Neubau. Foto: Thomas Wolter, Pixabay.

Rückblick: Veranstaltung Nachhaltig Bauen – Cradle to Cradle – in Lüneburg am 17. Mai 2022

Die Kreislaufnutzung bei Stoffen und Materialien beim Bau ist vielversprechend und soll im Rahmen der Cradle to Cradle-Modellregion Nordost-Niedersachsen gefördert werden. Bei einer Veranstaltung der Grünen Lüneburg und der C2C-Regionalgruppe am 17. Mai 2022 wurde das Projekt vorgestellt, wobei auch Hürden zur Sprache kamen.


Mitteilung von: Bündnis90 / Die GRÜNEN, Kreisverband Lüneburg
Am: 29.05.2022
Foto: Bündnis90 / Die GRÜNEN, Kreisverband Lüneburg


Nicht geheim, doch kaum bekannt: Landkreis Lüneburg ist Cradle to Cradle-Modellregion

“Die Cradle to Cradle-Modellregion Nordostniedersachsen ist noch nicht in der politischen Debatte angekommen. Sie können es ändern, indem Sie das Thema bei Ihren Kreis- und Stadtratsabgeordneten aktiv einfordern und so den Druck erhöhen!“, bat der grüne Kreistagsabgeordnete Wolf v. Nordheim die Teilnehmenden bei der zweiten Veranstaltung zur Kreislaufwirtschaft am 17. Mai 2022.

Kreislaufnutzung bei Stoffen und Materialien beim Bau vielversprechend

Cradle to Cradle (C2C) – ein Konzept, das auf die Kreislauffähigkeit von Stoffen und Materialien abzielt, – scheint insbesondere für den ressourcenintensiven Bausektor eine vielversprechende Alternative zum aktuellen Modell zu sein. Statt Ressourcen nach Ablauf ihrer Lebenszeit zu entsorgen, werden diese in verschiedenen Kreisläufen gehalten und somit wiederverwertbar gemacht.

Veranstaltungsreihe von Grünen Lüneburg und Cradle to Cradle-Regionalgruppe

Eben aus diesen Gründen haben die Grünen Lüneburg in Kooperation mit der Cradle to Cradle-Regionalgruppe schon letztes Jahr eine Veranstaltungsreihe initiiert, die sich „Nachhaltig Bauen“ nennt und solche Konzepte langfristig in den Mittepunkt rücken möchte.

Im Rahmen von drei Veranstaltungen wurde das Konzept nun in seine theoretischen Einzelteile zerlegt und auf seine praktische Anwendbarkeit hin überprüft. Die letzte dieser Veranstaltungen fand am 17. Mai 2022 im Wasserturm Lüneburg statt.

Großes Interesse am Thema – besonders durch Online-Teilnahme

Vor insgesamt 50 Menschen vor Ort und rund 130 Teilnehmenden per Livestream diskutierten am Abend Milan Pribnow (Handwerk), Stephan Cohrs (Hansestadt Lüneburg), Kamila Szwejk (Wissenschaft) und Wolf von Nordheim (Politik).

Im Mittelpunkt stand erneut die Frage nach der praktischen Anwendbarkeit und die Umsetzung des C2C-Konzeptes in der Baupraxis. Beispiele aus der Praxis halfen, Diskussionen rund um Zertifizierungen, zu erfüllende Anforderungen und Regularien für das Publikum greifbarer zu machen.

Hürden in der Praxis: Materialien nicht zertifiziert, Sicherung von Brand- oder Schallschutz

Einblicke in die Praxis gewährte beispielsweise der technische Leiter der Hochbauabteilung der Hansestadt Lüneburg, Stephan Cohrs. Er betreut gegenwärtig den Ausbau eines Bildungsgebäudes in Anlehnung an die C2C-Prinzipien in Kaltenmoor.

Neben dem fehlenden Angebot von C2C-zertifizierten Materialien gebe es auch Probleme bei der Verwendung. So stehen Anforderungen an Brand- oder Schallschutz oftmals dem Einsatz kreislauffähiger Materialien wie Holz entgegen.

Modulare Bauweise kann Weiterverwendung sichern

Ein weiteres Problem sieht der Architekt und Zimmermeister Milan Pribnow in der derzeitigen Bauweise von Gebäuden. Materialien und Baustoffe werden mitunter so verbaut, dass diese nach Nutzungsende nicht mehr voneinander trennbar und damit nicht mehr verwendbar sind.

Demgegenüber steht die modulare Bauweise. Diese verspricht eine schnelle und einfache Montage von Materialien und Bauteilen, da diese in vorgefertigten Modulen geliefert werden. Mit seinem Unternehmen Milan Pribnow „Zimmerei“ bietet er heute schon den Modulbau an.

“Handwerker-Akademie” zur besseren Information geplant

Damit solche Konstruktionen bekannter werden und Planer*innen, Architekt*innen sowie Handwerk*innen zukünftig mit kreislauffähigen Materialien besser umzugehen wissen, plant das Wissenschaftsteam um Prof. Dr. Braungart eine C2C-Fortbildung bzw. Handwerker-Akademie.

„Die Vernetzung wird dabei auch eine Rolle spielen“, so Kamila Szwejk, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leuphana Universität Lüneburg im Team von Braungart mitarbeitet.

Cradle to Cradle-Modellregion in Nordost-Niedersachsen

Das Projekt „Neue Strategien und Strukturen für eine Cradle to Cradle-Modellregion in Nordost-Niedersachsen“ startete Ende 2021 und ist ein gemeinsames Projekt der Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg für „Aktive Regionalentwicklung“.

Kooperationspartner sind – neben den Landkreisen – die Leuphana Universität Lüneburg, die Technische Universität Hamburg sowie die Wachstumsinitiative Süderelbe AG. Die Fördermittel stammen aus verschiedenen Förderprogrammen des Bundes (Landkreis Lüneburg: “Cradle to Cradle-Modellregion” – mehr).

Ziel ist die Erarbeitung einer regionalen Innovations-, Transfer- und Nachhaltigkeitsstrategie und eines Masterplan für eine Cradle to Cradle-Modellregion, ausgerichtet auf das Jahr 2035 und in Teilen bereits während der Projektlaufzeit umgesetzt.

“C2C Innovation Lab” als Leuchtturmprojekt

Leuchtturmprojekt des Modellvorhabens ist die Einrichtung eines Cradle to Cradle-Labs. Hier sollen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Akteure vernetzt und C2C-Innovationen für die Region entwickelt werden, so Paul Musenbrock. Er begleitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Leuphana Universität Lüneburg das Modellprojekt und stellte einführend C2C und die Modellregion vor.

Wenngleich die Ziele feststehen, so sei die Modellregion noch nicht in der politischen Debatte angekommen, stellt Grünenpolitiker Wolf v. Nordheim fest. „Das Thema benötigt mehr Aufmerksamkeit. Mit unserer heutigen Veranstaltung haben wir einen wichtigen ersten Schritt in diese Richtung getan“, so v. Nordheim.

Lebhafte Diskussion bestätigt fehlende Bekanntheit und Regularien

Neben den Podiumsteilnehmenden konnte sich auch das Publikum mit Fragen an der Diskussion beteiligen. Die unterschiedlichen Perspektiven führten zu lebhaften und vielfältigen Diskussionen.

Hanfbauer Michael Bieder aus Brietlingen, der eigene Fachexpertise und Erfahrungen einbrachte, erklärte: Sein Produkt würde als Thermohanf die C2C-Prinzipien erfüllen. Doch sei diese ökologische Baualternative noch nicht bekannt genug. Auch fehlten noch unterstützende Regulierungen oder Normen. Dies würde den Einsatz von C2C-Materialien hemmen, so Bieder.

C2C-Veranstaltungsreihe soll fortgeführt werden

Das C2C-Planungsteam, bestehend aus Mitglieder der Grünen Lüneburg sowie der C2C-Regionalgruppe, bedankt sich für diesen sehr erfolgreichen Abend. Es ist geplant, die Veranstaltungsreihe „Nachhaltig Bauen“ weiterzuführen. Auch soll der Kontakt zu der C2C-Modellregion ausgebaut werden.

C2C - Nachhaltig bauen. Veranstaltung am 17.05.2022 in Lüneburg. Foto: Bündnis 90/Die Grünen KV Lüneburg.

C2C – Nachhaltig bauen. Veranstaltung am 17.05.2022 in Lüneburg. Foto: Die Grünen, Kreisverband Lüneburg.

Ein erfolgreicher Abend: Das Foto zeigt die Veranstalter*innen (C2C-Planungsteam) mit ihren insgesamt fünf eingeladenen Gästen.
Von links nach rechts: Finn Schulte-Körne (Teil des Planungsteams, C2C Regionalgruppe), Paul Musenbrock (wiss. Mitarbeiter Leuphana Universität), Martin Kindler (Planungsteam, Bündnis 90/die Grünen), Stephan Cohrs (Technischer Leiter, Hansestadt LG), Sophie Bethune (Planungsteam, Bündnis 90/die Grünen), Milan Pribnow (Architekt & Zimmermeister), Kamila Szwejk (wiss. Mitarbeiterin Leuphana Universität), Wolf von Nordheim (grüner Abgeordneter im Kreistag und Stadtrat), Friedhelm Feldhaus (Planungsteam, Bündnis 90/die Grünen)


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