VCD Elbe-Heide: Iran-Krieg zeigt unsere Abhängigkeit vom Erdöl – Zeit für den Wandel
Deutschland braucht jedes Jahr an die 100 Millionen Tonnen Erdöl, verfügt aber selbst nur über einen Bruchteil des Rohstoffs. Die Fokussierung auf Individualverkehr und Verbrenner hat uns direkt in die Abhängigkeit geführt, das ist jetzt bitter zu spüren. Strategischer Ausweg, so der VCD Elbe-Heide, kann hier nur eine Energie- und Verkehrswende sein.
Mitteilung von: VCD Elbe-Heide – Am: 07.07.2026
Online: https://niedersachsen.vcd.org/ – Foto: Bru-no, Pixabay.
Der Krieg im Iran zeigt Europas Erdölabhängigkeit – Zeit für den Wandel!
Foto: Pixabay. Bohrinsel in der Nordsee. Ganz Europa verfügt nur über etwa 1 Prozent der weltweiten Vorkommen an fossilen Brennstoffen. Deutschland ist damit auf permanente Zufuhr von fossilen Brennstoffen angewiesen.
Am 28. Februar 2026 begann der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran. Unzählige Menschen leiden direkt unter diesem Krieg. Auch mittelbar wirkt er sich stark auf das Leben vieler Menschen weltweit aus – insbesondere auf diejenigen mit geringem Einkommen.
Steigende Treibstoff-Preise als Folge des Iran-Kriegs treffen besonders Pendler auf dem Land
In der Krise werden die Folgen der weltweiten Erdölabhängigkeit deutlich – und die Autoabhängigkeit vieler Menschen. Denn von den steigenden Erdölpreisen sind unter anderem Berufstätige stark betroffen, besonders auf dem Land. Für sie gibt es oft keine Alternative zum eigenen Auto, meist noch ein Verbrenner. Die Folgen der aktuellen Ölkrise enden jedoch nicht an der Tankstelle. Die steigenden Transportkosten werden an die Kunden weitergegeben. Dadurch verteuern sich auch die Güter des täglichen Bedarfs.
Fokussierung auf Individualverkehr und Verbrennungsmotor führt direkt in die Abhängigkeit
Die Verkehrspolitik hat sich jahrelang auf den Individualverkehr, Pkw und Lkw mit Verbrennungsmotoren fokussiert. Deutschland ist damit auf die permanente Zufuhr von fossilen Brennstoffen angewiesen. Dabei verfügt Europa lediglich über etwa 1 Prozent der weltweiten Vorkommen an fossilen Brennstoffen.
Deutschland braucht jährlich etwa 90 bis 100 Millionen Tonnen Erdöl. Nach Schätzungen des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie waren in Deutschland zum Jahresende 2021 17 bis 23 Millionen Tonnen Erdöl vorhanden und förderbar. Das förderbare Erdöl in Deutschland reicht also gerade mal für wenige Monate. Deutschland hat sich damit über Jahrzehnte in eine Abhängigkeit von den erdölexportierenden Ländern begeben.
Keine Lehre gezogen aus der Ölkrise 1973
Als Folge der Ölkrise 1973 kam es in Deutschland zu den berühmten autofreien Sonntagen der 70er Jahre, an denen man auf der Autobahn spazieren gehen konnte. Außerdem wurde eine Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen eingeführt.
Schon damals und erst recht nach der zweiten Ölkrise hätte man in Deutschland und Europa die Weichen in Richtung nachhaltiger Mobilität stellen sollen. Passiert ist bekanntermaßen genau das Gegenteil. Statt die Bahn auszubauen, wurde sie zurückgebaut. Statt die E-Mobilität zu fördern, wurde weiter auf den Verbrennungsmotor gesetzt, bis die Entwicklung in China auch hier in Deutschland die Autoindustrie in Richtung des E-Autos zwang.
Eine Energie- und Verkehrswende als strategischer Ausweg
Was können wir also tun, um aus dieser schwierigen strategischen Lage herauszukommen? Die Lösung ist, kurz gesagt, eine Energie- und Verkehrswende. „Den seit Jahren bekannten Lippenbekenntnissen zur Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene müssen endlich Taten folgen. Die Bahn muss umfassend saniert und ausgebaut werden, stillgelegte Bahntrassen müssen reaktiviert, neue Bahnstrecken gebaut werden. Hierfür müssen im Haushalt entsprechende Mittel bereitgestellt und die Finanzierungssicherheit für den notwendigen Zeitraum gewährleistet werden. Die Bahn darf nicht mehr als Nische betrachtet werden, sondern muss zum Rückgrat unseres Verkehrsnetzes ausgebaut werden“, sagt Tobias Lütke vom VCD Elbe-Heide.
Verkehr vermeiden – Angebote lokal zur Verfügung stellen
Ebenso muss das Thema Verkehrsvermeidung endlich angegangen werden. Wenn Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Haus- oder Fachärzte nur noch in zentralen Städten verfügbar sind, erzeugen wir zwangsläufig sternförmigen Verkehr auf diese Zentren hin. Daher müssen diese Einrichtungen, soweit möglich, in den kleineren Ortschaften weiterhin zur Verfügung stehen.
Öffentlichen Verkehr fördern
Das Neun-Euro-Ticket kostete 2022 genauso viel wie zwei Monate Tankrabatt 2026 – und bewirkte nicht die Subventionierung von Ölkonzernen. „Der Fokus im europäischen Energiesystem auf fossile Energieträger trägt zur Abhängigkeit von erdölexportierenden Staaten bei und befeuert regionale und internationale Konflikte. Eine Welt ohne fossile Energieträger ist nicht nur ökologisch nachhaltiger, sondern letztlich auch friedlicher und sozialer“, erklärt Jonas Korn vom VCD Elbe-Heide.
VCD Elbe-Heide: Zentrale Forderungen
- Wiedereinführung und Preisstabilität des 49 €-Tickets, mittelfristig Umsetzung von kostenlosem ÖPNV nach dem Vorbild Luxemburgs
- Einführung eines verbilligten Deutschlandtickets für Geringverdienende und Rentner*innen
- Reaktivierung vieler nicht mehr betriebener Bahnverbindungen und strategischer Ausbau der Bahn zur Umsetzung des Deutschlandtakts
- Förderung von Fuß- und Radverkehr und Einrichtung einer netzförmigen Fahrradinfrastruktur
- Umsetzung der Mobilitätsgarantie: Niemand soll mehr auf einen eigenen Pkw zur Mobilität angewiesen sein. Stattdessen: Ausbau des ÖPNV-Angebots und zeitlichen und räumlichen Lückenschluss durch ergänzende Angebote wie hvv hop (Mobilitätsangebote On-Demand)
- Ende der Subventionierung des Luftverkehrs und weiterer klimaschädlicher Subventionen und substanzielle Verbesserungen für den internationalen Bahnverkehr.
Mehr Information und Kontakt
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) setzt sich ein für eine ökologische und sozialverträgliche Verkehrswende in den Landkreisen Lüneburg, Harburg und Uelzen. Um dieses Ziel zu erreichen, steht er im Dialog mit Bürger*innen, Gruppen, Initiativen und Politik. Daneben bietet der VCD die üblichen Serviceleistungen eines Verkehrsclubs, beispielsweise Schutzbriefe, Versicherungen und Beratung.

Foto: VCD Elbe-Heide. Der Vorstand im April 2026, von links: Jonas Korn (stellvertretender Vorsitzender), Astrid Völzke (Vorsitzende), Theresa Korn (Schatzmeisterin), Florian Farnung (Beisitzer).
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