Grafik: Evangelische Kirchen in Niedersachsen und Bremen. Banner zur Kampagne "Demokratie stärken" mit der Aufschrift: "Menschenwürde - Nächstenliebe - Zusammenhalt".

23. Mai 2026: Tag des Grundgesetzes – Aufruf der Kirchen: Für Demokratie und Menschenwürde

Zum Ehrentag und Mitmachtag hat Bundespräsident Steinmeier den 23. Mai, den „Geburtstag des Grundgesetzes“, ausgerufen. Marianne Gorka, Regionalbischöfin im Sprengel Lüneburg, ruft auf zum Einsatz für Demokratie und Frieden, zu widersprechen, wenn andere herabgewürdigt werden, und für die Würde aller einzutreten.


Mitteilung von: Sprengel Lüneburg – Am: 19.05.2026
Online: https://www.evangelisch-in-niedersachsen.de/ – Grafik: Evangelische Kirchen in Niedersachsen und Bremen.


Tag des Grundgesetzes: Regionalbischöfin Marianne Gorka ruft auf zu Einsatz für Demokratie, Menschenwürde und Frieden

Grafik: Evangelische Kirchen in Niedersachsen und Bremen. Banner zur Kampagne „Demokratie stärken“ mit der Aufschrift: „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt”.

Anlässlich des Tages des Grundgesetzes am 23. Mai ruft Marianne Gorka, Regionalbischöfin im Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, dazu auf, sich aktiv für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen. „Unsere Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, sich für das Gemeinwohl einsetzen und widersprechen, wenn andere herabgewürdigt werden“, sagt Marianne Gorka. „Insbesondere in Zeiten, in denen populistische Parolen, Verachtung und Ausgrenzung lauter werden, braucht es Menschen, die für die Würde aller eintreten.“

Marianne Gorka: Erinnerung verpflichtet

„Der Sprengel Lüneburg trägt eine besondere Verantwortung, weil auf seinem Gebiet Orte nationalsozialistischer Verbrechen liegen“, so die Theologin: „Bergen-Belsen, die NS-Euthanasie-Verbrechen in Lüneburg oder die als sogenannte ‚Hasenjagd‘ in Celle bekannt gewordene Hetzjagd auf KZ-Häftlinge. Diese Orte mahnen uns bis heute, wohin Menschenverachtung, Rassismus und die Entwertung menschlichen Lebens führen können.“

Beispiel Bergen-Belsen und Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg

In Bergen-Belsen, nahe Celle, starben während der Zeit des Nationalsozialismus zehntausende Menschen an Hunger, Krankheit, Gewalt und den Folgen der Haft. Das Konzentrationslager wurde zu einem Symbol für das Grauen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Auch die Verbrechen in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg (heute Psychiatrische Klinik) gehören zu den dunkelsten Kapiteln der Regionalgeschichte: Psychisch kranke und behinderte Menschen wurden entrechtet, zwangssterilisiert und ermordet. Bei der Hetzjagd in Celle wurden im April 1945 geflohene KZ-Häftlinge von Angehörigen der SS, der Wehrmacht, der Polizei und des Volkssturms verfolgt und getötet.

„Wer diese Geschichte kennt, kann nicht gleichgültig bleiben, wenn heute wieder Menschen abgewertet oder gegeneinander aufgehetzt werden“, so Gorka weiter. „Das christliche Menschenbild kennt keine Menschen erster oder zweiter Klasse. Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes.“

„Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes“: Klare Haltung – ohne Menschen aufzugeben

Mit Blick auf die AfD äußert sich die Regionalbischöfin deutlich: „Für mich ist eine Partei nicht wählbar, wenn führende Vertreter demokratische Grundwerte infrage stellen, rechtsextreme Positionen vertreten oder Menschen gegeneinander ausspielen. Christlicher Glaube widerspricht jeder Form von Menschenverachtung.“

Gleichzeitig warnt sie davor, Menschen vorschnell abzuschreiben oder pauschal zu verurteilen: „Ich wünsche mir, dass wir Menschen nicht vorschnell verurteilen oder auf ihre Wahlentscheidung reduzieren. Viele erleben Verunsicherung, Enttäuschung oder haben das Gefühl, mit ihren Sorgen nicht mehr gehört zu werden. Gerade deshalb braucht es Orte des Gesprächs, gegenseitiges Zuhören und die Bereitschaft, einander mit Respekt zu begegnen.“ Kirche habe die Aufgabe, Räume für Begegnung und Verständigung offen zu halten. „Demokratie lebt vom Streit der Meinungen – aber sie lebt auch von Respekt, Wahrheit und der Anerkennung der Würde des anderen“, sagt Gorka.

Gesellschaftliche Spannungen beantworten mit Gerechtigkeit, Verlässlichkeit und Respekt 

Aber: „Demokratie fußt auch darauf, dass Menschen das Gefühl haben: Dieser Staat steht für mich ein. Er schützt mich. Er sorgt für Gerechtigkeit. Wenn Menschen dieses Vertrauen verlieren, wachsen Angst und Wut und werden Menschen umso empfänglicher für allzu einfache Antworten und trügerische Lösungsversprechen“, so Gorka. „Als Kirche treten wir für Frieden, Nächstenliebe und eine Gesellschaft ein, in der Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Reichtum verstanden wird.“

Die Regionalbischöfin wirbt dafür, gesellschaftliche Spannungen ernst zu nehmen, ohne Menschen gegeneinander auszuspielen. Viele Menschen würden Verunsicherung erleben – wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Art. Demokratische Parteien müssten darauf Antworten geben, die auf sozialer Gerechtigkeit, Verlässlichkeit und Respekt beruhen.

Information: Kampagne „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt“

Der Sprengel Lüneburg beteiligt sich damit an der landesweiten Kampagne „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt. Wir stehen dazu!“, die von den evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen getragen wird. Die Kampagne knüpft an die ökumenische Demokratie-Initiative zur Bundestagswahl 2025 an. Im Vorfeld der kommenden Kommunalwahlen setzt sie ein Zeichen gegen Demokratiefeindlichkeit und gesellschaftliche Spaltung.

Der Sprengel Lüneburg

Zum Sprengel (Kirchenbezirk) Lüneburg gehören zehn Kirchenkreise. In den 220 Kirchengemeinden mit rund 470.000 Gemeindegliedern sind 350 Pastorinnen und Pastoren tätig. Die geistliche Leitung und den bischöflichen Dienst im Sprengel nimmt seit Februar 2024 Regionalbischöfin Marianne Gorka wahr. Sie vertritt den Sprengel in der Öffentlichkeit und ist über den Bischofsrat beteiligt an der gesamtkirchlichen Leitung der Landeskirche Hannovers. Regelmäßige Predigtstätte der Regionalbischöfin ist die Lüneburger St.-Johannis-Kirche.

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Foto: Sprengel Lüneburg. Die Kirchenleitenden der drei fusionierenden Kirchenkreise - von links: Christian Stasch (lt. Superintendent Kirchenkreis Lüneburg), Anna Kempe (Pastorin Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg), Christian Cordes (Superintendent Kirchenkreis Lüneburg), und Wiebke Vielhauer (Pröpstin Kirchenkreis Uelzen) unterstützen die gemeinsame Erklärung „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt. Wir stehen dazu!“ der leitenden Geistlichen der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai 2026.

Foto: Sprengel Lüneburg. Die Kirchenleitenden der drei fusionierenden Kirchenkreise – von links: Christian Stasch (lt. Superintendent Kirchenkreis Lüneburg), Anna Kempe (Pastorin Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg), Christian Cordes (Superintendent Kirchenkreis Lüneburg), und Wiebke Vielhauer (Pröpstin Kirchenkreis Uelzen) – unterstützen die gemeinsame Erklärung „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt. Wir stehen dazu!“ der leitenden Geistlichen der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai 2026.

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