Armut im Alter: Zwei Euromünzen liegen auf der Handfläche. Foto: Wolfgang Eckert

Landesamt für Statistik: Jede sechste Person in Niedersachsen ist armutsgefährdet

Drei Gruppen sind besonders betroffen: Heranwachsende und junge Erwachsene, Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und ältere Frauen ab 65. Wer über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommens verfügt, gilt als armutsgefährdet. So die Information des Landesamts für Statistik Niedersachsen.


Mitteilung von: Landesamt für Statistik Niedersachsen – Am: 30.04.2024
Online: https://www.statistik.niedersachsen.de/presse/ 


Armutsgefährdung in Niedersachsen 2023 bei 16,6 Prozent

Die Armutsgefährdungsquote lag im Jahr 2023 in Niedersachsen bei 16,6 Prozent. Damit war etwa jede sechste Person – circa 1,34 Millionen Menschen – von relativer Einkommensarmut betroffen. Das teilte das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mit.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommens zur Verfügung hat. In Niedersachsen galt das 2023 für Einpersonenhaushalte mit weniger als 1.231 Euro, für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.585 Euro. Bei Haushalten von Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren waren es 1.600 Euro.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erheblich betroffen

Von den Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren galten in Niedersachsen etwa ein Fünftel als armutsgefährdet (20,7 Prozent). Unter den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis unter 25 Jahren war es etwa jeder Vierte (23,6 Prozent).

Gegenüber dem Vorjahr 2022 verringerte sich der Anteil der Gefährdeten bei Kindern und Jugendlichen um 1,7 Prozentpunkte und bei den jungen Erwachsenen bis unter 25 Jahren um 1,1 Prozentpunkte.

Unter den Älteren besonders Frauen betroffen

Die Armutsgefährdung im Alter ab 65 Jahren fiel mit 17,9 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich hoch aus. Das ist auf die hohe Quote bei den Frauen im Seniorinnenalter (20,4 Prozent) zurückzuführen (Männer: 14,9 Prozent). Sie haben weniger Geld zur Verfügung.

Im Vergleich mit dem Vorjahr 2022 nahm die Armutsgefährdung im Alter ab 65 Jahren insgesamt nicht ab (+0,1 Prozentpunkte). Bei den Männern fiel sie zwar um 0,5 Prozentpunkte. Bei Frauen in dieser Altersgruppe stieg die Quote jedoch um 0,6 Prozentpunkte,

Großer Unterschied bei Menschen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit

Ein deutlicher Unterschied zeigt sich weiterhin zwischen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit (13,0 Prozent) und denen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (42,2 Prozent).

Im Vergleich mit dem Vorjahr 2022 hat die Armutsgefährdung von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit zugenommen (+1,7 Prozentpunkte), während sie bei den Deutschen niedriger ausfiel (-1,2 Prozentpunkte).

Zahl der Personen im Haushalt von großer Bedeutung

Entscheidend für das Armutsrisiko ist auch die Haushaltskonstellation, in der Menschen leben.

  • Einpersonenhaushalte wiesen 2023 demnach mit 28,6 Prozent eine mehr als dreimal so hohe Armutsgefährdungsquote auf wie Paare ohne Kinder (8,9 Prozent).
  • Familienhaushalte von Paaren mit einem Kind waren mit 8,7 Prozent ebenso wie solche mit zwei Kindern (10,9 Prozent) deutlich seltener armutsgefährdet als diejenigen mit drei oder mehr Kindern mit 27,3 Prozent.
  • Bei Haushalten von Alleinerziehenden betrug die Armutsgefährdungsquote 41,7 Prozent.

Bildungsniveau und Erwerbsstatus ebenfalls bedeutsam

Wichtige Einflussfaktoren für das Armutsrisiko sind zudem das Bildungsniveau und der Erwerbsstatus. Große Unterschiede lassen sich schließlich auch zwischen Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte feststellen (entsprechende Tabellen siehe Methodische Hinweise).

Ungeachtet der steigenden Einkommen und des damit verbundenen Rückgangs der Armutsgefährdungsquote muss zur Bewertung der sozialen Lage auch die Ausgabenseite herangezogen werden, insbesondere vor dem Hintergrund erhöhter Inflationsraten. Entsprechende Daten zur sozialen und materiellen Entbehrung stehen aus der Erhebung EU-SILC Leben in Europa bereit.

Über das Landesamt für Statistik Niedersachsen

Das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) erstellt auf gesetzlicher Grundlage rund 270 Statistiken zu verschiedenen Themen wie Bevölkerung und Haushalte, Bildung, Erwerbstätigkeit, Finanzen, Wirtschaft und Handel, Industrie oder Umwelt und Energie. Das LSN bietet damit neutrale, verlässliche und fachlich unabhängige Informationen für das Land Niedersachsen, seine Regionen und Kommunen, die mit anderen deutschen und europäischen Daten vergleichbar sind. Diese stehen Politik, Verwaltung, Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern zu Informations- und Planungszwecken sowie als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung.

Mehr bei Lüne-Blog

  • Beratung und Hilfe in schwierigen Situationen: Anlaufstellen in Lüneburg – 13.02.2023
    Steigende Energiekosten, Mieten und Inflation – bei finanziellem Druck soll man sich am besten zeitnah an die Sozialhotline der Hansestadt und an das Jobcenter wenden. In einer kostenlose Broschüre sind alle Anlaufstellen übersichtlich zusammengestellt. Außerdem: Zwei Broschüren zum Thema Energiesparen. Alle gibt es zum Herunterladen.
  • Hansestadt Lüneburg: Seniorenpass und mehr – Hilfen und Beratung für Ältere 
    Halbierte Kursgebühren bei der Volkshochschule, vergünstigter Leseausweis für die Stadtbücherei und eine ermäßigte Theatercard – das bietet der Seniorenpass für Ältere, die Grundsicherung oder Wohngeld bekommen. Möglich sind auch eine Rundfunk- und Fernsehgebührenbefreiung und ein Sozialtarif bei der Telekom. Die Beratung beim Senioren- und Pflegestützpunkt in Lüneburg lohnt sich auf jeden Fall!
  • DIE LINKE: Mieten im Landkreis Lüneburg sind überdurchschnittlich hoch – 27.04.2024
    Die zweithöchsten Mieten in Niedersachsen gibt es im Landkreis Lüneburg mit durchschnittlich 10,71 Euro pro Quadratmeter. Höhere Quadratmeterpreise verzeichnet nur der Kreis Harburg-Land mit 11,07 Euro. In Salzgitter liegt die durchschnittliche Miete bei 6,03 Euro pro Quadratmeter. So die Bundesregierung auf eine Anfrage von Victor Perli (DIE LINKE). „Land und Kommunen müssen öffentlichen und bezahlbaren Wohnraum schaffen“, fordert Janine Burkhardt, die für DIE LINKE im Kreistag von Lüneburg sitzt.

Ergänzung oder Korrektur? Bitte Mail an redaktion@luene-blog.de – danke!
Lüne-Blog veröffentlicht Pressemitteilungen, Berichte und Veranstaltungshinweise von Verbänden und Zusammenschlüssen. Nachricht an: redaktion@luene-blog.de

Lüne-Blog kannst du auch lesen bei:

Facebook X - twitter-Logo neu.Twitter/X Instagram Lüne-Blog bei TelegramTelegram MastodonMastodon

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Im Rahmen der DSGVO notwendige Bedingungen - bitte lesen und akzeptieren:
Wenn du das Formular abschickst, werden Name, E-Mail-Adresse und der eingegebene Text in der Datenbank gespeichert. Für weitere Informationen wirf bitte einen Blick in die Datenschutzerklärung: mehr

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.