trisomie 21

Als sie mit Rosalie, ihrem vierten Kind, schwanger war, hatte sie das Gefühl: „Etwas stimmt da nicht.“ Eine Ultraschall-Untersuchung ergab eine Auffälligkeit im Herzen. Ein anschließender Bluttest bei der Mutter wies auf Trisomie 21 beim Kind hin.

Auf weitere Untersuchungen verzichtete Martina Loeppky. Für die damals 41-Jährige war klar: Sie wird das Kind zur Welt bringen – auch wenn es geistig behindert sein sollte. „Aber mit dem Ergebnis des Bluttests konnte ich die älteren Geschwister vorbereiten, dass bei der Jüngsten vielleicht manches anders sein wird“, erzählt die Mutter.

Frühförderung beginnt im Alter von drei Monaten

Im Alter von drei Monaten begann für Rosalie die Frühförderung. Einmal pro Woche kam eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg ins Haus, über sieben Jahre durchgängig dieselbe Person. Mit drei bekam Rosalie einen Platz im Waldorf-Kindergarten in Lüneburg. Und seit vergangenem Sommer besucht sie die Hofschule Wendisch Evern, den Förderschulzweig der Lüneburger Rudolf-Steiner-Schule.

Entwicklung verzögert

„Verglichen mit Gleichaltrigen ist Rosalies Entwicklung verzögert“, sagt die Mutter. „Aber für ein Kind mit Down-Syndrom ist sie relativ fit.“ Eine selbstbewusste und unabhängige Person, die – wie jedes Kind – einen eigenen Kopf und ihre Vorlieben hat.

Rosalie liebt Spaghetti-Pizza und schneidet derzeit besonders gern mit Scheren. Sogar den geliebten Pyjama, den sie von der Großmutter in Kanada bekommen hat, nahm sie sich vor, erzählt Martina Loeppky seufzend und lachend zugleich. „Den kann sie jetzt jedenfalls nicht mehr tragen.“

Fotograf Mathias Mensch: Verzicht auf Honorar

Für die Porträtserie verzichtet Fotograf Mathias Mensch auf Honorar. Die Förderung von 10.000 Euro deckt allein die Sachkosten für Ausstellung, Buch und Internetseite ab.

„Es geht mir nicht um das eine schöne Foto“, sagt der 42-Jährige, der als Art Director in der Lüneburger Werbeagentur borowiakziehe arbeitet. „Ich möchte Menschen mit Down-Syndrom Aufmerksamkeit verschaffen und einen Einblick ermöglichen, der nachhaltig wirkt.“ Wie schon bei früheren Projekten: So porträtierte Mensch die Konventualinnen im Kloster Lüne. Und mit der Volkshochschule in Lüneburg entstand die Fotoserie „Alfabet“ über Menschen mit Lese- und Schreibschwäche.

Ausstellung der Porträts in Lüneburg

Rosalie klettert unterdessen vom Hocker herunter. So viele Aufnahmen hat der Fotograf gemacht! Noch mal den Kopf drehen, noch mal anders hinsetzen, noch mal direkt in die Kamera schauen – da kann man schon ein bisschen müde werden. Aber die Siebenjährige ist auch mächtig stolz. Noch in diesem Jahr wird ihr großformatiges Schwarzweiß-Porträt in der Ausstellung in Lüneburg zu sehen sein.

Information: Down-Syndrom

Mehrere 10.000 Menschen in Deutschland leben mit dem Down-Syndrom, einer genetisch bedingten Entwicklungsstörung. Benannt ist sie nach dem britischen Arzt John Langdon Down, der das Phänomen vor mehr als 150 Jahren erstmals beschrieb.

Der Fachbegriff lautet Trisomie 21. Denn beim Down-Syndrom ist das Chromosom 21 im menschlichen Erbgut dreifach vorhanden, nicht zweifach wie sonst. Darauf nimmt das Datum des Welt-Down-Syndrom-Tags symbolisch Bezug: Er findet immer am 21.03. statt.

Lebenshilfe Lüneburg-Harburg bietet Beratung und Frühförderung

Menschen mit Down-Syndrom brauchen unterschiedlich viel Unterstützung. Manche kommen als Erwachsene weitgehend selbstständig zurecht, andere haben schwere Beeinträchtigungen. Die Lebenserwartung ist über die Jahrzehnte erheblich gestiegen. Menschen mit Down-Syndrom können durchaus 60 Jahre und älter werden.

Beratung und Unterstützung erhalten Eltern etwa bei der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Der Erstkontakt läuft in der Regel zu Hause über die Mobile Frühförderung. Sie unterstützt bei der Beantragung von Leistungen und weiterführenden Hilfen und vermittelt den Kontakt zu Eltern-Kind-Gruppen. Außerdem gibt es die integrativen und heilpädagogischen Kitas der Lebenshilfe sowie die Mobilen Assistenzdienste, die Familien begleiten und zum Beispiel für Schulassistenz sorgen.

60 Jahre Lebenshilfe Lüneburg-Harburg

Logo der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg1964 gründeten Eltern, Betreuer und Freundinnen für Menschen mit geistiger Behinderung die Lebenshilfe als Kreisvereinigung Lüneburg Stadt und Land e.V. Drei Jahre später entstand die Lebenshilfe Landkreis Harburg e.V. Ihr Ziel: Die Integration von Menschen mit geistiger Behinderung in unsere Gesellschaft. Und die Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Menschen und ihrer Angehörigen.

1974 bzw. 1982 wurden die Vereine Gesellschafter der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg gemeinnützige GmbH. Damit wurden alle bis dato aufgebauten Dienste und Einrichtungen an die Gesellschaft übergeben.

Lebenshilfe Lüneburg-Harburg: Fotoprojekt. Fotograf Mathias Mensch mit der neugierigen Rosalie.

Lebenshilfe Lüneburg-Harburg: Fotoprojekt. Fotograf Mathias Mensch (MathiasMensch.de) mit der neugierigen Rosalie.

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