Foto: Parents for Future. Vor der Ratssitzung am 18. Mai 2026: Die Initiative Parents for Future zeigt noch einmal mit ihrem Transparent, wie wichtig ihnen der Marienplatz ist.

Marienplatz: Rat lehnt Umgestaltung ab – Parents for Future: „Versprochen – gebrochen“

Seit 2021 beschäftigt sich Lüneburg mit dem Vorhaben, den Marienplatz umzugestalten. Verschiedene Entwürfe dazu liegen vor. Nun mahnte die NBank, die die Fördermittel bereitstellen wollte, eine Entscheidung an. In der Ratssitzung am 21. Mai 2026 wurde abgestimmt.


Mitteilung von: Parents for Future Lüneburg – Am: 27.05.2026
Online:https://wechange.de/project/parents-for-future-lueneburg/ – Foto: Parents for Future Lüneburg.


Parents for Future: Umgestaltung des Marienplatzes im Rat abgelehnt – „Versprochen – gebrochen“

Foto: Parents for Future Lüneburg. „Marienplatz – eine Oase für Menschen“ – mit diesem Transparent warben die Mitglieder von Parents for Future vor der Sitzung in der Ritterakademie am 21. Mai 2026 für das Vorhaben. 

In der Ratssitzung am 21. Mai 2026 stand erneut die Umgestaltung des Marienplatzes auf der Tagesordnung. Das Vorhaben wurde schon unter der SPD-geführten Stadtverwaltung begonnen. Die Öffentlichkeit war wiederholt beteiligt worden. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V. (ALA), das Forum Baukultur Lüneburg e.V. und die Steuerungsgruppe des Förderprogramms „Resiliente Innenstadt“ hatten die Umgestaltung befürwortet. 2024 gab es eine Zusage für Fördermittel in Höhe von 360.000 Euro. Nun wollte der Fördermittelgeber, die NBank, eine Entscheidung. Und die sollte jetzt im Rat gefällt werden. 

„Wir werden freiwerdende Verkehrsflächen entsiegeln und begrünen, zum Beispiel am Marienplatz“, hatte die SPD in ihrem Stadtwahlprogramm von 2021 versprochen. Und: „Für die SPD gilt daher: Alle Entscheidungen in der Hansestadt müssen unter Einbeziehung des Umwelt- und Klimaschutzes getroffen werden.“ Hat die SPD ihre Wahlversprechen eingehalten?

FDP, CDU und SPD entscheiden gemeinsam gegen die grüne Oberbürgermeisterin

Um es kurz zu machen: Leider nein. Was sich schon wiederholt im Rat hatte beobachten lassen: FDP, CDU und SPD – eigentlich Konkurrenten – stimmten gemeinsam gegen das Vorhaben. Angeführt wurde eine Vielzahl von Gründen, darunter auch die Ausgabe von Eigenmitteln in Höhe von rund 250.000 Euro für die Gesamtmaßnahme im Wert von 600.000 Euro. 

Den eigentlichen Grund verriet aber wohl Herr Kohlstedt (SPD) in seinem Redebeitrag: „Wer braucht eigentlich dies Projekt? Die Oberbürgermeisterin. Sie möchte am Ende ihrer Amtszeit nun nicht auch hier mit leeren Händen dastehen […] Machen wir hier nicht noch ein Wahlkampfgeschenk.“ Schon in der Vergangenheit wurden Vorhaben der grünen Oberbürgermeisterin von SPD, CDU und FDP gemeinsam abgeblockt, zum Beispiel die sichere Führung des Radverkehrs auf der Ilmenaustraße und Maßnahmen des nachhaltigen Mobilitätsplans NUMP. 

Viele Beteiligte brüskiert – Rückschlag für Klimaanpassung

Brüskiert wurden mit dieser Entscheidung nicht nur die Bürger*innen, die sich beteiligt hatten, der Verein ALA und das Forum Baukultur. Die Entscheidung bedeutet auch einen Rückschlag bei Klimaschutz und Klimaanpassung in der Innenstadt. „Vor allem muss sich die Stadt für den Klimawandel, Hitze und Starkregen wappnen“, hatte die scheidende Stadtbaurätin Heike Gundermann kürzlich in einem Interview erklärt auf die Frage, worauf sich Lüneburg in Zukunft einstellen müsse (Landeszeitung vom 21.05.2026).

Vorhaben hätte Verkehrsberuhigung und Begrünung gebracht

Einer der einfachsten Hebel für Klimaschutz im Verkehr ist die Eindämmung von Parksuchverkehr. Zur Anpassung an die zunehmenden Hitzetage sind Entsiegelung und Begrünung besonders in der Innenstadt zwingend geboten. Für beides wäre die Umgestaltung des Marienplatzes ein erster wichtiger Schritt gewesen. Zumal die Parkhäuser Neue Sülze und Am Graalwall nur wenige Schritte vom Marienplatz entfernt sind. Letzteres bietet rund 500 Parkplätze und ist nur zu 50 Prozent ausgelastet.

Parents for Future: Wahltaktisches Agieren – statt das Beste der Stadt zu suchen

Enttäuschung und Unverständnis herrscht nach der Entscheidung auch bei Parents for Future Lüneburg. Die Initiative hatte sich für die Umgestaltung engagiert und mit bunten Aktionstagen gezeigt, wie hier eine Oase, ein attraktiver, grüner Aufenthaltsort für Kinder und Erwachsene, für Einheimische und Gäste von außerhalb entstehen kann. 

In der Entscheidung der SPD sieht die Initiative parteitaktisches Agieren. „Das Wohl und die Interessen der Lüneburger Stadtgesellschaft, speziell der jungen Generation sind aus dem Blick geraten“, sagt Joachim Foss von Parents for Future. Seine Mitstreiterin Angelika Becher resümiert: „Auch Klimaschutz und Klimaanpassung haben offensichtlich keine Priorität bei der SPD – und ebenso wenig die Attraktivität der Stadt zugunsten von Tourismus und Wirtschaft.“ Was sind die Versprechungen der Partei überhaupt wert, fragt sich die Initiative. „Versprochen – gebrochen“, so der Kommentar von Angelika Becher.

Mehr Information und Kontakt

  • Parents for Future Lüneburg – https://wechange.de/project/parents-for-future-lueneburg/ 
  • SPD Ortsverein Lüneburg: Stadtwahlprogramm Lüneburg 2021-2026
    Unter dem Motto „Gemeinsam. Zukunft. Gestalten.“ versprach der SPD Ortsverein vor der Wahl 2021 die Entsiegelung und Begrünung von Plätzen wie Marienplatz und Reichenbachplatz, die schrittweise Verbannung des nichtgewerblichen Kfz-Verkehrs aus der Innenstadt und die Stärkung von Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr. Bei der Verkehrsplanung werde man dem Grundsatz „vom Schwächsten her denken“ folgen, um barrierefreie Mobilität und sichere Verkehrswege zu schaffen.

Exkurs: Chronologie der Planung

· Ab 2015: Mit dem Projekt „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ will die damals SPD-geführte Stadtverwaltung Maßnahmen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Lüneburg erarbeiten. Das Projekt wird mit über 1,5 Millionen Euro gefördert.

· 2021/2022: Im Teilprojekt „Lieblingsplätze“ können im Rahmen einer Bürgerbeteiligung Vorschläge für die Umgestaltung des Marienplatzes eingereicht werden.

· 2022: Eine Fachjury wählt aus 30 eingegangenen Vorschlägen die Besten aus. Im Sommer werden die Ideen der ausgewählten Vorschläge temporär auf dem Marienplatz umgesetzt.

· 2024: Die Stadtverwaltung präsentiert die vom Planungsbüro erarbeiteten Entwürfe zur Umgestaltung des Marienplatzes der Öffentlichkeit. Weit über 200 Interessierte besuchen eine öffentliche Info-Veranstaltung und stimmen mehrheitlich für die Umgestaltung, nur zehn Bürger*innen votierten für die Beibehaltung der Parkplätze.

· 2024: SPD, CDU und FDP blockieren im Rat die Entscheidung für einen der Umgestaltungs-Entwürfe.

· 2025: Eine interfraktionelle Arbeitsgruppe wird eingerichtet, es gibt jedoch keine Mehrheit für einen der Umgestaltungs-Entwürfe.

· 2025: Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V. (ALA) spricht sich in einer Stellungnahme für die Umgestaltung aus und favorisiert den Entwurf „Auszeit“.

· 2025: Das Forum Baukultur Lüneburg e.V. befürwortet in einer Stellungnahme die Umgestaltung des Marienplatzes.

· 2026: Die Frist, bis zu der eine verbindliche Erklärung zur Umgestaltung des Marienplatzes vorliegen muss, endet am 21. Mai 2026. Danach stehen die Fördermittel von 360.000 € nicht mehr bereit.

· 2026: SPD, CDU und FDP lehnen in der Ratssitzung am 21.05.2026 die Umgestaltung des Marienplatzes ab.

Mehr bei Lüne-Blog

  • Wie der Marienplatz künftig aussehen könnte: Chance zur Beteiligung rege genutzt – 28.10.2024
    Wie soll es weitergehen mit dem Marienplatz? 233 Lüneburger*innen nutzten die Chance und gaben ihre Meinung ab. Sie konnten für einen von vier Umgestaltungsvorschlägen stimmen oder für den Erhalt des Ist-Zustands. Die weitaus meisten wünschten sich eine Veränderung und wollten auf die Parkplätze verzichten. Hier die Ergebnisse im Detail.

Ratssitzung am 21. Mai 2026 – Aus der Debatte zum Marienplatz

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Foto: Parents for Future. Vor der Ratssitzung am 18. Mai 2026: Auf der Straße vor der Ritterakademie lag dieser Zahlenstrahl aus. Er dokumentiert eindrucksvoll die Temperaturentwicklung - in der Vergangenheit und in eine mögliche Zukunft.

Foto: Parents for Future. Vor der Ratssitzung am 21. Mai 2026: Auf der Straße vor der Ritterakademie lag dieser Klimazeitstrahl von Teachers for Future aus. Er dokumentiert eindrucksvoll die Temperaturentwicklung – in der Vergangenheit und in einer wahrscheinlichen Zukunft. Nichthandeln ist keine Option mehr.

Lünepedia: Marienplatz

Der Marienplatz befindet sich westlich hinter dem Rathaus Lüneburg. Die Fläche dient derzeit größtenteils als kostenpflichtiger Parkplatz und ist von einer Hecke und großen Bäumen umgeben. Zu den rund 30 Kurzzeitparkplätzen für Pkw gehören sechs Stellplätze für Menschen mit Behinderungen, zwei Ladeplätze für Elektroautos und seit September 2020 acht Stellplätze für Lastenfahrräder.

Weiterlesen: https://www.luenepedia.de/wiki/Marienplatz

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