Landkreis Harburg: Zehn Jahre unbegleitete, minderjährige Geflüchtete – „Menschen mit Würde und Möglichkeiten“
In den letzten zehn Jahren hat das Jugendamt Winsen 421 geflüchtete Minderjährige betreut. Am 14. Februar 2026 luden die Verantwortlichen ein zu einem Treffen und gemeinsamem Rückblick. Viele Neuankömmlinge haben sich inzwischen ein neues Leben aufgebaut und stehen auf eigenen Beinen – auch dank des Engagements vieler Beteiligter, wie Kreisrätin Ana Cristina Bröcking hervorhob.
Mitteilung von: Landkreis Harburg – Am: 17.02.2026
Online: https://www.landkreis-harburg.de/ – Foto: Landkreis Harburg.
Landkreis Harburg: Zehn Jahre Arbeit mit unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten
Foto: Landkreis Harburg. Bei der Veranstaltung am 14. Februar 2026 in Winsen: Kreisrätin Ana Cristina Bröcking (Mitte) spricht zusammen mit Zakaria (links) und Nadeem (rechts) über Herausforderungen und Erfolge.
421 Kinder und Jugendliche kamen von 2015/2016 bis heute als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis Harburg an. Betreut und unterstützt wurden sie hier von Mitarbeitenden des Jugendamts in Winsen, der freien Jugendhilfe und von Verantwortlichen in Schulen und Ehrenamtlichen. Am 14. Februar 2026 hatten die Verantwortlichen der Abteilung Jugend und Familie im Landkreis Harburg sie alle zu einem Treffen eingeladen in die Berufsschule Winsen. Für viele war das auch ein großes Wiedersehen. Gemeinsam blickte man auf die Arbeit und die erreichten Fortschritte zurück – und konnte eine positive Bilanz ziehen.
Ankunft in Winsen als Wendepunkt: „Menschen mit Würde und Möglichkeiten“
Der junge Zakaria erinnert sich noch, wie er vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland kam – nach einem langen Weg „zwischen Tod und neuem Leben“, ohne Sprachkenntnisse, ohne Eltern und auf sich allein gestellt. Und der Beginn eines neuen Lebens mit Unterstützung und Hilfe: „Der 26. April 2023 war mein Wendepunkt. Da wurde aus Überleben Leben mit Bedeutung.“
Zakaria kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in den Landkreis Harburg, in die Obhut des Jugendamts. Für ihn ein Glücksfall, wie er erzählt: „Das Jugendamt sieht in uns keine Nummer, sondern Menschen mit Würde und Möglichkeiten.“ Inzwischen bereitet sich Zakaria auf den Schulabschluss vor.
In der Betreuung des Jugendamts
Seit 2015/2016 sind 421 jungen Menschen als Minderjährige gekommen, die meisten von ihnen aus Afghanistan und Syrien. Aktuell werden 120 Jugendliche betreut. Viele der in 2015/2016 Eingereisten haben sich ein neues Leben aufgebaut. Sie haben die Sprache gelernt, sind inzwischen gut integriert und berufstätig. Sie haben die Schule und eine Ausbildung absolviert, teilweise sogar ein Studium – sie haben es geschafft und stehen inzwischen auf ihren eigenen Beinen.
Es gab immer Hoffnung auf Zukunft – Menschen, die da waren

Foto: Landkreis Harburg. Nadeem und Petra Elvers von der Abteilung Jugend und Familie schildern bei der Veranstaltung in Winsen Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre.
So auch Nadeem, der 2015 aus Afghanistan kam. Der 26-Jährige hat inzwischen eine Informatikausbildung absolviert, sich eine Existenz aufgebaut. „Der Anfang ist schwer. Das Gefühl, fremd zu sein, ist real. Aber es bleibt nicht immer so“, stellte er fest. Auch er erinnert sich an Einsamkeit und Heimweh nach seiner Ankunft, an die fremde Sprache und Kultur und das Gefühl, nicht dazuzugehören. „Aber es gab immer die Hoffnung, hier eine Zukunft aufzubauen.“ Und immer seien Menschen für ihn da gewesen.
Bäckerei Soetebier: 60 Geflüchtete im Betrieb – „Lernt die Sprache!“
Seine guten Erfahrungen, wie sich die Geflüchteten in die Arbeitswelt integrieren lassen, schilderte dann Frank Soetebier, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei-Kette. In seinem Bäckereibetrieb beschäftigt er rund 60 Menschen, die als Geflüchtete nach Deutschland kamen. Voraussetzung, damit das funktionieren könne, sei jedoch immer die Kenntnis der deutschen Sprache. Die Geflüchteten können das nur bestätigen. „Lernt die Sprache“, appellierte auch Nadeem.
„Hinter jedem Abschluss, hinter jeder Ausbildung, hinter jedem Arbeitsplatz steht Mut, Durchhaltevermögen – und ein großer Wille, sich ein Leben aufzubauen, sich in die Gesellschaft einzubringen und eine neue Heimat zu finden“, betonte auch die zuständige Kreisrätin Ana Cristina Bröcking.
Herausfordernde Ereignisse im Herbst 2015 – bewältigt durch Engagement und Zusammenarbeit
Die Kreisrätin erinnerte daran, wie im Herbst 2015 Busse mit Geflüchteten am Kreishaus eintrafen. „Damals stand auch unser Landkreis vor einer großen Herausforderung. Innerhalb kürzester Zeit kamen sehr viele geflüchtete Menschen nach Deutschland – darunter auch Jugendliche ohne Eltern, die besondere Unterstützung und besonderen Schutz benötigten.“ Sie wurden in Obhut genommen, entsprechende Plätze für sie geschaffen. „Das war eine Situation, die niemand planen konnte, für die es keine Blaupause gab. Aber es war eine Situation, der sich unser Landkreis erfolgreich gestellt hat“, so die Kreisrätin.
Bröcking hob den Einsatz vieler Mitwirkender hervor: „Diese Aufgabe konnte nur bewältigt werden, weil viele Menschen Außergewöhnliches geleistet haben.“ Jugendhilfeträger und Schulen haben engagiert und Hand in Hand gearbeitet. „Diese Zusammenarbeit verdient Respekt und ist keine Selbstverständlichkeit.“
Humanitäre Verantwortung für Mitmenschen
Ana Cristina Bröcking machte aber auch deutlich: „Wir tragen Verantwortung für die jungen Menschen, die hier sind und die unserer Jugendhilfe anvertraut werden. Der Landkreis Harburg gestaltet aber keine Migrationspolitik. Unsere Bemühungen gelten den jungen Menschen und sind Ausdruck selbstverständlicher rechtsstaatlicher und humanitärer Verantwortung.“
- Landkreis Harburg: Kreisverwaltung in Winsen (Luhe)
- LIVT: Lüneburger Initiative für Vielfalt und Teilhabe
LIVT ist eine Gruppe engagierter Frauen mit Migrationsgeschichte in Lüneburg, die sich vor Ort für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen. - BR24: Weniger Geld für Integrationskurse: Kurs-Anbieter schlagen Alarm – 17.02.2026
Integrationskurse gelten als entscheidende Maßnahme, um Zuwanderer auf den deutschen Arbeitsmarkt und das soziale Leben vorzubereiten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat die Genehmigungen jetzt ausgesetzt – aus Kostengründen. Auf BR-Anfrage verwies das Bundesamt an das zuständige Bundesinnenministerium. - Change.org: Erhalt der Finanzierung für Integrations- und Berufssprachkurse sicherstellen – Petition – Start: 10.02.2026
Mehr bei Lüne-Blog
- „Ankommen. Bleiben. Weitergeben“: Migrationsgeschichten aus der Region – 15. November 2025 – 09.11.2025
Migrationsgeschichten sind sehr unterschiedlich. Am Samstag, 15. November 2025, berichten sechs Menschen in der VHS Lüneburg, wie sie hier angekommen sind, über ihre Erfahrungen, über Herausforderungen und Wünsche für ein gelingendes Zusammenleben – unter dem Motto „Ankommen. Bleiben. Weitergeben“. - LIVT lädt ein: Erzählcafé und Workshop für Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung – 2. und 10. Mai 2025 – 20.04.2025
Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung sind eingeladen ins LIVT-Erzählcafé am Freitag, 2. Mai, und in den Workshop „Vom Empowerment zur Partizipation“ am 10. Mai 2025. Das Erzählcafé im mosaique Lüneburg soll künftig jeweils am ersten Freitag im Monat von 18 bis 20 Uhr stattfinden (außer in den Ferien).

mosaique Lüneburg: Straßenansicht. Foto: mosaique Lüneburg.
![]()
Ergänzung oder Korrektur? Bitte Mail an redaktion@luene-blog.de – danke!
Lüne-Blog veröffentlicht Pressemitteilungen, Berichte und Veranstaltungshinweise von Parteien, Verbänden und Zusammenschlüssen: https://luene-blog.de/ueber-uns/
Lüne-Blog kannst du auch lesen bei:
![]() |
![]() |
![]() |


