Tankstelle. Foto: Alexander Fox | PlaNet Fox, Pixabay.

Leuphana Universität: Faire CO2-Steuer auf Treibstoffe – ja, das geht!

Die CO2-Steuer auf Diesel und Benzin könnte man so gestalten, dass einkommensschwache Haushalte nicht überproportional benachteiligt sind. Das erforschte ein Wissenschaftler-Team um Leuphana-Professor Dr. Mario Mechtel. – Außerdem: Glückwunsch für die Leuphana Universität: Ein britisches Wissenschaftsmagazin nahm sie unter die 400 weltweit besten Universitäten auf.


Mitteilung von: Leuphana Universität Lüneburg
Am: 13.10.2022 / 12.10.2022
Online: https://www.leuphana.de/


Leuphana-Studie: CO2-Besteuerung nach Kraftstoffmenge benachteiligt niedrige Einkommen

Die 2021 von der Bundesregierung auf den Verkehrssektor ausgedehnte CO2-Bepreisung will den Ausstoß dieses klimaschädlichen Gases senken. Wohlhabendere verkraften eine finanzielle Mehrbelastung. Einkommensschwache Haushalte kann sie dagegen hart treffen.

VWL-Professor Dr. Mario Mechtel von der Leuphana Universität Lüneburg untersuchte nun mit Kollegen vom Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik für drei Reformszenarien, welche Einkommensgruppen davon besonders betroffen wären.

Dabei zeigte sich: Eine Besteuerung nach der Kraftstoffmenge benachteiligt Haushalte mit niedrigem Einkommen. Bei ihnen sind benzingetriebene Fahrzeuge mit entsprechend höherem Verbrauch weiter verbreitet.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Treibhausgasemissionen im Straßenverkehr so zu besteuern, dass es zu keiner unverhältnismäßigen Belastung für Haushalte mit niedrigem Einkommen kommt.

Effekte von drei Besteuerungsmodellen auf niedrige, mittlere und hohe Einkommen

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie ein neues, sogenanntes Mikrosimulationsmodell entwickelt. Damit lassen sich verschiedene Haushaltstypen unterscheiden und die Effekte der Besteuerung auf niedrige, mittlere und hohe Einkommen ermitteln.

Mit Hilfe dieses Modells haben sie die aktuelle Besteuerung mit drei politischen Reformszenarien verglichen. Sie wollten Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die weitere Erhöhung des CO2-Preises insbesondere für die Bezieher niedrigerer Einkommen auswirkt.

Aktuelle Energiesteuer gebunden an den Kraftstoffverbrauch führt zu größerer Belastung für niedrigere Einkommen

Die aktuelle Energiesteuer – nach Litern berechnet – bemisst sich für Autofahrer am Kraftstoffverbrauch. Wie die Studie zeigt, belastet dieses Modell untere Einkommensgruppen leicht überproportional.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass sie die höhere Besteuerung von Benzin stärker trifft, denn benzingetriebene Fahrzeuge sind in dieser Gruppe weiter verbreitet.

Die geringere Besteuerung von Diesel wirkt sich hingegen vor allem für höhere Einkommensgruppen positiv aus. Dort sind dieselbetriebene Fahrzeuge besonders häufig.

Alternativvorschlag: Berechnung nach ausgestoßenem CO2 – Entlastung für niedrigere Einkommen

Bei gleichbleibendem Steueraufkommen gibt es ein alternatives Szenario für eine Energiesteuerreform. Die Steuer wird hier nicht mehr pro Liter Kraftstoff berechnet, sondern orientiert sich an der Menge des ausgestoßenen CO2 – unabhängig davon, ob es durch die Verbrennung von Benzin oder Diesel entsteht.

Dieselkraftstoff setzt bei der Verbrennung eine größere Menge klimaschädliches Gas frei. Dieser Ansatz würde daher dazu führen, dass die bisherige Besserstellung des Dieselkraftstoffs entfiele und die Belastung sich besser verteilte. Die Haushalte mit den unteren 60 Prozent der Einkommen würden im Durchschnitt durch diese Reform sogar entlastet.

Sozial gerechtere Besteuerung anstreben

„Wir müssen bei der Reduzierung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase dringend vorankommen. Dafür bietet der Verkehrssektor einen wichtigen Hebel.

Uns hat interessiert, inwieweit eine stärkere Belastung sozial gerecht erfolgen kann. Unsere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass auch eine recht starke Erhöhung des CO2-Preises nicht zu einer überproportionalen Belastung der Bezieher niedrigerer Einkommen führen müsste“, fasst Prof. Mechtel das Ergebnis der Studie zusammen.

Er weist allerdings darauf hin, dass die Ergebnisse auf Durchschnittswerten basieren, in Einzelfällen also auch durchaus namhafte Mehrbelastungen auftreten könnten. Eine Entlastung der betroffenen Haushalte müsste dann auf anderem Wege erfolgen.

Aktuelle Forschung zu zunehmender Elektromobilität

Gegenwärtig arbeitet das Forscherteam an Nachfolgestudien, die sich beispielsweise mit Fragen einer zunehmenden Elektromobilität beschäftigen. Sie wollen herausfinden, welche Haushalte mit höherer Wahrscheinlichkeit elektrisch angetriebene Fahrzeuge kaufen und welche Verteilungswirkungen sich daraus ergeben, dass der Individualverkehr vermehrt auf nicht-fossile Antriebe umgestellt werden soll.

Hintergrund: Datengrundlage

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler:innen einen für Deutschland einzigartigen Datensatz verwendet. Er umfasst nicht nur die Daten von über 150.000 Haushalten mit mehr als 216.000 Autos, sondern berücksichtigt auch fahrzeugspezifische Informationen über die Kraftstoffeffizienz, die jährliche Fahrleistung und die Unterscheidung zwischen verschiedenen Kraftstoffarten.

Die Studie ist erschienen im Journal Energy Economics, Vol. 114 (2022)
https://doi.org/10.1016/j.eneco.2022.106290

Großer Ranking-Erfolg: Leuphana erstmals unter den 400 weltweit besten Universitäten

Das britische Wissenschaftsmagazin „Times Higher Education“ (THE) hat jetzt sein World University Ranking 2023 veröffentlicht. Es zählt zu den bedeutendsten internationalen Universitätsvergleichen.

Die Leuphana Universität Lüneburg ist in der aktuellen Ausgabe erstmals vertreten und gehört mit Rang 351 von 400 auf Anhieb zu den 400 weltweit besten Universitäten. In Deutschland liegt sie unter den besten bewerteten Hochschulen auf Rang 35.

Ranking nach 13 Leistungsindikatoren

Das World University Ranking berücksichtigt insgesamt 13 Leistungsindikatoren, die es in fünf Bereiche unterteilt: Lehre, Forschung, Zitationen, internationale Ausrichtung sowie Drittmittel aus der Wirtschaft.

So werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit nach der Reputation der Universitäten in Forschung und Lehre bewertet. Darüber hinaus werden Daten wie die Zahl der Publikationen je Forschende, die Zitationen pro Publikation, das Betreuungsverhältnis von Lehrenden und Studierenden, die eingeworbenen Drittmittel aus der Wirtschaft und der Grad der Internationalisierung ausgewertet. Die Indikatoren werden je nach Fächerkultur unterschiedlich gewichtet.

Enorme Datenbasis für die Auswertung

Datenbasis für die Auswertung waren mehr als 120 Millionen Zitationen aus über 15,5 Millionen Forschungspublikationen, Befragungen von rund 40.000 Wissenschaftler*innen aus aller Welt und statistische Erhebungen, die von den Hochschulen bereitgestellt wurden. Für das Ranking wurden 1.799 forschungsintensive Universitäten aus 104 Ländern verglichen.

Die aktuelle internationale Rankingliste wird, wie in den Vorjahren, angeführt von der University of Oxford in Großbritannien. Beste deutsche Universität ist im internationalen Vergleich die Technische Universität München (Platz 30).


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