Von Björn Mennrich, auf de.wikipedia hochgeladen (19:06, 16. Okt. 2007). Der Dateiname war Neetzebrücke.jpg., CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45037394

Landkreis Lüneburg: Renaturierung der Neetze für Auszeichnung nominiert

Zwischen Lüneburg und Bleckede fließt die Neetze, ein Nebenfluss der Ilmenau. Bei Thomasburg wurde ein Gewässerabschnitt umgestaltet und renaturiert. Nun hofft die dortige AG Mühlenteich auf die Auszeichnung als “Bachperle” der Kommunalen Umwelt-Aktion UAN e.V.


Mitteilung von: Landkreis Lüneburg
Am: 07.09.2022
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Foto: Björn Mennrich, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45037394. Neetzebrücke.


Renaturierung der Neetze nominiert für Auszeichnung als „Niedersächsische Bachperle“ 2022

Ein schöner Erfolg im Landkreis: Das Projekt „Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Neetze an der Mühle in Thomasburg“ ist für die „Niedersächsische Bachperle“ 2022 nominiert.

Expertenjury begutachtete Renaturierung der Neetze in Thomasburg

Am 7. September 2022 begutachtete eine siebenköpfige Expertenjury für den Niedersächsische Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss“ die umfangreiche Maßnahme.

Claudia Scheil, Vorsitzende des Fördervereins Thomasburg, und Michael Loch, Fachgebietsleiter Wasser beim Landkreis Lüneburg, führten durch das Projekt und zeigten die positiven Auswirkungen auf die Neetze, die Pflanzen- und Tierwelt und auch, wie stark die Bevölkerung vor Ort den neu gewonnenen Bachabschnitt genießt.

Neuer Gewässerlauf: Fische dürfen jetzt wieder durchschwimmen

„Als Landkreis kümmern wir uns intensiv um die ökologische Entwicklung der Fließgewässer“, erklärt Michael Loch. Eine der umfassendsten Maßnahmen der vergangenen Jahre war, eine ökologische Durchgängigkeit in Thomasburg zu schaffen.

Ein Altarm der Neetze wurde wieder angeschlossen und ein rund 100 Meter langer neuer Gewässerlauf geschaffen. Jetzt fließt der Bach wieder, wie ursprünglich, in Schlingen und das Mühlenwehr, ein früheres Wanderhindernis für Fische, wird umgangen.

Planung begann 2013, Baumaßnahmen 2020

Was sich einfach anhört, bedarf intensiver Planungen, Expertise und Umsetzung von Fachbetrieben – Start war 2013, die endgültigen Baumaßnahmen konnten dann 2020 beginnen.

„Wir haben eine neues Umgehungsgerinne angelegt und den Altarm entschlammt“, zählt Michael Loch auf. Die Gemeinde nutzte die Synergieeffekte und entschlammte in gleichem Zuge den Mühlenteich und setzte das Mühlenwehr instand.

Ursprünglicher Plan: Energiegewinnung durch Wasserkraft

„Ursprünglich wollten wir ausloten, welches Potential die Wasserkraft als Energielieferant bei uns hat“, schildert Claudia Scheil den Beginn der Maßnahme.

„Schnell wurde klar, dass unser Standort zu wenig Strom liefert, aber dass wir ihn ökologisch aufwerten können. Und: Vom Altarm ging eine große Geruchsbelästigung aus – Methan gaste aus. Dann haben wir den Landkreis als Partner mit ins Boot geholt.“

AG Mühlenteich in Thomasburg unterstützte Planung und Umsetzung

Für die Umgestaltung gründeten die Thomasburger eine AG Mühlenteich, die den Gesamtprozess begleitete und Bürgerinnen und Bürger einbezog. „Es gab Diskussionen, auch unterschiedliche Meinungen, aber vor allem viel gemeinsame Kraft, die Neetze wieder in ursprüngliche Schleifen zu bringen.”

„Die Thomasburger haben sich dahintergeklemmt, Spenden gesammelt, Tombolas veranstaltet. Die Kinder haben selbst ein Benefiz-Bobby-Car-Rennen organisiert“, erinnert sich Claudia Scheil. Mit einem Blick auf Picknick-Bänke freut sie sich: „Heute genießen viele Menschen die neue Landschaft, Kinder nutzen die Neetze auch zur Abkühlung im Sommer.“

Das Projekt an der Thomasburger Mühle war anspruchsvoll: Neben den ökologischen und hydraulischen Anforderungen waren weitere Aspekte wie Naturschutz, Denkmalschutz, Ortsbild und Standsicherheit der Gebäude zu berücksichtigen.

Heute: Insekten und Fischbestand nehmen zu

Der hohe Aufwand hat sich gelohnt: „Heute fließt die Neetze ungehindert dahin. Es gibt jetzt schon ein reiches Insektenvorkommen und der Fischbestand hat sich erhöht“, sagt Michael Loch. „Das nutzen jetzt auch die Fischotter, die wir auch wieder hier haben“, ergänzt Scheil.

Die Investition von 633.000 Euro wurde finanziert durch EU-, Bundes- und Landesmittel aus dem Förderprogramm „Fließgewässerentwicklung“, den Landkreis Lüneburg, den Strukturentwicklungsfonds des Landkreises sowie die AG Mühlenteich und die Mühleneigentümer und -anlieger. Dazu kamen weitere private Spenden.

Preisverleihung für “Bachperle” im November 2022

Jetzt hoffen Claudia Scheil, Michael Loch und der Thomasburger Bürgermeister Dieter Schröder auf die Bachperlen-Auszeichnung für ihre Neetze. Sie ist eines von elf Projekten in Niedersachsen, die für die Auszeichnung „Niedersächsische Bachperle“ im Rahmen des Niedersächsischen Gewässerwettbewerbs nominiert ist. Die Preisverleihung findet im November 2022 statt.

Diese besondere Auszeichnung sowie einen Wettbewerbs-Sonderpreis erhielten in den Vorjahren bereits Projekte an der Billerbeck in Melbeck (2012) und an der Lopau bei Bockum (2018).

Hintergrund: Der Niedersächsische Gewässerwettbewerb

Der Niedersächsische Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss“ (https://www.uan.de/projekte/bach-im-fluss) hat zum Ziel, die Gewässerentwicklung in Niedersachsen zu fördern, gelungene Projekte der Fließgewässerentwicklung öffentlich zu präsentieren und die Vorbildfunktion guter Projekte zu nutzen. Gerade vor dem Hintergrund der EG-Wasserrahmenrichtlinie und dem angestrebten Ziel, den guten ökologischen und chemischen Zustand der niedersächsischen Bäche und Flüsse zu erreichen, ist dies von großer Bedeutung.

2022 findet der zweijährliche Wettbewerb schon zum siebten Mal statt. Getragen wird der Wettbewerb vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz sowie von der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens.

Die Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs werden im Rahmen der Preisverleihung, die im November in Hannover stattfindet, ausgezeichnet. Als Hauptpreise wird die Niedersächsische Bachperle jeweils in den Kategorien ‚Hauptamt’ und ‚Ehrenamt’ vom Niedersächsischen Umweltminister überreicht.
Darüber hinaus wird es jeweils einen Sonderpreis von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und von FluR – Fließgewässer im urbanen Raum geben.

Jurybegehung. Im Vordergrund Michael Loch, Claudia Scheil und Dieter Schröder. Foto: Landkreis Lüneburg.

Foto: Landkreis Lüneburg. Experten-Jury vor Ort: Claudia Scheil, Vorsitzende des Fördervereins Thomasburg, Michael Loch, Fachgebietsleiter Wasser beim Landkreis Lüneburg und der Thomasburger Bürgermeister Dieter Schröder führen zur Maßnahme „Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Neetze an der Mühle in Thomasburg“, 7.9.2022.


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