Foto: Hansestadt Lüneburg. Der Jüdische Friedhof: 13 historische Grabsteine wurden aus erhaltenen Teilen wieder zusammengesetzt und in voller Größe aufgestellt. Im Hintergrund sechs Stelen mit den Namen derer, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Mahnung, Erinnerung, Hoffnung: Feier zur Neugestaltung des Jüdischen Friedhofs

Vor gut 80 Jahren war der Jüdische Friedhof in Lüneburg zerstört und eingeebnet worden. Nach der Neugestaltung wurde er nun am 28. Mai 2026 feierlich übergeben. Fast 50 Nachfahren jüdischer Lüneburger Familien aus ganz Europa, den USA, Afrika und Israel waren zu der Feierstunde angereist.


Mitteilung von: Hansestadt Lüneburg – Am: 28.05.2026
Online: https://www.hansestadt-lueneburg.de – Foto: Hansestadt Lüneburg.


Mahnung, Erinnerung, Hoffnung: Feierstunde zur Neugestaltung des Jüdischen Friedhofs

Fast 50 Nachfahren jüdischer Lüneburger Familien aus Europa, USA, Afrika und Israel angereist

Foto: Hansestadt Lüneburg. Der Jüdische Friedhof: 13 historische Grabsteine wurden aus erhaltenen Teilen wieder zusammengesetzt und in voller Größe aufgestellt. Im Hintergrund sechs Stelen mit den Namen derer, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Mehr als 80 Jahre nach der vollständigen Verwüstung und vier Jahre nach Beginn der Neugestaltung ist der Jüdische Friedhof in Lüneburg wieder ein würdiger Ort der Trauer, des Lernens, der Erinnerung und Begegnung. Sogar Bestattungen nach jüdischem Brauch sind dort jetzt wieder möglich. Am 28. Mai 2026 wurde der Friedhof feierlich an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden Niedersachsen übergeben. Zu dem Anlass waren fast 50 Nachfahren jüdischer Lüneburger Familien aus ganz Europa, den USA, Afrika und Israel angereist.

Feierstunde auf dem Friedhof und anschließend Festakt im Fürstensaal

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) und die Hansestadt Lüneburg hatten gemeinsam eine Feierstunde auf dem Friedhof mit anschließendem Festakt im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses organisiert. Hier gedachten die Vortragenden in bewegenden Worten der Toten, mahnten zum Einsatz gegen das Vergessen und sprachen ihre Hoffnung aus auf neues jüdisches Leben in Lüneburg.

Rückblick: „Säuberung“ des Geländes im Winter 1943/44

Im Winter 1943/44 hatte die Stadt Lüneburg das Gelände des Friedhofs umfassend „säubern“ und einebnen lassen. Dabei wurden fast alle Grabsteine zerstört oder verkauft. Anschließend errichtete man dort ein Behelfsheim mit einem Fundament aus den letzten verbliebenen Grabsteinen des jüdischen Friedhofs. Nach dem Krieg weigerte sich die Stadt jahrzehntelang, den Friedhof zu einem Ort des Gedenkens zu machen. Und auch danach fand nur eine halbherzige Wiederherstellung statt.

OB Claudia Kalisch: Schuldig gemacht an der Zerstörung des jüdischen Lebens in Lüneburg

„Wir haben mehr als Ihren Friedhof zerstört“, sagte Kalisch im Rathaus zu den Nachfahren. „Wir haben die Jüdinnen und Juden, Ihre Vorfahren, vertrieben aus unserer Stadt. Wir haben ihnen ihr Hab und Gut genommen, ihnen ihre Grundstücke und Häuser geraubt. Mit dieser Zerstörung jüdischen Lebens in Lüneburg haben wir uns schuldig gemacht. Wir dürfen nicht wieder wegsehen. Wir dürfen niemals vergessen.“

Friedhof als Mahnung gegen das Vergessen

Als Mahnung gegen das Vergessen steht der Jüdische Friedhof. Die GCJZ Lüneburg hatte die Begräbnisstätte seit 2022 in enger Abstimmung mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und einem Rabbiner umfassend sanieren lassen. 2024 war die über Jahrzehnte vernachlässigte Trauerhalle von 1912 restauriert worden. 

Doch: „Wer an den Friedhof denkt, soll nicht nur an seine Zerstörung denken. Der Friedhof soll vor allem an den Alltag einer Gemeinde erinnern, deren Geschichte weit über den Friedhof hinausgeht“, so Historikerin Anneke de Rudder, die an die einst lebendige jüdische Gemeinde erinnerte.

13 noch erhaltene Grabsteine aufgestellt – Stelen mit den Namen der hier Bestatteten

Auf dem neugestalteten Friedhofsgelände erinnern nun die 13 noch erhaltenen Grabsteine (von ehemals ungefähr 150) an das Schicksal dieses Ortes. Sie sind in zwei Halbkreisen angeordnet, um zu verdeutlichen, dass sich dort keine Gräber mehr befinden. Auf sechs Stelen werden zum bleibenden Gedenken die rund 170 Namen derer bewahrt, die auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Signal für die Zukunft und Zeichen der Hoffnung

Die Wiederherstellung des Friedhofs sei ein wichtiges Signal für die Zukunft, erklärte Prof. Dr. Christoph Dohmen, 1. Vorsitzender der GCJZ, in seiner Rede: „Wenn irgendwo eine jüdische Gemeinde gegründet wird, hat sie sich um einen Begräbnisplatz zu kümmern. Die Neugestaltung des alten jüdischen Friedhofs stellt uns vor eine nie dagewesene Situation: Es gibt wieder einen jüdischen Friedhof, aber – noch! – keine jüdische Gemeinde. Die geänderte Reihenfolge Friedhof – Gemeinde sollten wir in Lüneburg als hoffnungsvolles Zeichen verstehen.“

Gemeinschaft schaffen und gegen Hass eintreten

Den Blick nach vorn richtete im Namen der Angehörigen auch Dr. Becki Cohn-Vargas, Urenkelin des jüdischen Rechtsanwalts Robert Heinemann aus Lüneburg: „Wir sind hier, weil andere durchgehalten haben, weil andere geholfen haben, und weil andere sich für die Hoffnung entschieden haben statt für die Angst“, sagte sie. „Die Frage, die wir weitertragen, lautet: Was werden wir mit diesem Erbe tun? Es liegt an uns, die Welt zu heilen, Gemeinschaften zu schaffen, in denen Menschen das Gefühl haben dazuzugehören, und uns gegen Hass zu wehren, wo immer er uns auch entgegentritt.“

Mehr Information und Besuch

Einen persönlichen Eindruck vom Jüdischen Friedhof erhalten Interessierte beim Tag des offenen Tores am 7. Juni 2026 in der Zeit von 15 bis 18 Uhr.

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Foto: Hansestadt Lüneburg. Der Jüdische Friedhof: Während der Enthüllung der sechs neuen Stelen wurden die Namen aller 170 Menschen verlesen, die hier zwischen 1828 und 1939 bestattet worden waren.

Foto: Hansestadt Lüneburg. Der Jüdische Friedhof: Während der Enthüllung der sechs neuen Stelen wurden die Namen aller 170 Menschen verlesen, die hier zwischen 1828 und 1939 bestattet worden waren.

Wikipedia: Jüdischer Friedhof in Lüneburg

Der Jüdische Friedhof Lüneburg in Lüneburg ist ein geschütztes Kulturdenkmal. Auf dem 2082 m² großen jüdischen Friedhof, der Am Neuen Felde 10 liegt, befinden sich 14 Grabsteine. Diese waren beim Bau eines in der NS-Zeit errichteten Behelfsheims des Reichsarbeitsdienstes (RAD) verwendet worden und tauchten 1967 beim Abriss des Heimes unter den Fundamenten auf. Der Friedhof wurde im Jahr 1823 angelegt. Im Jahr 1965 setzte die Stadt einen Gedenkstein für die Lüneburger Juden. 

Weiterlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Lüneburg)

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